Jungunternehmer von Ver­öffentlichungspflicht befreien

18. Jänner 2011, 13:55
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Unternehmensgründungen im Vorjahr leicht gestiegen

Wien - In Österreich haben sich im Vorjahr wieder mehr Personen selbstständig gemacht: Die Zahl der Unternehmensgründungen stieg gegenüber 2009 um 1,1 Prozent auf 29.221, nach einem Rückgang um rund 2 Prozent im Jahr 2009. Rechnet man selbstständige Personenbetreuer (Pflegekräfte) dazu, wurden im Vorjahr laut vorläufigen Zahlen der Wirtschaftskammer 35.529 (32.712) Firmen gegründet. Erneuert wurden heute in einer Pressekonferenz die Forderungen nach einer Einführung der "Gmbh light", der Schaffung eines sogenannten Beteiligungsfreibetrages für private Investoren sowie die Abschaffung der Veröffentlichungspflichten im Amtsblatt zur "Wiener Zeitung" zumindest für Jungunternehmer.

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl erklärte, bei einer generellen Streichung der Veröffentlichungspflichten wäre die Existenz der Zeitung gefährdet, "das wollen wir nicht". Die Zeitung solle sich umstrukturieren. Die Ersparnis für alle Unternehmensgründer zusammen bei einer Streichung der Pflichtveröffentlichung bezifferte Leitl mit rund 1 Mio. Euro pro Jahr. Leitl verwies auf den bereits im Vorjahr genannten "Stufenplan" für einen schrittweisen Ausstieg. Zustimmen könne man etwa Veröffentlichungspflichten bei großen Unternehmen oder großen Ausschreibungen. Der Vorsitzende der jungen Wirtschaft, Markus Roth, forderte, die Veröffentlichungen müssten elektronisch und ohne Aufwand möglich sein. Die Veröffentlichungspflicht in der "Wiener Zeitung" bringe nichts, "da finanziert sich jemand eine Zeitung". Er sprach auch von der "Möglichkeit für Versorgungsposten". Und: "Wenn ich mir ein Inserat kaufen muss, will ich auch etwas davon haben."

Trend zu traditionellen Berufen

Bei den Unternehmensneugründungen gehe der Trend zu den traditionellen Berufen, so Leitl. Mehr als 50 Prozent entfielen auf Gewerbe und Handwerk, rund 20 Prozent auf den Handel und rund 17 Prozent auf Information und Consulting. Europaweit im Spitzenfeld liege Österreich bei der Überlebensdauer der jungen Unternehmen. Mehr als 70 Prozent gibt es länger als vier Jahre. Fast zwei Drittel (61,3 Prozent) bestehen länger als 7 Jahre. 40 Prozent der Neugründungen werden von Frauen durchgeführt, inklusive der selbstständigen Personenbetreuer sind es 53,2 Prozent. Geschaffen wurden 66.000 neue Arbeitsplätze. Die Arbeitslosenrate wäre ohne Gründer um ein Drittel höher, der Staat um 500 Mio. Euro ärmer.

Motiv für die Unternehmensgründung sei die "eigene Lebensgestaltung", so Leitl. Die Lebenserwartung von Selbstständigen sei um drei Jahre höher als jene von Unselbstständigen, sie arbeiteten aber auch im Durchschnitt um drei Jahre länger.

Der Zahl der GmbH an den Neugründungen sei von 10 auf 8 Prozent zurückgegangen. "Wenn wir so weiter machen, gibt es in vier Jahren überhaupt keine Gmbh mehr", befürchtet Leitl. Es sei unverständlich, warum es die "10.000-Euro-GmbH" noch nicht gebe, so Roth. Im Bundeskanzleramt und im Finanzministerium sei man massiv dagegen. "Wenn wir sagen wir sind die Pflanze, dann sind das die Wühlmäuse", zieht Roth einen Vergleich aus der Natur. Es gebe auch noch weiteres Unkraut, wie etwa die Veröffentlichungspflichten in der Wiener Zeitung". Dem Staat entgingen durch die "GmbH light" 35 Mio. Euro an KÖSt. Würde man diesen Betrag aber mit positiven Effekten gegenrechnen, könnte man wohl um einiges mehr erhalten.

Basel III könnte Geldfluss stoppen

Im Zuge der neuen Banken-Eigenkapitalregeln ("Basel III") besteht bei der Wirtschaftskammer die Sorge, dass junge Unternehmen schwieriger zu Geld kommen könnten als etablierte Firmen. Gefordert wird daher ein Beteiligungsfreibetrag für private Investoren. Dieser soll in Summe 50.000 Euro betragen und steuerlich jährlich - innerhalb von fünf Jahren - zu je 10.000 Euro absetzbar sein.

Die Eigenkapitalquote der Klein- und Mittelbetriebe (KMU) habe sich mittlerweile auf mehr als 20 Prozent verbessert, auch durch Investitionszurückhaltung oder Lagerabbau, so Peter Voithofer, Geschäftsführer der KMU Forschung Austria. Dies könnte sich aber mit zunehmender Verbesserung der Wirtschaftslage ändern. Der Beteiligungsfreibetrag könnte die Eigenkapitalquote bei Kleinstunternehmen um 5 Prozentpunkte, bei Kleinunternehmen um 2 Prozentpunkte verbessern. Rund 50.000 Unternehmen kämen dafür prinzipiell in Frage. Als potenzielle Investoren werden rund 70.000 Österreicher gesehen. Für den Staat sei der Saldo ab dem dritten Jahr positiv, wenn die Hälfte der Unternehmen an die Top-Performer anschließe.

Mit der seit Herbst 2009 bestehenden Förderung für Arbeitsplätze in Ein-Personen-Unternehmen wurden im Vorjahr 535 Jobs geschaffen, seit Beginn der Aktion 636. Die Wirtschaftskammer hat laut Leitl nun den Sozialminister ersucht, die Altersgrenze von derzeit 30 Jahren anzuheben. (APA)

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    Gedeihlicheres Klima für Gründer wünscht sich die Kammer - die Veröffentlichungspflichten sieht man da eher als Unkraut.

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