"Spekulative" Investoren im Kommen

18. Jänner 2011, 13:32
44 Postings

Immo-Investments in Österreich legen wieder stärker zu - In der CEE-Region wurden 2010 fünf Milliarden Euro investiert

Im Vorjahr hat sich der österreichische Markt für Immobilien-Investoren für Beobachter relativ enttäuschend präsentiert. Das erste Halbjahr sei mit Transaktionen von 850 Millionen Euro zwar noch "lebhaft" gewesen, das zweite Halbjahr - traditionell das stärkere - habe dann aber ziemlich ausgelassen, wodurch im Gesamtjahr nur ein Volumen von 1,45 Milliarden Euro erreicht wurde. Dies waren somit nur um 200 Millionen Euro mehr als im "sehr schwachen" Jahr 2009, berichtete Franz Pöltl, Geschäftsführer der EHL Investment Consulting, am Dienstag auf einer Pressekonferenz.

Heuer sollten die Investitionen wieder merklich anziehen, das erwartet sowohl Pöltl als auch Andreas Ridder, Geschäftsführer beim EHL-Mitbewerber CB Richard Ellis (CBRE). Ridder rechnet übrigens auch von einem höheren Niveau weg, seinen Zahlen zufolge kamen die Immo-Investments 2010 auf 1,6 Milliarden Euro und 2009 auf 1,3 Mrd. "Nach wie vor ist es die Stabilität des Marktes, die für Investoren in Österreich interessant ist", so der CBRE-Boss.

"Spekulative" Investoren im Kommen

Bis vor kurzem war Sicherheit das wichtigste Anlagemotiv. Wegen der geringeren Verfügbarkeit solcher sicheren Anlageobjekte (die die Preise steigen lässt) werden nun aber "die Risiken neu evaluiert", wie Pöltl dies ausdrückte. Er geht davon aus, dass der Immobilienmarkt für "spekulative" Investoren immer interessanter wird. "Zum einen sind die Anlagealternativen, insbesondere Anleihen, sehr unattraktiv; zum anderen eröffnet der Konjunkturaufschwung auch wieder Chancen für Wertsteigerungen."

Während die Nachfrage 2010 zum Großteil aus Österreich selbst kam, werden im neuen Jahr zunehmend auch internationale Investoren wieder ihre Fühler nach Objekten in der Alpenrepublik ausstrecken. Noch im ersten Halbjahr erwartet Ridder verstärktes Interesse aus dem asiatischen und angloamerikanischen Raum. EHL-Experte Pöltl sieht eine enorme Nachfrage aus Deutschland. Der größte deutsche Immo-Fonds Deka habe etwa gut 3,5 Milliarden Euro an liquiden Mitteln zur Verfügung. Auch der größte heimische Fonds, der BA Real Invest, habe immerhin ein Zehntel davon zum Investieren flüssig - die Anleger liefen allen so genannten "Betongold"-Investments in der Krise die Türen ein, speziell bei den Immo-Investmentfonds erhöhte sich das Gesamtfondsvolumen im Vorjahr um fast ein Viertel.

2010 haben die heimischen Immobilienfonds demzufolge auch den Markt beherrscht: Der Bank Austria Real Invest trat als größter Käufer auf dem Markt auf, der Fonds erwarb im Vorjahr unter anderem den "Wohnpark Handelskai" in Wien-Brigittenau (49.000 m²) und den "Trillerpark"-Komplex in Wien-Floridsdorf (40.000 m²). Die größte Transaktion im Vorjahr war die Übernahme des IZD-Towers (63.000 m²) durch die Signa Holding um 212 Mio. Euro.

Top-Renditen sinken leicht

Die Renditen für Wiener Top-Objekte liegen derzeit bei rund 5,40 Prozent, Pöltl erwartet ein geringfügiges Absinken. Objekte in nur "guten" Lagen (so genannte "Core +") würden damit für Investoren attraktiver werden. Nicht mehr so sehr im Brennpunkt wie in der Vergangenheit werden hingegen Zinshäuser stehen, ist sich Pöltl sicher.

CBRE-Geschäftsführer Ridder gab in seiner Pressekonferenz am Dienstag auch Einblick in den Immobilien-Investmentmarkt in der CEE-Region. Dort seien die Transaktionen um 90 Prozent gegenüber 2009 gestiegen und hätten damit rund fünf Milliarden Euro erreicht. Hauptverantwortlich dafür waren Polen und Russland, wo rund 74 Prozent aller zentral- und osteuropäischen Immo-Investments getätigt wurden.

In den meisten anderen Ländern lasse die Liquidität allerdings zu wünschen übrig, so Ridder. Ebenso inhomogen verhalte es sich mit den Renditen. In den meisten Märkten seien diese im vierten Quartal um 15 bis 20 Basispunkte gesunken, am stärksten in Bukarest. Die offenen deutschen Immobilienfonds hätten ihre Aktivitäten in der CEE-Region im Jahr 2010 auf ein Minimum reduziert, und auch in diesem Jahr erwartet Ridder nur hier "sehr selektive" Aktivitäten. (map, derStandard.at, 18.1.2011)

  • Während die Nachfrage 2010 zum Großteil aus Österreich selbst kam, 
werden im neuen Jahr zunehmend auch internationale Investoren wieder 
ihre Fühler nach Objekten in der Alpenrepublik ausstrecken.
    foto: derstandard.at

    Während die Nachfrage 2010 zum Großteil aus Österreich selbst kam, werden im neuen Jahr zunehmend auch internationale Investoren wieder ihre Fühler nach Objekten in der Alpenrepublik ausstrecken.

Share if you care.