Verletzte Nerven wachsen lassen

18. Jänner 2011, 15:26
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Neue Substanzen fördern Längenwachstum verletzter peripherer Nerven und verhindern übermäßiges Verzweigen

Innsbruck - Periphere Nervenverletzungen sind Schädigungen außerhalb des zentralen Nervensystems (Hirn, Rückenmark). Ein typisches Beispiel hierfür sind Extremitäten-Verletzungen bei Motorradunfällen. Als Therapie der ersten Wahl gilt die chirurgische Wiederherstellung, aber für die gezielte Regeneration von Nervenzellfortsätzen bestehen bis dato Grenzen. Der Innsbrucker Wissenschaftlerin Barbara Hausott an der Sektion für Neuroanatomie, Medizinische Universität Innsbruck, ist es nun gelungen, ein Protein zu identifizieren, welches hier eine wesentliche Rolle spielen könnte: Die Regulierung des Sprouty Proteins erlaubt es, die Regeneration von peripheren Nervenläsionen zu verbessern.

Von peripheren Nervenverletzungen der oberen Extremitäten sind beispielsweise alleine in den USA jährlich 360.000 Personen betroffen, größtenteils junge Menschen. Die Ursachen dafür können Sportverletzungen, Unfälle - hier vor allem Motorradunfälle, Überdehnungen, Schnitt- und Stichverletzungen, Verbrennungen usw. sein. Zum Vergleich eine Zahl: Nach Auskunft ÖAMTC (Statistik Austria) verletzten sich beispielsweise im Jahr 2009 rund 9.200 Personen bei Unfällen mit einspurigen Kraftfahrzeugen in Österreich. Traumatische Läsionen am peripheren Nervensystem kommen um das Zehnfache häufiger vor als jene, des zentralen Nervensystems (Hirn, Rückenmark).

Die klinische Prognose nach der chirurgischen Behandlung ist unvorhersehbar und für Betroffene oft enttäuschend: Die Lebensqualität kann nicht beibehalten werden, manchmal steht aufgrund der gesundheitlichen Einschränkung sogar ein Berufswechsel an. An der Sektion für Neuroanatomie der Medizinischen Universität Innsbruck wird nun unter der Leitung von Lars Klimaschewski intensiv an neuen Behandlungsmöglichkeiten von Nervenläsionen und deren Folgen geforscht. Im Rahmen des D. Swarovski-Förderungsfonds befasst sich die Biologin Dr.in Barbara Hausott mit der Rolle von Sprouty Proteinen in der Axonregeneration von verschiedenen Neuronen. 

Die Krux der neuronalen Regeneration 

Neuronale Zellfortsätze (Axone) leiten elektrische Impulse zwischen Nervenzellen oder Nervenzelle und Zielgewebe. Gebündelt als periphere Nerven durchziehen sie den Körper. Wenn bei deren Schädigung eine große Distanz zu überbrücken ist, treten gehäuft Probleme auf, die derzeit mit der Opferung und Implantation eines gesunden Nervs behandelt werden. Dennoch bilden sich oft schmerzhafte Nervenknäuel durch übermäßiges Verzweigen des verletzten Nervs an der Läsionsstelle. „Vor diesem Hintergrund sind Substanzen von besonderem Interesse, die das Längenwachstum von peripheren Axonen fördern und kein übermäßiges Verzweigen induzieren", erklärt Maria Auer, die ebenfalls an der Erforschung Regenerations-hemmender Proteine in der Abteilung für Neuroanatomie arbeitet. So genannte Sprouty-Proteine hemmen nun signalgesteuerte Reaktionen wie beispielsweise die Zellvermehrung oder - wie in diesem Fall: das Axonwachstum. „Umgekehrt bedeutet dies, dass die Hemmung von Sprouty zu einem verstärkten und gewünschten Längenwachstum der Axone führt", so Hausott. 

In einer weiteren Arbeit wurde diese Wirkung durch die Behandlung mit dem Wachstumsfaktor Fibroblast Growth Factor (FGF-2) noch verstärkt. Dazu erklärt die Erstautorin der beiden Publikationen Hausott: „Bemerkenswert ist vor allem, dass die Hemmung von Sprouty mittels siRNAs (small interfering RNA) zusammen mit FGF-2 einen verstärkten Effekt auf das Längenwachstum von Axonen hat, während aber gleichzeitig die Anzahl der Verzweigungspunkte nicht verändert ist. Das ist besonders wichtig für die Axonregeneration über längere Distanzen, wo es noch einigen Verbesserungsbedarf in der Therapie von peripheren Nervenläsionen gibt." (red)

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