Sonderbare Werbeformen

18. Jänner 2011, 12:23
26 Postings

Die neue Welle bringt das Internet immer weiter weg von einem standardisiert buchbaren Werbemarkt, meint Roland Kreutzer im Ad-Blog

Es gab eine Zeit, da haben wir in der Online-Werbebranche versucht, so kreative, große und auffällige Werbungen wie nur irgend möglich zu erfinden. Damals - und das ist nun schon sieben bis acht Jahre her! - haben wir uns von den Offline-Kreativagenturen leiten lassen und auszugleichen versucht, was diese uns vorgehalten haben: Wir seien nicht in der Lage zu emotionalisieren und kreative Werbung braucht kein Internet. Kurz später wurden solche Alt-Denker aussortiert und das Internet zur treibenden Kraft. Die verschiedenen Extrem-Werbeformen (ich erinnere mich noch an unseren Splitscreen mit Bildschirmteilung und die Flashbars oben und unten am Schirm) wurden durch stärkere Standardisierung und Integration in die Website ausgemustert. Gut so, denn durch Standardwerbeformen lassen sich Schaltungen effizienter machen - Werbung wird reichweitenstärker, günstiger und optimierbarer.

International gilt das immer noch. In Österreich aber verwundern mich neue Tendenzen zu einem Rückfall in die Zeit rund um 2002. Plötzlich tauchen die Flashbars wieder gehäuft auf. Mein Originalscript wurde 2003 zuletzt geändert und dürfte nun wieder aktualisiert werden müssen, wenn der Trend sich bewahrheitet. Interessant, dass nicht die Agenturen diese alten Sonderlösungen ausgegraben haben, sondern die Medien. Und das an vielen Stellen - natürlich zueinander inkompatibel.

Österreich: Eigenartig unkreativ - und gefährlich?

War Österreich bisher schon ein Land der Eigenartigkeiten (unsere "Sitebars" kennt man sonst nicht, die wieder auftauchenden Expandables, also sich bei Mauskontakt vergrößernden Banner, hat man sonst auch schon begraben), so bringt uns die neue Welle an sonderbaren Werbeformen immer weiter weg von einem standardisiert buchbaren Werbemarkt. Ein Vorteil des Internets, die hohe Standardisierung, ist damit dahin. Die Zurückhaltung der Medien bisher wäre es auch - kippt im Wettbewerb um die auffälligste Werbeform das Gleichgewicht endgültig? User-Reaktionen wurden zuletzt immer ablehnender, die Werbeblocker machen sich immer deutlicher bemerkbar.

Mich würde zu diesem ersten Adblog im Jahr 2011 interessieren, wie User und Werber zu diesem Thema stehen. Ist die Spirale zu immer extremeren Sonderwerbeformen noch zu stoppen? Tun wir uns insgesamt etwas Gutes damit? An sich könnte mir das egal sein (ich habe noch ein paar ganz tolle Scripts aus dem beginnenden Jahrtausend - vom Mauscursor-Banner bis zum Interstitial-Plakat...), aber ich orte aktuell eine deutliche Schieflage des Marktes mit ineffizienten Kampagnen und erbosten Usern, die hauptsächlich durch zu aggressive alte Werbeideen kommt und eigentlich schon als erledigt galt. Wie sehen das andere? Ich bin auf Feedback gespannt. (derStandard.at, 18.1.2011)

Zur Person:

Roland M. Kreutzer ist Geschäftsführer von Tripple ad-locator.net
www.ad-locator.net

eMail: kreutzer@tripple.at
Facebook: http://www.facebook.com/contator
Xing: https://www.xing.com/profile/Roland_Kreutzer2

  • Roland M. Kreutzer.
    foto: privat

    Roland M. Kreutzer.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Auffallen um jeden Preis?

Share if you care.