Ein ganzes Team in Steve Jobs Fußstapfen

18. Jänner 2011, 12:10
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Steve Jobs ist einer der ungewöhnlichsten Firmen-Chefs – an seine Stelle tritt ein ganzes Management-Team

Steve Jobs' Ankündigung, erneut eine Auszeit aus medizinischen Gründen zu nehmen, hat die Branche ins Jahr 2009 zurückversetzt. Vor zwei Jahren nahm sich der Apple-Chef eine Pause von einem halben Jahr. Anleger, Analysten und Medien reagierten panisch: was wird aus Apple ohne dessen charismatischen Mitgründer und CEO? Doch es gibt ein paar entscheidende Unterschiede zu damals: entgegen 2009 wurde offen gelassen, wann Jobs zurückkehrt und seit der Auszeit vor zwei Jahren wurde Apples Management-Team in der Öffentlichkeit stärker als gestaltende Kraft an der Seite von Jobs positioniert.

Dritte Auszeit

Jobs Gesundheitszustand gibt seit seiner Krebserkrankung 2004 immer wieder Anlass für Spekulationen. Anfang 2009 befasste sich sogar die US-Börsenaufsicht damit, da der Konzern keine Informationen über Jobs' Gesundheitszustand veröffentlichen wollte. Kaum wie ein anderes Unternehmen wird Apple mit seinem CEO identifiziert. Es ist bereits seine dritte Auszeit aus medizinischen Gründen und Anleger haben in der Vergangenheit wiederholt darauf gepocht, dass sich Apple laut Gedanken über einen Nachfolger macht. In einem Schreiben an sein Team erklärte der Unternehmens-Mitgründer, dass er weiterhin als CEO in die strategischen Entscheidungen eingebunden sein werde. Anfang 2009 war die Pause von vorne hinein auf ein halbes Jahr ausgelegt. Anfang 2011 heißt es nun, dass er sobald wie möglich zurückkommen wolle.

Ungewöhnlicher Chef

Einen Nachfolger für Steve Jobs zu finden, ist für Apple keine leichte Aufgabe. Seine Kreativität, die Besessenheit mit Produkt-Design und -Funktion, sein Management-Stil und seine Persönlichkeit seien für ein US-amerikanisches Unternehmen höchst ungewöhnlich, meint Harvard Business School-Professor David Yoffie in der New York Times. Wie andere Beobachter ist auch Yoffie der Meinung, dass es mehrere Personen braucht, um in Jobs' Fußstapfen zu treten. Sein Verhandlungstalent und seine Überzeugungskraft seien dabei wohl am schwersten zu ersetzen. So konnte er in persönlichen Verhandlungen Medienunternehmen oder auch die Beatles davon überzeugen, Inhalte für Apple zur Verfügung zu stellen. "Wenn Steve spricht, hören die Leute zu", so Yoffie.

Ein ganzes Team als Nachfolger

In den vergangenen zwei Jahren hat Apple aber viel daran gesetzt, das Team um Jobs herum stärker aufzubauen. COO Tim Cook, der nun wie 2009 das Tagesgeschäft übernimmt, bewies bereits, dass Apples Erfolgskurs unter seiner Führung fortgesetzt werden kann. Er habe mehr Verantwortung und Kontrolle, als die Leute glauben, meint ein Analyst gegenüber der NYT. Es ist klar, dass Apple Cook als stärksten Nachfolger von Jobs positionieren will. Aber auch viele Beobachter und US-Medien sehen den ehemaligen Compaq-Manager als geeigneten Apple-Chef. Fortune nannte ihn das "heimliche Genie von Apple". Cook stehen wie Jobs zudem Design-Chef Jonathan Ive und Marketing-Leiter Phil Schiller zur Seite. Ive ist maßgeblich für Look-and-Feel der Apple-Produkte verantwortlich. Schiller präsentierte 2009 das iPhone 3GS. Auch Scott Forstall kommt als Senior Vice President der iPhone Software eine zunehmend wichtigere Position zu.

Dass Apple auch die nächste Zeit mit iPad 2 und iPhone 5 erfolgreich bleiben wird, daran zweifelt trotz Jobs' Rückzug kaum jemand. Spannender ist, wie sich das Unternehmen langfristig entwickeln wird, wenn Steve Jobs tatsächlich einmal nicht mehr dabei ist. (br)

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    Marketing-Chef Philip Schiller, CEO Steve Jobs und iPhone Software-Vice President Scott Forstall

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    CEO Tim Cook bei der Präsentation des iPhone 4 bei Verizon

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    Design-Chef Jony Ive beim Verkaufsstart des iPad

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