Bizarre Despoten

17. Jänner 2011, 18:17
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Europa darf sich nicht empören

Die Gattin des gestürzten tunesischen Diktators Ben Ali hat auf ihrer Flucht angeblich 1,5 Tonnen Gold mitgenommen. Ein anderer ehemaliger blutiger Diktator und Kleptokrat, der ehemalige Präsident von Haiti, Jean-Claude Duvalier ("Baby Doc" nach seinem noch schlimmeren Vater "Papa Doc") ist hingegen offenbar fast mittellos in sein Heimatland zurückgekehrt. Die paar hundert Millionen, die er seinerzeit ins französische Exil mitgebracht hat, sind großteils für eine teure Scheidung draufgegangen, ein magerer Rest von 7,5 Millionen Franken wurde von der Schweizer Regierung blockiert.

Europa hat allerdings relativ wenig recht, sich über bizarre Drittwelt-Despoten zu empören, denn erstens machen auch österreichische Ex-Kanzler wie Alfred Gusenbauer beim Lobbying für finstere Herrschaften wie den kasachischen Diktator Nursultan Nasarbajew mit; und zweitens haben wir auch unsere bizarren Staatsmänner.

Silvio Berlusconi lässt vielleicht keine Menschen umbringen und stiehlt nicht das Staatsgold, aber er zerstört den Rechtsstaat. Dazu noch die 17-jährigen "Models", die tagelang in der Villa übernachten (auch wenn Wladimir Putin zu Besuch ist; wie man jetzt erfährt) und per Telefonanruf von Berlusconi-Leuten aus dem Polizeigewahrsam befreit werden.

Gegen diese halbkriminellen Buffonerien eines 75-jährigen Staatszerstörers müsste eigentlich auch das Volk aufstehen. Tut es aber nicht. (rau, STANDARD-Printausgabe, 18.01.2011)

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