Die Herrengasse, ein hartes Pflaster für den Handel

17. Jänner 2011, 18:50
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    foto: standard/matthias cremer

    Für die Kaffeekonditorei Central gibt es noch keine Nachmieter.

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    foto: standard/regine hendrich

    Wo bis zum Jahresende edle Schokolade verkauft wurde, gibt es demnächst Suppen, Salate und Burritos.

Salat statt Schokolade: In die frühere Schokov-Filiale in der Herrengasse zieht die Restaurantkette Freshii ein. Die Frequenz von Eröffnungen und Schließungen in der City ist hoch. Manche Geschäfte stehen seit Monaten leer

Wien - Die kanadische Restaurantkette Freshii übt die Expansion in Österreich. Ab dem Frühjahr sind ihre Salate, Suppen und Burritos in der Wiener Innenstadt zu haben - statt Süßem. Der Schokoladespezialist Schokov zog aus der Herrengasse aus und ermöglicht Freshii damit ihre vierte Filiale, 15 sollen es insgesamt in Wien werden. Thomas Kovazh, der Inhaber von Schokov, will sich lieber auf seine zwei bestehenden Shops am Spittelberg und in Gersthof konzentrieren.

Der Standort Herrengasse ist trotz zentraler Innenstadt-Lage ein hartes Pflaster. Nur einen Sprung von der Hofburg und der goldenen Einkaufsmeile Kohlmarkt entfernt, bricht der Passantenstrom hier abrupt ab. Geschäftsflächen stehen häufig länger als ein Jahr leer. Derzeit warten jene der früheren Kaffeekonditorei Central auf Mieter. Verwaiste Geschäfte prägen auch das Bild der Nobelpassage im Palais Ferstl, die die Herrengasse mit der Freyung verbindet.

Überzogene Preis-Wünsche

Von überzogenen Mietpreisvorstellungen der Eigentümer ist die Rede und von Problemen mit dem Denkmalschutz. Vor allem jedoch davon, dass es abseits der Glitzerwelt des Kohlmarkts, Grabens und der Kärntner Straße zunehmend an Kundenfrequenz krankt.

Die Achse zwischen Schwedenplatz und Karlsplatz ziehe die gesamte Einkaufsdynamik an sich - selbst in der betriebsamen Innenstadt bleibe da für Nebenlagen nur wenig über, ist Gerhard Hatz überzeugt. Der Professor für Geografie und Regionalforschung an der Uni Wien hat die Handelsstrukturen der City seit 1996 untersucht. Der Anteil an Leerständen sei bis 2009 von drei auf sieben Prozent gestiegen, zeigt seine Studie. Im früheren Textilviertel rund um die Ruprechtskirche stünden fast 25 Prozent der Flächen leer.

Bunte Gastronomiekonzepte

Mode, Schmuck und Kosmetik ziehen ein, wo alteingesessene Betriebe weichen. Anders als Buchhändler oder Plattenläden können sie sich die neuen Mietkonditionen leisten. Und statt kleiner Nahversorger aller Branchen machen sich bunte Gastronomiekonzepte breit.

Hatz schätzt das Preisniveau in Lagen wie der Herrengasse als viel zu hoch ein. Es werde auf das Prinzip Hoffnung gesetzt, sagt er, und es rechne sich offenbar, dafür längere Leerstände in Kauf zu nehmen. Der Quadratmeter kostet Händler dort zwischen 40 und 80 Euro monatlich. Je näher beim Michaelerplatz, desto teurer - verglichen mit dem Kohlmarkt, auf dem für Spitzenlagen nach wie vor bis zu 350 Euro je Quadratmeter und Monat zu berappen sind, jedoch immer noch relativ günstig.

Keine 1-A-Lage

Händler zahlen nur dann hohe Mieten, wenn die Frequenz und das Umfeld passen, sagt Stefan Goigitzer. Etliche Plätze der Innenstadt entwickelten sich derzeit gut, für die Herrengasse mit ihren Ministerien sei es schwer, mitzuhalten, meint der Experte für Handelsimmobilien des Maklers Colliers Columbus. Eine 1-A-Lage sei sie nicht, die Herrengasse, aber er sei zufrieden, sagt Karl Hintermayer, der dort seit gut zehn Jahren mit einer seiner Buchhandlungs-Filialen vertreten ist. Bessere Gegenden ums Eck seien für Branchen wie die seine aber nicht leistbar.

Auch in der Rotenturmstraße seien die Preise stark gestiegen, erzählen andere Händler. Auf der Tuchlauben und am Fleischmarkt drückten die Vermieter sie ebenso nach oben, ein Konzept, das dort bisher aber nicht aufgegangen sei.

Nebenlagen müssten sich, um nicht völlig den Anschluss zu verlieren, auf Nischen spezialisieren, etwa zur Kunstmeile werden oder zum Antiquitätenviertel - ein Kontrapunkt sei gefragt, sagt Gerhard Hatz. Es bestehe aber auch die Gefahr der Kommerzialisierung des öffentlichen Raums. "Durchgestyltes Ambiente, die immergleichen Ketten. Lokales Flair geht da verloren." (Verena Kainrath, DER STANDARD-Printausgabe, 18.1.2011)

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Herr Breuer
00
23.3.2011, 18:22
Da geht ja 2x am Tag die Schottermizzi vorbei..

...da kann einem schon der Appetit auf Süßes vergehen und ausländische Kunden werden so auch verschreckt.

M. K. 4
00
13.2.2011, 00:30
Überhöhte Mieten

Das Problem der überhöhten Mieten kommt u. a. daher daß "Mietmafia" sprich: Immobilienfirmen Geschäfte zu realistischen Preisen mieten und dann "echte" Mieter suchen, die dann die doppelt so hohe Miete zahlen sollen.

Der erwünschte Effekt ist, daß das Mietniveau in der Innenstadt steigt und von eigenen Immobilien höhere Mieten verlangt werden können.

Siehe: leeres Geschäft in der Bräunerstrasse, seit langem leeres 2 stöckiges Geschäft am Neuen Markt (ehem. Wild) etc. etc.

jumpingjack flash
00
10.2.2011, 07:56

der trend wird weiter gehen - alles was man nicht anprobieren oder gleich essen will hat es immer schwerer. keine parkplätze, outlets in wiennähe, ein immer regerer handel über das internet fordern ihre opfer!
und die turisten haben im kurzen städteurlaub anscheinend nur zeit für kärntner und mariahilferstr.

Massa Telier
00
28.1.2011, 15:13
Muss halt der richtige Laden hinein in die Gasse

Wäre der Eybl nicht auf der äusseren Mariahilferstraße, käme da auch keiner hin. So steht dort kein Ladenlokal leer. Im Gegenteil, im Eybl-Umfeld ist auch das Mielegeschäft, die Crocs Niederlassung, der Foto Sobotka, ein bekanntes Tanzmodengeschäft - lauter Unikate. So was braucht man halt auch in der Herrengasse. Was ist dort schon einzigartig und zieht eine breite Masse an?

jumpingjack flash
00
10.2.2011, 08:21

dort gibts daneben eine ubahnstation! - fotogeschäft und miele waren schon vorher dort, elektronikgeschäft am eck auch - und ich kenn auch nicht mehr als vom europaplatz (U6) zum eybl und zurück.
oft geht es in die garage - und von dort zurück - da kann daneben aufgesperrt haben was will - ich seh das geschäft daneben gar nicht.
das tanzgeschäft z.b. hab ich überhaupt noch nie wahrgenommen.
bei sobotka war ich früher schon - dank eyblgarage. aber auch in der branche sind viele kleine eingegangen und werden noch eingehen.

Mirstetta Toni
00
19.1.2011, 10:20

wenn es hier um die 1a lage geht, dann soll mir doch einer eklären warum der wunderl in sollenau seit jahrzehnten boomt. gute fachgeschäfte mit toller bedienung geht immer und überall.

jumpingjack flash
00
10.2.2011, 08:04

"schurch und fetzen" sind ein bisserl einen ausnahme - schuhe noch besonderer weil man die anprobieren will - nebenbei hat wunderl auch in wien ein geschäft gehabt - und das ist glaub ich das verdienst nicht nur als schuhgeschäft für die kunden vor ort sondern in mehreren bereichen tätig - modeausstatter - kanns aber im raum wien auch nicht unbegrenzt geben.
in oberpullendorf gibts den grabner - schuhgeschäft seit ewig dort - tolle beratung, fachwissen, aber auch dort ist glaub ich die tochter international tätig.

Minister für Verwaltungsreformen
00
26.1.2011, 14:42
ausnahmen bestätigen die regel

gawi
 
00
20.1.2011, 11:54
Der Wunderl...

liegt direkt an der B17, eine besser Lage gibt es nicht ;-)
Außerdem stauen sich, der seltsamen Ampelschaltung bei der Kreuzung mit der B21a sei Dank, vor seinen Schaufenstern die Autos!

ziegenhals
 
00
19.1.2011, 10:15

"manche geschäfte stehen seit monaten leer." mir kommen die tränen. am rennweg und in der landstraße gibt es geschäfte und lokale, die stehen seit zehn jahren leer.

Angelika70
11
18.1.2011, 16:19

Erinnert mich an das Schicksal der Nebenstraßen zur Linzer Landstrasse...

Ich finds gut, dass die Herrengasse relativ leer ist. Müssen ja nicht überall die Touristen in Fünferreihen die Gehsteige versperren. ;-)

Das Vapiano? Das dortige Publikum verdirbt mir den kaum meßbaren Appetit, den mir ein Selbstbedienungsitaliener machen könnte.

immer schön freundlich
02
18.1.2011, 14:40
@Gerhard Hatz

die Nischen in Nebenlagen - das ist doch nicht wahr. Wer zum Morawa will, geht in die Wollzeile. Wer zu Duft und Kultur will, geht in die Tuchlauben. Und wer zu Bodum will hatscht sogar runter bis zur Marc Aurel Straße. Geben sie das interessante Geschäft hinein und die Kundschaft wird kommen.
Schokov stand im Grunde am Michaelerplatz. Ist also weniger ein Herrengassenproblem, dass dieses Geschäft dicht gemacht hat. Mit dem etablierten und exzellenten Xocolat ums Eck muss man wirklich gut sein, um mitzunaschen am Kundenkuchen. Schokov hat es binnen 5 Monaten nicht geschafft, Giaduiotti aus Turin für mich zu bestellen. Statt dessen habe ich regelmäßig nachfragen dürfen um am Ende den hauseigenen, schlechteren, Nougat empfohlen zu bekommen.

jumpingjack flash
00
10.2.2011, 08:10

also der schokov klang mir immer sehr bemüht - aber ich seh es allgemein ein problem dass es in österreich keinen geschäfte gibt die gleichzeitig auch das internet als verkaufsplatz nützen - keine ahnung warum, aber es ist immer das gleiche: man sucht irgend ein produkt - findet kein geschäft, und selbst bei angestrengtem bemühen keinen ösi der das zeug wenigstens per internet verkauft - immer lande ich bei deutschen geschäften.
letzter fall: simple gitarresaiten - das musikgeschäft in der rotenturmstrasse war spurlos! verschwunden - dann eh zu zwei anderen geschäften geradelt - wenig auswahl dort, KEINERLEI! bereitschaft das zeug zu besorgen - jetzt wird es aus deutschland geschickt. und so gehts mit vielen waren!

Die Gezeichneten
00
18.1.2011, 17:21

Völlig richtig. Man geht dort hin einkaufen, wo die Qualität/Auswahl bzw. die fachliche Beratung passt. Ich als Linzer war z.B. Kunde des Klassik-CD-Fachgeschäfts "Havlicek" in der Herrengasse.

immer schön freundlich
02
18.1.2011, 14:31

kein wunder, die straße ist eine enge schlucht. bäh. da mag ich nicht shoppen. und der gehsteig ist so schmal, dass ich mit meinen D&G-sackerln keinen platz wenn mir eine mit den LV-sackerln entgegenkommt.
Das Central Cafe war eh nur die Depandance von schräg vis a vis, tut das weh?

Werner Pejrimovsky
 
01
18.1.2011, 12:58
Herrengasse

Die angesprochenen Geschäfte ( Schokov+Kaffekonditorei Zentral ) sind erst seit kurzem leer im Falle des Schokoladengeschäftes war der Fall vorprogrammiert . So schlecht wie die Strasse gemacht wird ist sie bei weitem nicht , es hat sich eine kleine aber feine Auswahl von sehr guten Geschäften etabliert . Dass wie überall im 1. Bezirk ein häufiger Wechsel der Lokale stattfindet ist völlig normal .

immer schön freundlich
15
18.1.2011, 14:41

mein gott bin ich naiv! wir sind hier im nabel der welt. der standard sitzt in der herrengasse. mein gott was bin ich naiv ...

schmu schubiak
10
18.1.2011, 12:50

es wird höchste zeir dass sich "die politik" dieses problems annimmt.den bewohnern der inneren stadt gerade in der herrengasse nichts zu bieten - eine sauerei!

OttotheBusdriver
216
18.1.2011, 10:21
Muß jede Gasse im 1. Bez eine Einkaufsstraße sein

Echt, ist das unbedingt erforderlich und erstrebenswert?
Wenn man einmal wo 200m lang nicht kaufen kann, wen stört das?

rough_rider
01
18.1.2011, 11:57

na niemanden - bis auf die gebäudebesitzer denn: was macht man mit den räumlichkeiten in den untersten etagen?

systemfehler1
05
18.1.2011, 12:07
Zu vernünftigen Preisen vermieten vielleicht?

Manche haben dort einen Schuß.

Ist nicht überall so.
Hab´ mein Geschäft auch im 1.,

jumpingjack flash
00
10.2.2011, 08:30

seit wann? ich denk es ist ein grosser unterschied zwischen altmietern mit günstigeren mieten und neueinsteigern die sich nur dann rechnen wenn eine irre kundenfrequenz da ist und oder ein grosser konzern dahinter steht (auf den lottosechser warten anscheinend viele vermieter).
ich kenn eine spezialbuchhandlung im 2. - die versuchen es mit kundenservice - also die suchen für die kunden antiquarisches im internet, bestellen aus der ganzen welt, melden sich wenn ein gesuchtes buch aufgetaucht ist beim kunden usw.
nebenbei ist daneben noch ein geschäft mit ergänzender ware dass kunden hinlockt.

rough_rider
01
18.1.2011, 12:26

nun ja: ansich (!) sollte man meinen, dass die herrengasse eine super-lage ist. ich mein: das "vapiano" ist jeden tag zum bersten voll.

und wen interessiert schon "schokov" - ein schoko-fachgeschäft?

OttotheBusdriver
03
18.1.2011, 12:01
eh klar

aber der Standard tut so also ob das vorher ein Paradies war, eine richtige Shoppingoase.

Das war einfach ein Gassl mit den Eingängen von der ehem. NÖ Landesregierung und irgendwelchen Ministerien, so what.

BK W. Shoyssel
12
18.1.2011, 10:13
Die Herrengasse

war ein quirliger Verwaltungsbezirk. Bis die Herren nach Ludwigsburg (=überflutetes Landhausviertel in St. Plöten) aus- und umzogen.

Jetzt ist dort nichts außer Development. Und davon kann man nicht abbeißen.

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