Flughafen-Chef Herbst krempelt Management um

17. Jänner 2011, 18:13
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Christoph Herbst entmachtet Ernest Gabmann bei Skylink. Die Beteiligungschefin macht Ex-Chef Kaufmann Platz und wechselt zum Wiener Hafen

Wien - Am Flughafen Wien ist die Zeit nach Herbert Kaufmann angebrochen. Der frühere Vorstandssprecher musste Ende des Vorjahres (mit einer einvernehmlichen Vertragsauflösung) das Feld räumen. Sein Nachfolger, der bisherige Aufsichtsratschef Christoph Herbst (ÖVP-nahe), hat seit 3. Jänner als Vorstandschef das Sagen am Airport. Und er hat deutliche Zeichen gesetzt.

Wie der Standard erfuhr, wurden die Zuständigkeiten im Vorstand komplett neu geregelt: Ernest Gabmann (ÖVP), von Landeshauptmann Erwin Pröll erst Anfang 2009 für das Terminal Skylink in den Flughafen-Vorstand entsandt, musste diesen Bereich komplett an Herbst abtreten. Gabmann, dessen Vertrag wie jener von Gerhard Schmid (SPÖ) Ende des Jahres endet, ist nur mehr für die Immobilien und den Retail-Bereich (Shopping, Gastronomie) zuständig. Seine Chancen, dass er bei der Neuausschreibung der Verträge wieder zum Zug kommt, tendieren gegen null.

Herbst selbst ist neben Skylink für den kaufmännischen Bereich, das Controlling, Personal und die Kommunikation zuständig. Und Schmid ist für den gesamten Aviation-Bereich (das Geschäft mit den Airlines) und die Inbetriebnahme von Skylink verantwortlich. Das ist insofern wichtig, weil der Roh- und Ausbau des Terminals in den nächsten Monaten abgeschlossen wird und parallel dazu die Maßnahmen für die Inbetriebnahme greifen müssen. In Summe werden die Vorstandsagenden auf drei Säulen verteilt: einen Aviation-Bereich, Non-Aviation und die Sparte Strategie und Finanzen. Ein Flughafen-Sprecher wollte die Änderungen mit dem Hinweis auf eine Pressekonferenz am Mittwoch nicht kommentieren. Herbst ist Montag und Dienstag erstmals in London auf Roadshow.

Kein Totalübernehmer

Weil bisher kein Totalübernehmer engagiert wurde, werde der Flughafen nicht umhinkommen, jetzt Leute zu engagieren, die die Nahtstelle zwischen Ausbau und Inbetriebnahme koordinieren. Das Team um den von Gabmann engagierten Norbert Steiner (Projektleitung) ist für die reine Bauphase prädestiniert und muss nun ergänzt werden.

Um all das muss sich Kaufmann nicht mehr kümmern. Er bekam, wie berichtet, eine Abfertigung von 350.000 Euro und noch einmal so viel für seinen zweijährigen Konsulentenvertrag. In dieser Zeit übernimmt Kaufmann den Aufsichtsratsvorsitz bei den Flughafen-Töchtern in Kosice und Malta. Eine Position, die bisher die Beteiligungschefin Karin Zipperer (SP-nahe) innehatte. Zipperer hat den Airport verlassen, was von allen Couleurs am Airport bedauert wird. Seit gestern, Montag, ist Zipperer kaufmännische Geschäftsführerin der Container-Tochter des Wiener Hafens, Wien Cont.

Es wird versichert, dass es reiner Zufall sei, dass Gerhard Schmid im Aufsichtsrat des Wiener Hafens sitzt. Zipperer habe eine diesbezügliche Ausschreibung im Oktober des Vorjahres für sich entschieden. Insider meinen, sie habe in ihrem Flughafen-Job keine Perspektive gesehen. Angesichts des Skylink-Debakels werde dort eher das Geld benötigt als im Ausbau der Auslandsbeteiligungen. Nachfolger von Zipperer wurde übrigens Andreas Schadenhofer, der bisher die Sparten Strategie, Controlling und Beteiligungen (nicht Ausland) zu betreuen hatte.

Vom Stellvertreter Zipperers, Michael Fazekas (ÖVP-nahe), hat man sich bereits Ende 2010 nach einer vorangegangenen Dienstfreistellung getrennt.

"Echauffiert" reagierte Kaufmann auf die Recherchen des Standard, wonach er sich ein Haus in Italien gekauft habe. Nicht er, sondern seine Frau hätte das Haus in der Nähe von Udine erworben, das nun renoviert werde. Er plane künftig auch teilweise dort zu wohnen. Wo genau das Haus ist, will er nicht verraten. Kaufmann: "Ich will ja nicht 15 Journalisten vor dem Haus haben." (Claudia Ruff, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 18.01.2011)

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    Christoph Herbst übernimmt Skylink.

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