Drei Brüder - Banküberfälle in Serie

17. Jänner 2011, 17:49
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Trio soll seit 2005 insgesamt 14 Banken und Postämter überfallen haben - Prozessauftakt in St. Pölten

St. Pölten - "Es ist mir klar, dass es so aussieht, als wären wir zu allem bereit gewesen", sagt einer der drei angeklagten Brüder. Das in ihrem Fluchtauto gefundene Waffenarsenal legt diesen Schluss jedenfalls nahe. All die Gewehre und Pistolen - die hätten sie eigentlich nur nach Linz transportieren wollen, erklären die gebürtigen Oberösterreicher. Und da sie im Zuge dieses Transportes wieder einmal eine Bank überfielen, hätten sie die Waffen "maximal" dazu verwenden wollen, um zur Abschreckung von Verfolgern in die Luft zu schießen.

Deshalb auch die Schießübungen im Vorfeld: Um eine "unabsichtliche Schussabgabe" zu verhindern, erklären die Brüder. Die vorsitzende Richterin Andrea Humer meint dazu nur: "Hätten S' einfach die Munition daheim gelassen." Bei allen ihren Bank- und Postüberfällen nämlich.

Insgesamt 14 Banken und Postämter sollen die drei Brüder (25, 27 und 45 Jahre alt) seit 2005 in Ober-, Niederösterreich und in der Steiermark überfallen und dabei insgesamt rund 1,2 Millionen Euro erbeutet haben.

Im Dezember 2009 festgenommen

Geschnappt wurden die Serien-Bankräuber schließlich im Dezember 2009 bei einem Überfall in Blindenmarkt. Als es eng wurde, hatte der Jüngste von ihnen eine Schießerei mit einem Security begonnen, bei der er selbst schwer verletzt wurde. Wegen dieses Schusswechsels wird jenen zwei Brüdern, die beim letzten Raubzug dabei waren, von der Staatsanwaltschaft auch ein Mordversuch zur Last gelegt.

Die Angeklagten sind großteils geständig - die Tötungsabsicht bestreiten sie allerdings zum Prozessauftakt. Und so steht am Montag deren Waffenarsenal im Zentrum des ersten Verhandlungstages im St. Pöltener Landesgericht.

Der Vorwurf des versuchten Mordes sei "völlig absurd", meinte Verteidigerin Irmtraud Oraz: Ein Bankräuber habe nur Geld und Flucht im Sinn. Auch die beiden Brüder seien in Blindenmarkt nur auf der Flucht und nicht auf Konfrontation aus gewesen: "Ihr Interesse war nur weg, weg, weg." Oraz erneuerte auch ihre These, die sie bereits in der Vorwoche gegenüber Medien vertreten hatte: Die Polizei habe durch Überwachungsmaßnahmen von dem Überfall gewusst und ihn dennoch zugelassen.

Nur "spärliche Hinweise"

"Glauben Sie nicht alles, was in der Zeitung steht", wandte sich die Staatsanwältin an die Geschworenen. "Faktum ist, es hat keine lückenlose Rund-um-die-Uhr-Überwachung gegeben." Auf die geplante Tat habe es nur "spärliche" Hinweise gegeben.

Wie alles begonnen hatte, schilderte der Jüngste der Brüder. Er habe einmal einen älteren Bruder auf einem Fahndungsfoto erkannt. Und als sie einmal gemeinsam in Linz bei einem Postamt vorbeispazierten, hätten sie die zündende Idee gehabt. Finanziert hatten die drei mit den Überfällen ihren "sehr aufwändigen Lebensstil" - mit Kasino- und Nachtlokalbesuchen und monatelangen Thailand-Aufenthalten.

Das Urteil wird für kommenden Montag erwartet. (APA, frei, DER STANDARD-Printausgabe, 18.1.2011)

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