Vergebliche Herbergssuche

17. Jänner 2011, 17:24
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Bei Anwärtern auf Villen am Wörthersee hat der schönste Stifter aller Zeiten von dem Tag an Interesse geweckt, als bekannt wurde, dass er in einem eindeutigen, aber supersauberen Zusammenhang mit einem derartigen, äußerst bescheidenen Objekt stehe

Bei Anwärtern auf Villen am Wörthersee hat der schönste Stifter aller Zeiten von dem Tag an Interesse geweckt, als bekannt wurde, dass er in einem eindeutigen, aber supersauberen Zusammenhang mit einem derartigen, äußerst bescheidenen Objekt stehe. Als Makler, der selbst gefräßige Immobilienhaie erblassen ließ, erwies er sich aber erst vergangenen Mittwochabend, als er in der ZiB 2 vor 683.000 Zuschauern das Häuschen mit der werbenden Ankündigung auf den Markt warf: "Wenn Sie Interesse haben, bitte sich bei der Stiftung zu erkundigen. Ich bin mir sicher, man freut sich über zusätzliche Mieter."

Von den Millionen Österreicherinnen und Österreichern, die die "Kronen Zeitung" zu Liebe und Vertrauen in Karl-Heinz Grasser erzogen hat, werden nicht wenige diesem Aufruf gefolgt sein. Wie viele davon ihr Interesse bändigten, als sie von der wertmindernden Tatsache erfuhren, dass auch eine gewisse Fiona Pacifico-Griffini-Swarowski-Grasser-et-cetera dort Quartier nehme, wird sich nicht klären lassen. Doch war der Andrang offenbar groß genug, die Telefonzentrale der "Stiftung" lahmzulegen. Denn nicht einmal zwei unentwegten, durch nichts einzuschüchternden Interessenten gelang es am nächsten Tag, dort vorzudringen, um einen Deal abzuschließen. Das waren "Die Presse" und "Österreich".

Was beide Blätter am Freitag über den Leidensweg ihrer Herbergssuche zu berichten wussten, ist zum Glück nicht gänzlich typisch für das heimische Immobilienwesen. Wir mieten uns Karl-Heinz Grassers Wörthersee-Villa, gestand "Die Presse" ihren ins Leere gegangenen Vertrauensvorschuss ein. Der Mitbieter erwies sich als skeptischer: "Österreich" wollte KHGs Haus mieten." Auch der Titel Miet-Trick um Grasser-Villa und der Bildtext Ex-Finanzminister lässt potenzielle Feriengäste abblitzen zeugten von mäßigem Vertrauen, während "Die Presse", das Panier des bürgerlichen Anstandes wenig überzeugt hochhaltend, erklärte: Ein Supersauberer wird ja nicht lügen.

Es muss ein schwerer Schlag für sie gewesen sein, als sie, ebenso wie Fellners Reporter dort, wo Grasser als eindeutige Adresse die "Stiftung" angegeben hatte, nur auf einen untoten Nennonkel stießen, der sich hinter einer Firma SMW OG verschanzte, der die Villa gehört, während sie selbst "der Stiftung" gehört, die deren Besitzer Grasser völlig transparent als vermietungsgeiles Institut angegeben hat. Mehr kann man als Villen- und Stiftungsbesitzer nicht tun.

Seine Schuld ist es nicht, wenn "Die Presse" feststellen musste: Leider hat die SMW OG keine Telefonnummer. Ihre Abgesandten begaben sich sogar in das Wohnhaus mit acht Parteien, kein einziges Türschild lautet auf SMW OG. Dafür wohnt Herr Graf hier, der aber offenbar nicht vermieten will: Weder reagiert er auf Läuten noch auf Anrufe. "Österreich" machte es sich leichter: Vier Anrufe enden auf dem Anrufbeantworter. Rückruf erfolgt trotz Bitte keiner. Das ist Diskretion!

Vielleicht wäre es besser gewesen, der Nennonkel hätte Grassers Auftrag erfüllt und vermietet. Nun aber: So leicht geben wir nicht auf - und das war der Punkt, an dem sich die Recherchewege der Mietwilligen verzweigten. "Die Presse" wandte sich standesgemäß an Doris Sophie Scarpatetti-Matheis, die Immobilienmaklerin der Reichen, Wichtigen und Schönen am Wörthersee, "Österreich" an den Bürgermeister von Maria Wörth Adolf Stark. Beides probiert - kein Vergleich! Der Bürgermeister hat keine Ahnung, wer die Villa vermietet - er hofft aber auf die Entrichtung der Tourismusabgabe. Bislang wurde nämlich nichts gezahlt.

Die Maklerin der Reichen und Schönen hat Ahnung, weshalb sie vor übereiltem Zahlen warnt. Es gebe "einige Minuspunkte", daher: "Den ultimativen Mietpreis wird man nicht bekommen." Ultimativ sind am Wörthersee 50.000 Euro Miete pro Jahr und mehr. Sie glaubt nach einigem Rechnen könnte man eine Nettomiete von um die 3000 Euro pro Monat verlangen. Armer Stifter!

"Österreich", unermüdlich, ruft noch einen Immo-Experten und im benachbarten Hotel Linde an. Ersterer kann nicht weiterhelfen, die Anrufe im Hotel führen ins Nichts. Erst bei Grassers Anwalt Manfred Ainedter treffen "Presse" und "Österreich" wieder zusammen. Der empfiehlt generell, ausnahmsweise sprachlos: "Wenden Sie sich an die SMW OG." Dann aber: Sein Mandant wollte überspitzt zum Ausdruck bringen, dass es sich bei der Villa um ein Mietobjekt handelt."

Das ist supersauber gelungen.

(Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 18.1.2011)

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