Matschiner hat ein Buch geschrieben

17. Jänner 2011, 17:23
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Ex-Sportmanager behauptet, dass Handel mit verbotenen Substan­zen in der Südstadt an der Tagesordnung steht, dort widerspricht man vehement

Wien - Der ehemalige Sportmanager Stefan Matschiner, der vergangenen Oktober wegen versuchten Blutdopings und der Weitergabe von illegalen Dopingmitteln zu 15 Monaten teilbedingter Haft verurteilt worden ist, präsentierte am Montag in Wien sein Buch Grenzwertig - Aus dem Leben eines Dopingdealers. In dieser vom Journalisten Manfred Behr aufgezeichneten Biografie behauptet Matschiner, dass der Handel mit verbotenen Substanzen im Spitzensport sogar im größten Leistungszentrum Österreichs, der Südstadt, an der Tagesordnung steht.

Ein Vorwurf, den Dr. Markus Aufderklamm, seines Zeichens Sprecher des Leistungssportzentrums in Gespräch mit derStandard.at nicht stehen lassen kann: "Hier werden Hunderte Athleten im Alter zwischen 15 und 19 Jahren pauschal in Verruf gebracht. Für die Behauptungen des Herrn Matschiner gibt es keine Beweise. Unsere Athleten werden laufend unangekündigt kontrolliert und es gab noch keinen positiven Test."

Zahlreiche bemerkenswerte Anekdoten, aber im Kern wenig Neues bietet das vorgestellte Buch. Der Oberösterreicher konstatiert darin zum wiederholten Male die angebliche Doping-Alltäglichkeit im Spitzensport und stellt sich selbst als jemand dar, der seinen Sportlern mit verbotenen Substanzen lediglich zu Chancengleichheit verholfen hat.

Keine Reue

Reue für seine betrügerischen Handlungen, zeigt der 35-Jährige keine. "Ich bereue nicht, was ich getan habe. Aus heutiger Sicht hätte ich lediglich an Wegkreuzungen andere Abzweigungen genommen", betonte der ehemalige Leichtathlet bei der Buchpräsentation. Seiner Meinung nach bestehe der Hochleistungssport aus einer Herde schwarzer Schafe, in der sich lediglich einige weiße befinden.

Außerdem bekräftigte Matschiner, dass durch die Anwendung der im Sport verbotenen Medikamente die Gesundheit seiner Klienten keineswegs gefährdet gewesen sei. Er habe seine Kunden, wie den ehemaligen Radprofi Bernhard Kohl, lediglich mit den Dopingsubstanzen versorgt, die viele andere auch nehmen würden, argumentierte er.

Speisepilzhändler und Barkeeper

Seine Doping-Aktivitäten hätten keinerlei finanzielle Motive gehabt. "Es ging mir nie um Bereicherung", betonte Matschiner. Der Gewinn aus dem Absatz von Dopingsubstanzen wie EPO, Wachstumshormon und Steroiden sei nur gering ausgefallen. Von der Triathletin Lisa Hütthaler und Kohl genannte Summen von 10.000 bis 70.000 Euro hat der mittlerweile als Speisepilzhändler und Barkeeper tätige Matschiner stets als viel zu hoch bestritten.

In dem 248 Seiten starken Buch, das er unter Mithilfe des Sportjournalisten Manfred Behr verfasst hat, wartet Matschiner mit zahlreichen, teils skurrilen Begebenheiten und Doping-Machenschaften aus der Welt des Spitzensports auf. Seine Anreise mit einem Blutbeutel im Gepäck zu den Olympischen Spielen in Turin - wohlgemerkt nach den Dopingrazzien in den Quartieren der Österreicher. Seine Zusammenarbeit mit einem Analyselabor in Ungarn, um positive Tests zu unterbinden. Die Mitwirkung eines Mediziners beim Blutdoping zum Wohle der Nation und die Verhinderung positiven Testergebnissen unter Mithilfe der Sportverbände sind nur einige davon.

Einspruch Gandler

Markus Gandler, 2006 in Turin Sportdirektor des betroffenen Österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV), wies am Montag über seinen Anwalt einige Passagen aus dem Buch als unrichtig zurück. Matschiner und Behr meinten, sie hätten für alle beschriebenen Vorgänge und Begebenheiten Beweise bzw. Zeugen.

In seinen sechs Jahren als als "Dopingdealer" betreute Matschiner Sommer- und Wintersportler aus 13 Nationen und 12 Sportarten. Entlarvt wurden mit Kohl, Hütthaler und dem Schweizer Radprofi Markus Zberg bisher erst ein Bruchteil davon. Namen angeblicher Mitwisser in den Sportverbänden bleibt der ehemals international erfolglose Mittelstreckenläufer, wie auch schon bei der Nichtnennung eines großteils seiner "Kundschaft" im Rahmen des Strafprozesses im Vorjahr, auch in dem Buch schuldig. "Ich will nicht einzelne Sportler denunzieren", so Matschiner.

Mehr als einige Andeutungen über mutmaßlich involvierte Sportler und Funktionäre finden sich, wohl auch aus Schutz vor drohenden Klagen, nicht. Die Zusammenarbeit mit Anti-Doping-Behörden, um angesprochene Lücken im Kontrollsystem zu schließen, verweigert Matschiner ebenso. (APA/red)

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    Matschiner: "Ich bereue nicht, was ich getan habe. Aus heutiger Sicht hätte ich lediglich an Wegkreuzungen andere Abzweigungen genommen"

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