"50 Euro für den Steckdosengebrauch"

17. Jänner 2011, 15:54
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Auf Facebook und Twitter kursiert ein angebliches "Schreiben der Universität Wien", das auf neue Einsparungsmaßnahmen aufmerksam macht

"Für die - bisher kostenlos - mögliche Benutzung der Steckdosen auf dem gesamten Universitätsgelände muss ab dem 1. November eine Gebühr von € 50 je Semester entrichtet werden. (...) Die Benützung der Toiletten wird kostenpflichtig (...) Vor dem Beginn einer jeden Lehrveranstaltung im Audimax der Universität Wien werden künftig fünf Minuten Werbung gezeigt (...) 10 bis 20% der Plätze in ausgewählten, überwiegend überfüllten Seminaren werden demnächst über eine universitätseigenen Internetplattform versteigert", unter dem Logo der Universität Wien werden diese "Einsparungsmaßnahmen" aufgrund der Kürzungen des Uni-Budgets angekündigt.


"Das MUSS ein Fake sein"

Die Fotos dieses Schreibens kursieren dieser Tage auf Facebook und Twitter. Die Reaktionen vielen vielfältig aus. Von "unglaublich" bis "bitte was? Das ist verrückt, total verrückt" über "Das MUSS einfach ein Fake sein. Wenn nicht,... dann... fehlen mir die Worte :-/" war alles dabei. So ganz sicher waren sich die Studierenden nicht, ob dieses "Schreiben" nun ein Scherz war, oder doch echt. "Wir StudentInnen scheinen schon sehr eingeschüchtert zu sein, wenn man dem Rektorat sogar eine Steckdosenmiete zutraut" twitterte etwa @Coppelius.

"finanzielle Situation prekär"

"Das ist kein offizielles Schreiben der Universität Wien", bestätigt deren Sprecherin Cornelia Blum auf Anfrage von derStandard.at. Auch die Österreichische Hochschülerschaft der Uni Wien war am Verfassen und Veröffentlichen dieser Einsparungsmaßnahmen nicht beteiligt. "Allerdings macht es auf durchaus humorvolle Weise klar, dass die finanzielle Situation der Universitäten höchst prekär ist", sagt Veronika Helfert vom ÖH-Vorsitzteam der Uni Wien zu derStandard.at.

Uni Wien will Situation mit Studienplatzfinanzierung verbessern

Die Maßnahmen im dem Brief, der vermutlich von Aktivisten der Audimax-Bewegung verfasst wurde, sind zwar sehr drastisch. Die Universität Wien sieht sich aber dennoch damit konfrontiert, "dass die Studierendenzahlen von Studienjahr zu Studienjahr steigen und die Budgetmittel nicht entsprechend angepasst werden", so die Pressesprecherin Blum. Um diese Situation zu ändern, verlangt die Universität weiter auf "ein differenziertes Modell der Studienplatzfinanzierung", wie es von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl zwar schon angedacht, aber noch nicht umgesetzt ist.

ÖH befürchtet Einsparungen bei Lehre

Die ÖH-Vorsitzende Helfert glaubt, dass die Universität Wien vor allem bei der Lehre sparen wird müssen. "Nachbesetzungen von Professoren werden verzögert werden und Neuberufungen gerade ohnehin unterfinanzierter Fächer werden weiter auf sich warten lassen", so die Studentin. Sie befürchtet zudem eine Verschlechterung des Betreuungsverhältnisses durch die Umwandlung von kostenintensiven Lehrveranstaltungen in "Massenveranstaltungen wie Vorlesungen".

Ein Quäntchen Wahrheit

Ein Quäntchen Wahrheit ist in dem Scherzbrief aber doch versteckt. Jeder, der an der Universität Wien studiert, hat schon einmal um eine Steckdose gekämpft oder sich über zu wenig Toilettenpapier geärgert. Auch Werbeplakate an den Wänden sind nicht selten. Blum von der Universität Wien bestätigt: "Es wird weiter an Sponsoring-Kooperationen gearbeitet. Allerdings kann und wird diese Art der Finanzierung nie das Kerngeschäft der Universität bedecken". (lis, derStandard.at, 17.1.2011)

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    50 Euro kostet laut dem Scherz-Schreiben das Benützen von Steckdosen, bei nicht-Bezahlung drohen "empfindliche Strafen".

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