Die Facebook-Heroen der Jasmin-Revolution

17. Jänner 2011, 15:26
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Ein Pilot und der Generalstabschef der Armee wurden in den vergangenen Tagen zu Helden

Zwei Dinge braucht eine Revolution in Zeiten der multimedialen Öffentlichkeit: einen Namen und einen Helden. Vier Tage, nachdem die so genannte „Jasmin-Revolution" Präsident Zine el Abidine Ben Ali aus seinem Palast in Karthago ins Exil im saudischen Jeddah getrieben hat, schicken sich in dem bisher ruhigen nordafrikanischen Land gleich zwei Männer an, in die dünnbesiedelte Sphären revolutionären Heldentums emporzusteigen.

In die Quere dürften sie einander aber nicht kommen. Schließlich speist sich ihr Status weniger aus dem, was sie getan haben, als daraus, was sie nicht getan haben.

Der Pilot, der nicht abhob

Der eine, Mohamed Ben Kilani, ist Pilot von Beruf. Von der unter jungen Tunesiern grassierenden Arbeitslosigkeit, die zum zündenden Funken während des Volksaufstands wurde, ist der 37-Jährige nicht betroffen, im Gegenteil. Er hat einen gut bezahlten Posten bei der staatlichen Fluglinie Tunis Air. Es war Freitag, 14:30 Uhr, als aus Mohamed Ben Kilani ein Revolutionsheld wurde. Sein Airbus 320, Kurs TU0750 nach Lyon, Frankreich, stand bereits auf dem Rollfeld, als ihm ein folgenschwerer Befehl überbracht wurde. Er solle noch warten, "wichtige Personen" müssten noch mitfliegen, er solle noch nicht starten. Ben Kilani beriet sich mit seinem Kopiloten - und entschied, man warte nicht auf "Menschen, die Verbrechen gegen das tunesische Volk begangen haben".

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass der Pilot richtig lag. Leila Trabelsi, Ehefrau des gestürzten Präsidenten, wollte ihre Familie mit dem Linienflug außer Landes bringen. "Ich bin kein Held", sagte Mohamed Ben Kilani später dem Nachrichtensender Al Arabija. "Ich habe nur meine nationale Pflicht getan."

Der General der Herzen

Der andere Held, General Rachid Ammar, könnte sich nach Ansicht vieler Experten als eigentlicher Sieger des Machtvakuums nach dem Sturz Ben Alis erweisen. Als Generalstabschef steht der 63-Jährige seit 2002 einer kleinen, für regionale Verhältnisse aber äußerst professionell trainierten Armee vor. Einer Armee, die nach Tagen des Chaos auf den Straßen der tunesischen Städte langsam für Normalität sorgt. Auch Ammar wird heute als Held gefeiert, nicht nur in Facebook, wo sich eine große Fangemeinde mit dem General identifiziert. Einer ägyptischen Zeitung zufolge tut dies auch die US-Botschaft in Tunis, die große Stücke auf Ammar hält. Ammar soll sich unbestätigten Berichten arabischer Nachrichtenagenturen zufolge geweigert haben, einem Befehl Ben Alis nachzukommen, seine Soldaten scharf auf Demonstranten schießen zu lassen.

Dass sich der neue tunesische Held Rashid Ammar als Militär trotz seiner Popularität bis jetzt nicht der zivilen Übergangsregierung angeschlossen hat, lässt Beobachter der politischen Szenerie auf eine tatsächlich demokratische Lösung des Machtvakuums hoffen. (flon/derStandard.at, 17.1.2011)

  • Auf Facebook haben Fans dem Kapitän ein virtuelles Denkmal gesetzt.
    foto: screenshot

    Auf Facebook haben Fans dem Kapitän ein virtuelles Denkmal gesetzt.

  • Bei General Ammar gehen die Facebook-User noch einen Schritt weiter und hoffen, ihn schon bald im Präsidentenpalast zu sehen.
    foto: screenshot

    Bei General Ammar gehen die Facebook-User noch einen Schritt weiter und hoffen, ihn schon bald im Präsidentenpalast zu sehen.

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