Gudenus hat schon, Kurz will noch

17. Jänner 2011, 15:07
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Warum JungpolitikerInnen Kinder bekommen wollen oder was sie davon abhält - Ein derStandard.at-Rundruf

"Kinder sind die beste Zukunftssicherung, darüber muss man reden. Was macht das Leben lebenswert? Etwa wenn man von Party zu Party rauscht, ist es das Single-Leben?". So hat die ehemalige Bildungsministerin Elisabeth Gehrer 2003 in einem Interview mit der Presse über das Kinderkriegen philosophiert. Auch heute versuchen Familienpolitiker dieses Landes die Jungen zur Reproduktion zu bringen. derStandard.at hat sich unter jungen PolitikerInnen umgehört, wie sie es eigentlich selbst mit der Familienplanung halten.

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Eine Familie zu gründen, sei schon sehr lange sein „innerster Wunsch" gewesen, erklärt Johann Gudenus, Vater eines einjährige Sohnes. Natürlich wolle man seinem Kind die bestmögliche Umgebung bieten und finanzielle Aspekte seien bei der Familiengründung nicht von der Hand zu weisen, so der Chef der Wiener FPÖ. "Ich habe mir schließlich gedacht: Andere schaffen das auch", sagt Gudenus auf die Frage, ob die Entscheidung zum Kind schwer letztendlich schwer gefallen sei. Geht es nach ihm, soll es nicht bei einem Kind bleiben, so Gudenus. "Es gibt nichts Schöneres. Eine Familie zu gründen, kann kein Fehler sein", sagt Gudenus. Trotzdem müsse jeder selbst abwägen, ob er oder sie Kinder haben möchte. Die Familienpolitik gehöre grundlegend überarbeitet, so dass jungen Familien der "Kinderwunsch erleichtert wird". In Karenz zu gehen sei für ihn nicht möglich. Dafür übernimmt er täglich den Frühdienst: "Und das heißt im Zweifelsfall auch schon um halb fünf aufstehen", so Gudenus. 


"Der Politikerinnen-Job, das muss man einfach so sagen, ist mit Kindern einfach nicht vereinbar", so die grüne Jugendsprecherin Tanja Windbüchler-Souschill. "Dabei liebe ich Kinder sehr, aber diesen Kompromiss muss ich momentan eingehen". Dennoch sei das Thema Kind oder nicht Kind bei Politikerinnen ihres Alters natürlich ein Gesprächsthema. Sie kenne so gut wie keine Politikerin, die in ihrer aktiven Zeit Mutter geworden sei. "Eva Glawischnig ist da eine wirkliche Ausnahme". Die Rahmenbedingungen würden es jungen, berufstätigen Frauen auch oft nicht leicht machen, ganz besonders wenn sie in der Politik aktiv sind. „Es gibt ja nicht einmal einen Kinderbetreuungs- oder Spielraum im Parlament, das wäre einmal was", regt die Grünen-Politikerin an.


"Ich hätte gerne Kinder", sagt Veronika Mickel, VP-Bezirksvorsteherin in der Josefstadt. Kinder würden das Leben bereichern, in ihrer Lebensplanung sei Nachwuchs vorgesehen. Diese Bereicherung würde Sorgen etwa was die Vereinbarkeit von Kind und Beruf betrifft, aufwiegen. Als doppelverdienendes Paar sehe sie keine Probleme, ein Kind erhalten zu können. Vom Engpass im Bereich der Kinderbetreuung wäre sie aber auch betroffen, so Mickel. Es wäre eine große Hilfe, wenn die Kinderbetreuung ausgebaut würde, denn auch sie wäre "wie viele andere Mütter" auf institutionelle Kinderbetreuung angewiesen. Die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie sei in ihrem Beruf vor allem deshalb eine Herausforderung, "weil es auch viele Abendtermine gibt". Dieses Problem hätten aber auch andere Eltern, etwa jene, die in der Gastronomie tätig sind.


"Irgendwann möchte ich schon Kinder haben. Vielleicht in fünf Jahren, aber das entscheide ich nicht alleine", sagt Christoph Peschek, SPÖ-Gemeindesrat und GPA-Jugendsekretär zu derStandard.at. Über die Frage, ob er Kinder haben möchte oder nicht, diskutiere er im Alltag kaum. Gut am Kinderkriegen findet er die Idee, einem Menschen das Leben schenken zu können. Ein Kind will er erst dann in die Welt setzen, wenn er die Verantwortung im vollen Umfang erfüllen kann. Problematisch sei der Faktor Zeit: „Kinder brauchen viel Zeit. Davon habe ich leider wenig".


Das Klima in Österreich sei nicht gerade kinderfreundlich, sagt Sebastian Kurz, Chef von der jungen ÖVP. Er will "Ende 20, Anfang 30" Kinder haben. Aber: „Man muss sich reif und der Sache gewachsen fühlen", sagt Kurz über den für ihn richtigen Zeitpunkt, ein Kind zu bekommen. Kinder seien sowohl eine "ökonomische als auch zeitliche" Herausforderung. Kinder zu haben stellt er sich "schön, erfüllend und sinngebend" vor. (az, burg, derStandard.at, 17. Jänner 2011)

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    Ihr Kinderlein kommet - dass das Kinderkriegen unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht einfach ist, sehen auch heimische JungpolitikerInnen so.

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