Eltern und Politik über Notwendigkeit von Änderungen am Schulstandort einig
Wien- Elternvertreter haben sich am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien gegen die geplante Ausweitung der Neuen Mittelschule (NMS) ausgesprochen. Der Schulversuch sei noch nicht evaluiert, und kurzfristig bringe er den Schülern keine Verbesserung. Angesichts des drohenden Lehrermangels sei zudem fraglich, wie das in der NMS für die Hauptfächer vorgesehene Teamteaching umgesetzt werden soll. Stefan Mandahus, Präsident des Hauptverbands Katholischer Elternvereine, plädierte deshalb dafür, die Umwandlung der Hauptschulen in NMS zu verschieben.
Es wäre sinnvoller, die Lehrpläne nach Überflüssigem zu durchforsten und Lehrern eine Exit-Strategie anzubieten, damit diese mit weniger Frust ihrer Arbeit nachgingen. Auch Theodor Saverschel, Vorsitzender der Elternvertreter an den mittleren und höheren Schulen Österreichs, stellte infrage, "wie das geleistet werden soll". Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) kündigte unterdessen an, die Abschaffung der Zehn-Prozent-Obergrenze für NMS-Schulversuche im Parlament "so schnell als möglich" durchbringen zu wollen.
Fürchten um Qualität
"Wir sind nicht prinzipiell gegen eine Ausweitung der Neuen
Mittelschule, die Idee ist gut", betonte Stefan Mandahus. Die ehemaligen
Hauptschulen hätten durch die NMS auf jeden Fall gewonnen. Die
Elternvertreter befürchten jedoch negative Auswirkungen des
Lehrermangels auf den neuen Schultyp: "Wir befürchten, dass die
Qualitätsstandards bei der verfügbaren Zahl an Pädagogen nicht erhalten
werden können."
Eltern wollen mehr Autonomie für Schulstandorte
Bei anderen Punkten kann es den Elternvertretern unterdessen kaum schnell genug gehen. Bei einem Runden Tisch, zu dem sie Politik und Sozialpartner geladen hatten, versuchten die Eltern Druck für politisch nicht umstrittene und aus ihrer Sicht daher schon bald umsetzbare Reformen zu machen: Mehr Autonomie für Schulstandorte, mehr Kompetenzen für Schulleiter, Stärkung der Schulpartnerschaft, Förderung der Unterrichtssprache Deutsch schon im Kindergarten.
Schmied äußerte nach dem Termin Verständnis für das Drängen der Eltern, "ich bin auch in vielen Dingen eine Ungeduldige". Schon am Dienstag treffe sie in dieser Sache die Bildungssprecher der Parlamentsparteien, im Februar dann die Sozialpartner. Auch Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) kündigte "weitere Gespräche" an. Die Regierung sei "auf einem guten Weg, dieses Jahr der Bildung tatsächlich mit Bildungsinhalten zu füllen". (APA)