Innerhalb von sechs Jahren soll ein Mammut geboren werden

17. Jänner 2011, 13:36
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Forschungsleiter Iritani: "Die Vorbereitungen sind abgeschlossen"

Tokio - Entgegen dem allgemeinen Skeptizismus, der Michael-Crichton-Szenarien zur Rück-Klonierung ausgestorbener Spezies in den Bereich der wissenschaftlichen Undurchführbarkeit verweist, ist ein japanisches Forscherteam zuversichtlich, dass es innerhalb der nächsten fünf oder sechs Jahre ein Wollhaarmammut zur Welt bringen wird. Es wäre das erste seiner Art seit knapp 4.000 Jahren. "Die Vorbereitungen sind abgeschlossen", sagte der Forschungsleiter Akira Iritani der Zeitung "Yomiuri Shimbun".

Zumindest theoretisch sind die Chancen für einen Erfolg weit besser als bei Crichtons Dinosauriern. Vor allem im sibirischen Permafrost wurden die tiefgefrorenen Überreste zahlreicher Wollhaarmammuts (Mammuthus primigenius) gefunden. Diese gehören allerdings nicht zu den letzten Vertretern der Spezies, sondern sind im Schnitt einige zehntausend Jahre alt. Im Sommer soll Iritanis Team Gewebe aus einem solchen im Eis eingeschlossen gewesenen Kadaver aus einem russischen Labor erhalten und diesem DNA entnehmen. Das Team arbeitet dabei mit einem russischen Mammut-Experten und zwei US-Spezialisten für Elefanten zusammen.

Einfach in der Theorie, tückisch in der Praxis

Das Team will sich nicht zuletzt auf die Arbeit des japanischen Wissenschafters Teruhiko Wakayama stützen, dem es gelang, Mäuse aus Zellen zu klonen, die 16 Jahre lang bei Temperaturen eingefroren waren, die denen im Permafrostboden entsprechen. Später sollen Mammut-Zellkerne in eine Elefanten-Eizelle eingepflanzt werden, um den Embryo dann einer Elefantenkuh einzusetzen. Auch dieses Verfahren wurde in der Praxis bereits durchgeführt: 2001 klonten Forscher einen Gaur, ein asiatisches Wildrind, und ließen den Embryo von einer herkömmlichen Hauskuh austragen. Mammuts sind vor allem mit Asiatischen Elefanten vergleichbar nah verwandt wie die beiden Rinderspezies. Allerdings starb der junge Gaur innerhalb von 48 Stunden nach seiner Geburt, vermutlich an Folgen des Klonierungsprozesses.

Die japanischen Forscher sind dennoch voller Hoffnung für ihr Mammut-Projekt: "Falls es gelingt, werden wir seine Lebensbedingungen und seine Gene studieren, um unter anderem verstehen zu können, warum es ausgestorben ist", sagte Iritani, emeritierter Professor der Kyoto-Universität. Auch müsse erst diskutiert werden, ob das Tier der Öffentlichkeit präsentiert werden solle - im Erfolgsfall darf davon ausgegangen werden, dass man nicht darauf vergessen wird. (APA/red)

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    Bei einem lebenden Mammut wäre dies kein artgerechter Tiertransport mehr - bis auf weiteres können aber ohnehin nur Nachbildungen durch die Gegend gekarrt werden.

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