US-Wirtschaft bewegt sich auf dünnem Eis

17. Jänner 2011, 12:41
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Die langsame Erholung der amerikanischen Wirtschaft bereitet Ökonomen Sorgen, vor allem die immer noch hohe Arbeitslosigkeit

Paris - Die langsame Erholung der amerikanischen Wirtschaft bereitet Ökonomen Sorgen. So warnte der ehemalige IWF-Chefökonom Raghuram Rajan am Montag auf einer Konferenz des französischen Kreditversicherers Coface in Paris vor der wachsenden politischen Polarisierung des Landes. "Strukturreformen sind dringend notwendig, aber das politische Klima dafür ist sehr ungünstig", sagte Rajan.

Besonders besorgniserregend sei die nach wie vor hohe Arbeitslosenquote. "Die USA sind kein Land, das gut mit hoher Arbeitslosigkeit umgehen kann." Daher sei es wichtig, das Bildungsniveau der Bevölkerung zu erhöhen, denn die Unternehmen hätten auf die Wirtschaftskrise mit einer Steigerung der Produktivität reagiert. "Das bedeutet, dass einige der verloren gegangenen Arbeitsplätze nicht zurückkehren werden," erwartet Rajan.

Rajan sorgt sich auch um das Geschäftsmodell der USA, das traditionell auf Innovationen baue. "Durch die hohe Staatsverschuldung könnte die Regierung versucht sein, Unternehmenssteuern zu erhöhen." Dies könnte einen negativen Effekt auf die Fähigkeit der Unternehmen zur Innovation haben.

Drei Prozent Wachstum

Trotz allem sagt Rajan den USA für 2011 ein Wachstum von über 3 Prozent voraus. Gründe dafür seien der "massive Stimulus", gesunde Unternehmen und der langsam steigende private Konsum. Für eine Erholung aus einer tiefen Rezession laufe der Aufschwung allerdings sehr langsam. Außerdem gehe die Erholung in den höheren Einkommensschichten bedeutend schneller, auch regional gebe es Unterschiede.

Auch Yves Zlotowksi, Chefökonom von Coface, hat im Rahmen der Konferenz auf die Bedeutung der amerikanischen Konsumenten für die Weltwirtschaft aufmerksam gemacht. "Viele sagen, dass China im nächsten Jahr der Wachstumsmotor der Weltwirtschaft sein wird. Das ist falsch, denn 18 Prozent der globalen Nachfrage kommen aus den USA, nur 3 Prozent aus China", sagte er im Rahmen einer Pressekonferenz.

Der weltweit tätige Kreditversicherer Coface veranstaltet zu Beginn jeden Jahres in Paris die "Country Risk Conference", in deren Rahmen Ökonomen, Politiker und Unternehmensvertreter globale Wirtschaftstrends sowie Branchen- und Länderrisiken für das kommende Jahr abzeichnen. Die Konferenz geht am Montagabend zu Ende.

Chinas Staatschef: Dollar-Dominanz "Produkt der Vergangenheit"

Ein vom Dollar beherrschtes Weltwährungssystem hat indes nach Ansicht von Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao keine Zukunft. Die Dominanz der US-amerikanischen Währung sei ein "Produkt der Vergangenheit", erklärte Hu in Interviews mit der "Washington Post" und dem "Wall Street Journal" (WSJ). Der chinesische Yuan stehe zugleich aber nicht an der Schwelle, neue Reservewährung zu werden. "Es braucht lange Zeit, bis die Währung eines Landes weltweit akzeptiert wird." Hu trifft an diesem Mittwoch zu einem Besuch in Washington ein.

Peking hat in jüngster Vergangenheit verschiedene Schritte unternommen, den Yuan zu internationalisieren. So öffnete China seinen Währungsraum für die Beschaffung von Kapital. Hu wies in dem Interview entsprechend auf die Bemühungen seines Landes hin, die Währung verstärkt für Handel und Investments zu verwenden.

Die USA messen dem Besuch des chinesischen Staatschefs große Bedeutung bei. In den Interviews sprach er sich für einen stärkeren Austausch zwischen den beiden größten Wirtschaftsnationen aus. Es müsse mehr "gegenseitiges Vertrauen" erreicht werden. "Wir sollten die Nullsummen-Mentalität des Kalten Krieges hinter uns lassen." (APA)

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    Klingt bekannt: Struturreformen wären notwendig, das politische Klima dafür ist allerdings nicht danach...

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