Ben Alis Frau flüchtet mit 1,5 Tonnen Gold

17. Jänner 2011, 10:38
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Die Tunesier lassen ihrer Wut auf die Elite des Landes freien Lauf: Sie plündern die Villen der Verwandtschaft Ben Alis und setzten die Häuser zum Teil in Brand. Die Ehefrau des Ex-Diktators hat vor der Flucht nach Saudi Arabien noch die Reisekasse der Familie aufgestockt. Sie holte 1,5 Tonnen Gold aus der Zentralbank.

 

Die Familie von Ben Ali hat in Saudi Arabien Exil bekommen. Das Land hat eine Tradition, wenn es darum geht Ex-Diktatoren Exil anzubieten, berichtet die Financial Times Deutschland in ihrer Montagsausgabe. Idi Amin, der für hunderttausende Tote in Uganda verantwortlich ist, kam auch in Saudi Arabien unter und auch der ehemalige pakistanische Premier Nawaz Sharif. Das Land versteht sich als Wiege des Islam, jeder Muslim könne hier Zuflucht findet.

 

Die Financial Times zitiert auch den Nahostforscher Mustafa Alani, der berichtet, dass Ben Ali eine lange Liste von Bedingungen vor seiner Aufnahme akzeptieren musste. Darunter auch, sich aus Politik und Medien herauszuhalten. 

 

Ben Ali hat in Tunesien Islamisten unterdrückt und gegen den Schleier gekämpft. Ob er sich lange in dem streng islamischen Land aufhalten wird darf bezweifelt werden. Er habe schon mit Libyens Gaddafi telefoniert. Ben Alis Tochter ist nicht in Saudi Arabien. Sie hat sich in einer Suite in der Nähe des Disneyland Paris eingemietet. (red, derStandard.at, 17.1.2010)

foto: epa/stringer epa/stringer

Eine Aufnahme von Ben Alis Frau Leila und ihrer Tochter Halima aus dem Jahr 2007. Die Ehefrau des gestürzten tunesischen Präsidenten soll kurz vor der Flucht ins Exil noch 1,5 Tonnen Gold von einer Bank abgeholt haben.

Leila Ben Ali habe dafür persönlich die Zentralbank in Tunis aufgesucht, berichtete die französische Zeitung "Le Monde" im Internet unter Berufung auf Geheimdienstinformationen. Mit Barren im Wert von rund 45 Millionen Euro sei sie anschließend vermutlich in ein Flugzeug in Richtung Dubai gestiegen. Mittlerweile soll sie sich zusammen mit ihrem Mann im saudi-arabischen Jeddah am Roten Meer aufhalten.

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Das Haus von Kaif Ben Ali, einem Neffen des Ex-Diktators, wurde gestürmt, geplündert und in Brand gesetzt.

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Ein verbranntes Sofa im Haus von Kaif Ben Ali.

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foto: epa/stringer

Leila Ben Ali und ihr Clan waren bereits vor ihrer Flucht aus Tunesien als geld- und machtgierig verschrien. Die Trabelsi-Familie gilt als korrupt und in kriminelle Machenschaften verstrickt. Nach dem Sturz des Präsidenten am Freitag hatten aufgebrachte Tunesier systematisch ihre Villen in den feinen Vororten von Tunis geplündert. Der als Symbol für Korruption geltende Geschäftsmann Imed Trabelsi (hier auf einer Archivaufnahme) wurde von Unbekannten erstochen. Er war ein Neffe von Ben Alis Frau Leila.

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Armee in den Straßen von Tunis. Noch gilt jeden Abend eine Ausgangssperre.

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Eine Gruppe schwedischer Jäger war vom Mob attackiert worden, der sie - nachdem ihre Waffen entdeckt waren - für ausländische Terroristen hielt. Die Männer waren nach Tunesien gekommen, um Wildschweine zu jagen. Sie waren mit drei Taxis auf dem Weg zum Flughafen als sie an einem Kontrollpunkt gestoppt wurden. Im Kofferaum waren die Waffen der Jäger. 

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