"Baby Docs" Rückkehr verschärft Lage in Haiti

17. Jänner 2011, 17:10
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    foto: dieu nalio chery/ap/dapd

    Jean-Claude Duvalier bei der Ankunft im Hotel in Port-au-Prince.

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    foto: reuters/lee celano

    Jean-Claude 'Baby-Doc' Duvalier winkt vom Hotelbalkon.

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    foto: reuters/st-felix evens

    1986 wurde Duvalier außer Landes gejagt.

Mit für die Öffentlichkeit vorerst unklaren Absichten ist Haitis Ex-Diktator Jean-Claude "Baby Doc" Duvalier in den von Erdbeben und Cholera schwer getroffenen Karibikstaat zurückgekehrt - Er wolle helfen, sagte er.

Port-au-Prince/Puebla - Graffiti auf den Ruinen von Port-au-Prince forderten schon seit Monaten seine Anwesenheit. Am Sonntag ist Haitis Ex-Diktator Jean-Claude Duvalier in seine alte Heimat zurückgekehrt - ein Jahr nach dem Erdbeben und mitten in einer schweren politischen Krise. Mehrere dutzend Anhänger begrüßten den 59-Jährigen bei seiner Ankunft aus Paris am Flughafen der haitianischen Hauptstadt.

"Haiti, mein Land. Ich bin gekommen, um zu helfen", sagte "Baby Doc" im dunklen Anzug und mit Krawatte zu den am Flughafen wartenden Journalisten und Ex-Mitarbeitern. Seine mit ihm reisende Gattin Véronique Roz meinte, sie sei sehr gerührt und habe einen derartigen Empfang nicht erwartet.

Gegen den ehemaligen Diktator, der den Karibikstaat zwischen 1971 und 1986 mit brutaler Repression regierte und später im vergoldeten Exil in Frankreich lebte, sind mehrere Verfahren anhängig, darunter wegen Korruption und Menschenrechtsverletzungen. Er soll mehr als 100 Millionen Dollar (75 Mio. Euro) veruntreut haben. Seine Todesschwadronen, die berüchtigten "Tontons Macoutes", verbreiteten Schrecken in der Bevölkerung. 1986 wurde er durch einen Volksaufstand und US-Druck gestürzt.

Unklare Absichten

Präsident René Preval hatte in einer ersten Amtszeit 1997 verkündet, Duvalier ins Gefängnis zu stecken, sollte er zurückkehren. Zunächst war unklar, mit welcher Absicht Duvalier gekommen ist und wie die Regierung sich ihm gegenüber verhält.

Duvaliers Rückkehr dürfte die angespannte Lage weiter verschärfen. Am Sonntag hätte eigentlich die Stichwahl stattfinden sollen, aus der das nächste Parlament und der nächste Präsident hervorgehen. Wegen Manipulationen in der ersten Runde wurde der zweite Durchgang jedoch auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hat nach einer Analyse der Stimmzettel nahegelegt, eine große Anzahl Wahlzettel auszuschließen, was den offiziell Drittplatzierten Michel Martelly in die Stichwahl einziehen lassen würde - zulasten des Regierungskandidaten Jude Celestin.

Die Regierung lehnt dies jedoch ab und verlangt eine komplette Wiederholung der Wahl. Dies würde dazu führen, dass der unpopuläre Preval und seine mit Korruptionsvorwürfen überhäufte Regierung vorerst weiter amtieren und der Wiederaufbau dadurch weiter verzögert würde. Denn die Staatengemeinschaft fordert für die Freigabe der versprochenen zehn Milliarden US-Dollar (7,5 Mrd. Euro) eine neue, demokratisch legitimierte Regierung. (Sandra Weiss, STANDARD-Printausgabe, 18.01.2011)

Kommentar posten
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Jimmy_Ringo
00
31.1.2011, 11:50
100.000.000 Dollar

"lieh" er sich bei seinem Volk aus, bei seiner Flucht.

Jetzt ist er zurück, um das Geld bestimmt "zurückzuzahlen" :-))))))))

system1
01
18.1.2011, 15:57
....sind mehrere Verfahren anhängig...

und? wann gehts los? heute? morgen? wann???

ekkehard zartelbauer
00
18.1.2011, 14:18
Baba Doc hat Alzheimer

er wollte nach Nigeria, doch nie und nimmer nach Haiti.

parapente
00
18.1.2011, 10:24
Es ist doch gut,

dass er wieder in Haiti ist - so kann er endlich vor Gericht kommen!

Sand
05
18.1.2011, 09:25
Dem ist der Kies ausgegangen und jetzt will er seine Taschen wieder auffüllen.

Von all dem Geld, das bisher über NGOs und Hilfsorganisationen ins Land gekommen ist, sieht man keine Spuren im Wiederaufbau. Diese Millionen warten irgendwo auf Baby Doc und seinen Hof.

dB
26
18.1.2011, 06:42
Bitte Baby Doc nicht mit Papa Doc verwechseln.

Der Schlächter, Folterer und Begründer der Touton Macoute war sein Vater Francois Duvalier, der 1971 starb und seinen Sohn als Nachfolger eingesetzt hatte.
Besagter Sohn war sein Leben lang ein dümmlicher reicher Luschi der sich nur für Shopping und Frauen interessiert hat - und ganz sicher nciht für sowas lästiges wie Politik.
Allerdings war Papa Docs Diktatur auf dermassen festen Säulen errichtet worden, dass diese geerbte Diktatur - Stichwort Touton Macoute - noch weitere 15 Jahre hielt...
Jean-Claude ist lediglich eine Witzfigur der Geschichte, ned mehr und ned weniger - und hat sich - wie jeder korrupte Politiker - in der dritten Welt sich masslos bereichert.
Es heisst übrigens, dass er kann kein Blut sehen kann..

Daniel Solwand
01
18.1.2011, 17:39
Im Zweifel für den Angeklagten, in diesem Fall „NICHT Angeklagten“?

Nur weil er ein Schürzenjäger und Lebemann in der Jugend war, und sein Vater diese Terrormiliz ins Leben gerufen hat, spricht ihn das von seiner Schuld frei?
Er hatte 15J Zeit gehabt Veränderungen herbei zu führen. Noch mehr Zeit hatte er in Frankreich sich der Gerichtsbarkeit in Den Haag zu stellen und sich selbst anzuzeigen, wenn es ihm mit seiner Reue ernst gewesen wäre (doch so Dumm war er dann doch nicht).
Nein mein Herr oder meine Dame, der Mann ist schuldig und da gibt es auch kein verharmlosen. Er wusste was er tat, und er tat es in voller Absicht und ohne schlechtes Gewissen.
Dem Mann gehört der Prozess gemacht.
Und das er Kein Blut sehen kann, dass wird schon seine Gründe haben.

nacktschnecke1
00
18.1.2011, 06:36

Frankreich bietet wirklich allen Despoten Unterschlupf, sie können es sich gut gehen lassen, bis sie denken ihr Zeitpunkt ist gekommen. Man muss lange suchen, einen Diktator zu finden, der nicht eine Weile unter deren Schutzschirm lebte. Ich habe in einem Buch gelesen, dass sein Vater politischen Gegnern nach langer Hungerzeit endlich Essen gab und diesen nachher sagte, das Fleisch sei das Fleisch ihrer Kinder und es hatte niemand Zweifel, dass dies der Wahrheit entsprach. Ich bringe das nicht mehr aus meinen Kopf! Wie wird der Sohn dann sein und der wird ganz sicher seine Zeit nutzen?

lechner sepp
01
18.1.2011, 02:12
jajaja...

also mit chavez zu vergleichen ist nicht ok.
und ich finde dass es sehr arg ist dass sojemand in frankreich asyl bekommt.
Und er faehrt eh wieder zurueck, zumindest hat er einen rueckflug gebucht. Die demonstrationen hielten sich auf alle faelle in grenzen....
http://www.haitilibre.com/en/

Warentester
02
18.1.2011, 01:36

Jo, süß Baby-Doc ist zurück. Da passt er eh viel besser hin als nach Frankreich.

Ehrlich gesagt ist mir unverständlich das dieser Typ völlig unbehelligt und sogar bejubelt in das Land seines "Wirkens" zurückkehren kann und ihm sogar moch zugejubelt wird. Sagt IMO sehr viel über dieses Land aus.

agarthianer
00
17.1.2011, 23:22

seltsam , absurd , jenseitig ..................................
so als würde der Schickelgruber am Wr Westbahnhof
oder der Mao am Tian-An-Menh- Platz ----------
oder der Dschugaschwilli am Roten Platz ..............
oder auch der Napoleon wieder auftauchen ............
wo auch immer am Schauplatz seiner Schandtaten ..

Raptor Jesus
03
17.1.2011, 22:46
Wuhu, genau was Haiti jetzt brauchte

Noch mehr Salz in die schon klaffende Wunde.

Philodoofi
00
17.1.2011, 23:02
kleine korrektur:

das heißt woodoo, nicht wuhu! sonst bin ich der gleichen meinung!

Raptor Jesus
00
18.1.2011, 21:42
es heißt Voodoo

man unterscheidet dabei den realen Voodoo, welches auch am Häufigsten praktiziert wird und dem Hollywood-Voodoo, welches am bekanntesten ist.

ninja von hagen
00
17.1.2011, 22:38
Gefange wurden seinerzeit lebendig geröstet

sonic
03
17.1.2011, 22:20

Wenn er dem Land helfen will, wie er sagt, sollte er erst mal das Geld zurückgeben, dass er gestohlen hat. Vor allem sollte er den Hinterbliebenen seiner Opfer zumindest finanziellen Schadensersatz anbieten.
Was mich wundert ist, dass er nicht sofort wegen Massenmord verhaftet wurde.

RichardRoe
00
18.1.2011, 05:42

Exakt. Was mich wundert ist, dass man ihn nicht sofort und umstandlos an einem Baum oder an einer Laterne entsorgt hat.

Zurückbezahlen geht nicht, das meiste davon hat er verspielt und gerüchteweise ist Duvalier nicht mehr in der Lage, für sein Auskommen selbst zu sorgen - der Elysee bezahlt. Und genau das dürfte der Grund für seine Reise gewesen sein - die Franzosen dürften die 'glänzende' Idee gehabt haben, zumindest zu testen, ob Haiti reif für einen Diktator von Frankreichs Gnaden wäre. Die gegenwärtige haitianische Regierung bringt ja nix weiter und scheint auch nicht willens, irgend etwas weiterzubringen. Jedenfalls haben die Duvaliers für den 20. Jänner ein Rückflugticket und ich denke, dass die beiden froh sein werden ..

Horst Holzinger
120
17.1.2011, 20:01
Unter Duvalier konnte man in Haiti gut leben,

vorausgesetzt man war mit ihm verwandt oder Mitglied seiner Schläger- und Foltertruppe.

Die internationale westliche Wertegemeinschaft ("Der freie Westen") sah die Demokratie dort allerdings nie so gefährdet, wie in Kuba ...

Dass Frankreich diesen Schlächter aufnahm zeigt, dass der sog. "Westen" keinerlei Probleme hat Massenmörder zu protegieren, solange sie ihm nützlich sind. Daran hat sich bis heute nichts geändert (Siehe Thaci).

Nestor Machno
 
01
17.1.2011, 22:06
Offenbar wurde er nicht nur aufgenommen,

um in Frankreich ein schönes Leben zu führen, sondern als eine Art As im Ärmel betrachtet, für den Fall, daß man ihn noch einmal brauchen könnte.

Er ist sicher nicht zurück nach Haiti, um dort Blumen zu pflücken.

Horst Holzinger
03
17.1.2011, 22:41
Eben.

Er wäre sicher nicht nach Haiti gereist, wenn er nicht vorher seine Sicherheit abgeklärt hätte mit den Leuten, die dort das sagen haben: die USA und Frankreich.

Die gleichen, die den frei gewählten Präsidenten Aristide aus dem Land warfen, als der Haiti der Kontrolle der ausländischen Mächte entziehen wollte.

Merke: Besser ein Schlächter und Diktatur im Dienste des freien Westens, als ein Demokrat und gewählter Präsident, der ein Land der Kontrolle des "freien Westens" entziehen will.

Das hat auch Zelaya das Amt in Honduras gekostet. In Venezuela, Bolivien und Ecuador sind sie bisher gescheitert, aber sie geben nicht auf.

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00
18.1.2011, 18:47
"Er wäre sicher nicht nach Haiti gereist, wenn er nicht vorher seine Sicherheit abgeklärt hätte mit den Leuten, die dort das sagen haben: die USA und Frankreich."

Das scheint ja jetzt grad eine interessante Wende zu nehmen. Angeblich isser ja eben verhaftet worden.

cannery row
00
17.1.2011, 21:00
aber wenigstens jetzt..

könnte man ihn aus dem land schmeissen.

sonic
00
17.1.2011, 22:22

Nicht rausschmeißen. Einsperren. Für immer.

Osman Mert
12
17.1.2011, 19:18
...Denn die Staatengemeinschaft fordert für die Freigabe der versprochenen zehn Milliarden US-Dollar eine neue, demokratisch legitimierte Regierung...

...Die Aasgeier versammeln sich, denn es gibt etwas zu verteilen...Armes Haiti.

Johannes Benn
02
17.1.2011, 19:06
.

die sprudelnden hilfgelder locken sehr

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