Extrem und salonfähig

16. Jänner 2011, 18:25
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Die neue Parteichefin sucht den Anschluss an Europas moderne Rechtspopulisten - von Eric Frey

Es mag vielleicht in erster Linie eine kosmetische Änderung sein, der Wechsel im französischen Front National vom rechtsextremen Schlachtross Jean-Marie Le Pen zu seiner Tochter Marine. Bei den Schlüsselthemen der Partei, Migration und Europa, steht die 42-Jährige ihrem Vater an Radikalität um nichts nach.

Doch die neue Verpackung für eine in die Jahre gekommene Bewegung hat für Frankreichs Politik dennoch erhebliche Konsequenzen. Denn mit Marine Le Pen verabschiedet sich der FN vom traditionellen Rechtsextremismus mit seinem vergifteten Erbe von Faschismus und Antisemitismus. Die neue Parteichefin sucht den Anschluss an Europas moderne Rechtspopulisten, die ohne dem Ballast der Geschichte Europa vor der Überschwemmung durch muslimische Migranten schützen wollen.

Ein solcher Kurs ist heute salonfähig; wie die Erfolge der Schweizer Volkspartei bei Referenden zeigen, sogar mehrheitsfähig. Die neue Rechte findet auch in anderen Lagern Verbündete, nicht nur bei strammen Konservativen, sondern auch bei desillusionierten Linken wie Thilo Sarrazin.

Ob Marine Le Pen es wie ihr Vater als Präsidentschaftskandidatin in eine Stichwahl schaffen wird, ist ungewiss. Aber ihre Anziehungskraft wird Amtsinhaber Nicolas Sarkozy zu einem noch härteren Anti-Ausländerkurs drängen. Und die alte Anti-Le-Pen-Abwehrfront der anderen Parteien wird gegenüber der neuen Le Pen viel weniger halten. (Eric Frey /DER STANDARD, Printausgabe, 17.1.2011)

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