Revolutionäre Morgenluft

16. Jänner 2011, 18:20

Das tunesische Mafia-Regime war leichter zu stürzen als andere in der Region

Allen Menschen, die unter einem repressiven Regime leben oder gelebt haben, und allen, die mit jenen mitfühlen, sei die Genugtuung über die Ereignisse in Tunesien herzlich vergönnt. Nicht ein Militärputsch, nicht ein islamistischer Umsturz, nicht eine Intervention von außen, sondern Sozialproteste von unten haben den Herrscher einer besonders hässlichen kleinen Diktatur gestürzt. Es geht also doch: Das ist es, was sich Millionen von Unzufriedenen in der Region und darüber hinaus sagen.

Und doch legt sich über die Genugtuung schnell die Sorge. Tunesien ist weit davon entfernt, es "geschafft" zu haben. Noch sind die Milizen des geflohenen Präsidenten nicht in die Schranken gewiesen, noch nützen Kriminelle die labile Sicherheitssituation aus. Und noch haben viele einflussreiche Leute viel zu verlieren: Und diejenigen, die den Übergang verwalten, gehören dazu. Wer das "Es ist genug" gesprochen hat, blieb auch am Sonntag unklar, ob es aus der politischen Klasse kam oder doch vom Militär - das derzeit als eine neue Ordnung unterstützend auftritt.

Im Internet wird bereits für "Präsident Rachid Ammar" mobilisiert - das ist der Armeechef, der sich angeblich weigerte, auf die Protestierenden schießen zu lassen. Und ebenfalls im Internet fangen islamistische Gruppen an, vor eben diesem General zu warnen: Er stecke mit den USA, Frankreich und - natürlich - mit Israel unter einer Decke. Zwischen diesen Extremen spielt sich jetzt ab, was in Tunesien passiert. Die echten Demokraten können leicht dazwischen aufgerieben werden. Auch Wahlen allein garantieren nicht den Sieg liberaler Kräfte, auf das Umfeld, das in den nächsten Wochen bereitet werden wird, kommt es an. Da werden die Islamisten mitspielen, so viel ist sicher.

So sieht es in Tunesien aus - und in all den Ländern, in denen jetzt Unterdrückte revolutionäre Morgenluft wittern, ist es noch einmal anders. Alle jungen Leute in der arabischen Welt haben ähnliche Probleme wie die tunesischen Jugendlichen, die den Massenprotest ausgelöst haben. Und dennoch sind die Gesellschaften der Länder sehr unterschiedlich strukturiert. Auch der Kleinheit Tunesiens ist es zu danken, dass sich dort diese besonders starke, gebildete Mittelschicht formte, die sich ihre Rolle in der Gesellschaft nicht länger rauben lassen wollte. Das haben andere Länder in der Region auch, aber nicht in diesem Ausmaß. Und wieder andere - siehe Gaddafi in Libyen - haben Öleinnahmen, um Sektoren der Gesellschaft leichter ruhig zu halten. Andere Regime sind zumindest in Teilen der Bevölkerung emotional verankert.

Das tunesische war auch ein Beispiel eines Regimes, das völlig entideologisiert war und nur noch für sich selbst stand: quasi eine Mafia mit einem Land wie einem Unternehmen. So ein Regime ist viel leichter zu stürzen. Man denke nur an den Iran. Dort hätten auch doppelt so viele Demonstranten auf der Straße das islamistische Regime nicht vertreiben können. Es hat eine ganz andere Durchhaltefähigkeit als Ben Ali sie hatte.

Und Ägypten, wo jetzt die Emotionen hochgehen, ist wieder völlig anders: Dort ist das Regime nicht ideologisch, aber in Ägypten geht es nicht, wie in Tunesien, nur um Geld und interne Macht, sondern sehr wohl auch um Politik, um den politischen Platz Ägyptens in der Region und in der Welt. Gerade deshalb wäre es so wichtig, dass die Transition in die Post-Mubarak-Zeit luzide geplant würde. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 17.1.2011)

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ah, geh weiter! 'mafia-regime'?

vor kurzem war das regme noch euer aller liebling - und jetzt (frau clinton kam, sprach - und schon brach eine revolution wie bestellt aus!:))
mafia regime: das ist der berlusconi in italien. merken sie sich das!
...
eskönnt nämlich sein, dass sie schon bald ihre voreiligen einschätzungen sehr bereuen: wenn der ex.präsident wieder als neu-entdeckter eu-liebling zurückgeputscht wird.

Das tunesische Regime war deshalb am leichtesten zu stürzen weil es trotzdem der Bevölkerung am meisten Freiheiten gewährte verglichen mit allen anderen arabischen oder gar muslimischen Staaten. Aus dem selben Grund ist Jordanien der nächste Kandidat. In Syrien würden deratige Versuche raschest im Keim erstickt mit radikalsten Methoden.

Sehr geehrte Frau Dr. Harrer,

Zahlreiche Postings, die völlig den Posting-Regeln entsprochen haben, wurden hier heute nicht durchgeschaltet.

Selbstverständlich ist diese Vorgangsweise Ihr gutes Recht. Sie können bestimmen, was "im Blatt" auch online steht.

Wenn Sie aber - wie in diesem Fall - keine Postings wollen, wäre es höflich, das unter den Artikel zu schreiben.

Mit freundlichen Grüßen,
ASST/UK

Zahlreiche Postings, die völlig den Posting-Regeln entsprochen haben, wurden hier heute nicht durchgeschaltet.

1. woher wissen sie, dass es 'zahlreiche' waren?
2. wie wollen sie bei nicht-veröffentlichten posts wissen, dass sie 'völlig den posting-regeln' entsprochen haben?

manchmal hat sogar der standard

ein schlechtes gewissen beim lügen...
dann werden ganz einfach missliebige meinungen nicht veröffentlicht.
so macht man das: pressefreiheit, gell!

Das Wort Freihait bedeudet so viel wie.

Freiheit nur für bestimmte Personen.

Die Freiheit hört da auf, wo diese Personen an Freiheit verlieren.

Mfg

tunesien ist
- eines der reichsten islamischen laender
- laut world corruption index eines der am wenigsten korrupten
- wirtschaftlich eines der erfolgreicheren und liberalen
http://en.wikipedia.org/wiki/Econ... of_Tunisia
In the World Economic Forum 2008/2009 Global Competitiveness Report, the country ranks first in Africa and 36th globally for economic competitiveness, well ahead of Portugal (43), Italy (49) and Greece (67).

mag ja sein, dass das alles nicht so ganz stimmt. aber die darstellung, die hier im artikel gemacht wird ist einfach laecherlich.
diese besonders haessliche kleine diktatur - was???

harrer hat ein problem mit islamischen staaten, speziell tunesien

bereits einige kommentare vor diesem strotzten nur so vor unhaltbaren vorurteilen und unrecherchierten versuchen, des lesers gehirn zu waschen.

eine schande für den journalismus

der obige artikel ist noch der beste der letzten wochen!

Als nächstes ist wahrscheinlich Algerien dran.

Bin mal gespannt wie sich die Lage im Maghreb weiter entwickelt. Die Franzosen sollten sich lieber schonmal auf eine Flüchtlingswelle gefasst machen, denke ich. Hoffentlich geht das alles friedlich von Statten : /

ja die flüchtlinge. sind wir doch froh dass wir hier in diesem schönen europa leben mit ganz wenigen flüchtlingen. von visabestimmungen haben sie anscheindend keine ahnung

Mit 1,5 to Gold im Fluchtgepäck laßt sichs leicht abdanken!

frontex und die fremdenlegion gehen schon in stellung ...

flüchtlichngskolonnen ist das letzte was die EU jetzt brauchen kann.
.
somit ist die revolution endend wollend, soviel ist sicher.
.
und die grand nation, wird nicht tatenlos zusehen, wie sich in tunesien islamisten breitmachen.
.

?

Unangebrachte Angstmache vor Fluechtlingsstrom und Islamismus.

Dazu ein bisschen Franzosenhass.

Ich denke, die Situation in Tunesien ist Ihnen voellig egal.

das mit dem unangebracht wird sich noch herausstellen....

unangebracht. was islamismus oder flüchtlinge?

die post g.harrer zeit sollte man auch luzide planen.

jetzt sind ihre kommentare eher luziferisch, als durchsichtig. eine kritik ist nicht erlaubt, da g.h. offensichtlich systemrelevant ist.

nein, da antialkoholiker

googelns halt ein bisschen, villeicht verstens das wortspiel dann. ich vermute: eher nein.

manche arbeiten statt zu googlen - tät sicher nicht schaden...

wissen ist macht schon mal was davon gehört?

Deswegen sind viele so uninformiert?

Das österreichische Mafia-Regime

sitzt seit 30 Jahren fest im Sattel.

Unglaublich wie bei uns ständige Oppositionelle verhaftet werden

wir sind eine stufe weiter

bei uns werden auch die oppositionellen korrumpiert

Woanders dät's des ned gebn, der Mugabe in Zimbabwe ist ja auch überhaupt nicht korrupt, obwohl ehemals sehr oppositionell.

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