Berlusconi will sich nicht verhören lassen

16. Jänner 2011, 18:05
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Der italienische Premier sucht nach den neuesten Sex-Enthüllungen eine neue Kraftprobe mit der Justiz

Die Vorladung der Staatsanwaltschaft zu Vorwürfen, er habe Sex mit Minderjährigen gehabt, will Berlusconi ignorieren.

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Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi will das jüngste Ermittlungsverfahren um Anstiftung Minderjähriger zur Prostitution zu einer neuen Kraftprobe mit der Justiz nutzen. Der Vorladung der Mailänder Staatsanwaltschaft zu einem Verhör wird der Regierungschef am kommenden Wochenende nicht folgen, wie er mitteilen ließ. Nach Überzeugung seiner Verteidiger sei das Verhör "nicht legitim" .

Berlusconi hatte zunächst seine Absicht bekundet, sich vor Gericht gegen den Vorwurf sexueller Beziehungen zu einer Minderjährigen zu verteidigen. Es handle sich um eine "infame Schmutzkampagne" mit der Absicht, ihn politisch kaltzustellen. Um dieses Ziel endlich zu erreichen, hätten die Staatsanwälte "ein Abendessen beim Premier zu einem Delikt umfunktioniert" .

"Zu Gast, aber ohne Sex"

Die junge Marokkanerin Ruby sei zwar bei ihm zu Gast gewesen, aber es habe keine sexuellen Beziehungen gegeben. Das Showgirl bestätigte, vom Premierminister 7000 Euro erhalten zu haben. Er habe ihr damit "aus einer finanziellen Notlage" helfen wollen.

Berlusconis Verteidiger, die beiden PDL-Abgeordneten Nicolò Ghedini und Piero Longo, warfen den Staatsanwälten "zahllose Gesetzwidrigkeiten" vor und bestritten die Zuständigkeit des Gerichts. Da Berlusconis Villa in Arcore auf dem Gebiet der Provinz Monza liege, sei die dortige Staatsanwaltschaft für die Ermittlungen zuständig.

Während die Anwälte von einem "künstlich gestrickten Lügengebäude" sprachen, pochten die Staatsanwälte auf hieb- und stichfeste Fakten. Aus den Spuren ihres Mobiltelefons sei eindeutig beweisbar, dass sich Ruby insgesamt mindestens acht Tage und Nächte in Berlusconis Privatresidenz aufgehalten habe - auch am 25. April des vergangenen Jahres, als der russische Ministerpräsident Wladimir Putin Gast in der Villa gewesen sei. Nach Rubys Schilderung sei sie vom Chefredakteur des Berlusconi-Senders Rete 4, Emilio Fede, mit Polizeieskorte durch einen Nebeneingang in den weitläufigen Park der Villa geschleust worden.

Berlusconis Harem

Das umfangreiche Dossier der Staatsanwälte beschränkt sich nicht auf Berlusconis dubiose Beziehung zur schillernden Marokkanerin. In dem von ihm gebauten Stadtviertel Milano 2 habe der Cavaliere insgesamt "14 jungen und attraktiven Frauen" kostenlos Luxuswohnungen zur Verfügung gestellt. Sie seien vom Regierungschef mit teilweise hohen Summen und wertvollen Geschenken versorgt worden - offenbar als Gegenleistung für erhaltene Dienste.

Bei Hausdurchsuchungen in den 14 Wohnungen fand die Polizei zahlreiche Kuverts mit 500-Euro-Noten. Eines habe nach Informationen der Tageszeitung Corriere della Sera 10.000 Euro Bargeld enthalten und sei mit dem Vermerk Silvio B. versehen gewesen. (Gerhard Mumelter aus Rom /DER STANDARD, Printausgabe, 17.1.2011)

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    Showgirl Ruby Rubacuori aus Marokko soll Berlusconi schon als Minderjährige zu Diensten gestanden sein. Medien berichteten von einem regelrechten Harem des italienischen Premiers.

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