"Europäer sollen Essen schicken"

16. Jänner 2011, 18:00
3 Postings

Besorgte Diaspora – In Österreich leben 6000 Tunesier

Rachid Sfaxi ist ein Dialektiker. Einerseits seien die meisten Tunesier in Wien froh, dass es zu einem Regimewechsel gekommen ist. Andererseits sehe er mindestens so viele Gefahren in der politischen Situation wie Chancen. "Es ist schwer zu sagen, ob es besser wird. Die Leute, die jetzt regieren wollen, haben keine Ahnung von Politik" , meint der Wirt. Sfaxi glaubt ein langsamer politischer Wechsel bis 2014, wie ihn der geflohene Präsident Ben Ali zunächst angekündigt hatte, wäre besser gewesen.

Denn nun herrsche in Tunis Chaos. "Es gibt keinen Zucker, keine Milch, kein Mehl. Die Europäer sollten den Tunesiern wenigstens Lebensmittel schicken" , sagt der 66-jährige Besitzer des Lokals Le Couscous, der 1969 nach Österreich gekommen war. 80 Prozent der Lebensmittel seien verbrannt worden und seine Familie, die in Tunis lebe, traue sich nicht mehr auf die Straße.

Nach Angaben des Büros der Tunesier im Ausland lebten 2009 über 911.000 Tunesier in Europa, die größte Gemeinschaft findet sich in Frankreich mit fast 600.000. Zweiter Platz, weit dahinter: Italien mit rund 153.000. Österreich findet sich mit knapp über 6000 Menschen aus Tunesien an siebenter Stelle. Die AUA brachte indes am Samstag mit einer Sondermaschine aus Monastir 92 österreichische Urlauber in ihre Heimat zurück. (awö, raa/DER STANDARD, Printausgabe, 17.1.2011)

Share if you care.