Geld für Spaniens Sparkassen

16. Jänner 2011, 17:28
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Die Regierung kündigte neue Unterstützung an. Analysten sehen Bedarf von 120 Milliarden Euro

Die spanische Regierung wird den maroden Sparkassen noch einmal unter die Arme greifen. Während Madrid von kleinen Interventionen spricht, vermuten Analysten einen Bedarf von bis zu 120 Milliarden Euro.

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Granada - Zur Stärkung der angeschlagenen spanischen Sparkassen wird die Regierung in Madrid offenbar noch einmal tief in die Taschen greifen. Spaniens Premier José Luis Rodríguez Zapatero kündigt nach einem forcierten Fusionsreigen der Kassen eine zweite Restrukturierungsrunde an.

Die Kassen, die sogenannten Cajas, gelten als Achillesferse des spanischen Finanzsystems. Durch ihr Engagement im Hypothekenwesen hatten diese besonders nach dem Platzen der Immobilienblase Iberiens mit faulen Krediten zu kämpfen. Die Zahl der Kassen reduzierte sich bereits bis Ende 2010 von 45 auf 17. Interventionen wie bei der Caja Castilla/La Mancha (CCM) 2009 oder der Kirchenkasse CajaSur im Vorjahr kosteten dem spanischen Bankenrettungsfonds Fondo de Reestructuración Ordenada Bancaria bisher rund 15 Milliarden Euro.

Zapatero kündigte weitere Interventionen an, wollte aber keine Summen nennen und beharrte darauf, "dass ein sehr begrenzter Rückgriff auf öffentliche Mittel" in Hinkunft angedacht wäre. Bankanalysten sehen das anders. Sie rechnen mit einem zusätzlichen Finanzbedarf bei den Cajas von 20 bis 120 Milliarden Euro. Barclays Capital geht beispielsweise davon aus, dass die Regierung in Madrid den Sparkassen noch einmal mit Krediten von bis zu 78 Milliarden Euro unter die Hand greifen müsste, um den Sektor zu sanieren. Das entspricht acht Prozent der spanischen Wirtschaftsleistung.

Ab Montag wird eine Delegation des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Madrid erwartet. Die IWF-Leute sollen den Zustand der Banken und Kassen prüfen. In Madrid war die Rede von reinen Routinegesprächen.

Spanien gilt derzeit neben Portugal als Wackelkandidat der Eurozone. Das Budgetdefizit ist hoch und dürfte 2010 etwas unter 9,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen. Die Arbeitslosenrate ist mit 20 Prozent die höchste der EU. Als dritter Faktor, warum Anleger Spanien nicht trauen, gelten die Probleme der Sparkassen.

Laut der Wirtschaftszeitung Cinco Dias sind im Kassensektor 2011 Kredite in einem Volumen von 80 Milliarden Euro stark ausfallsgefährdet. Insbesondere Bauunternehmen stehen bei den Kassen tief in der Kreide. Das Blatt schreibt von einem "Entscheidungsjahr", denn ein großer Teil der Kredite müsste im ersten Quartal 2011 getilgt werden.

Hinzu kommt, dass sich Banken und Kassen zuletzt wegen der vielen Unternehmenspleiten selbst zu großen Immobilienhändlern gehamstert haben. Der Nationalbank mißfällt das. Die Banken würden die Korrektur der Preise am überbewerteten Immobilienmarkt bremsen, wodurch die Unsicherheit weiter wachse. (Jan Marot aus Granada, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.1.2011)

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