Standard-Interview

"Entschieden wird das über unseren Köpfen"

16. Jänner 2011, 17:05
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    foto: reuters/gea

    "Wir Boarder sind seit zehn Jahren vom Aussterben bedroht. Wir leben noch immer."

Der Snowboarder Benjamin Karl kämpft ab Mittwoch bei der WM in La Molina um Medaillen. Er hofft auf zwei Goldene und bedauert, dass den Alpin-Boardern zu wenig Aufmerksamkeit zuteil wird.

Standard: Sie sind als Gesamtweltcupführender ins spanische La Molina gekommen. Kann das Ihre WM werden?

Karl: Ich hab's vor, dass es meine WM wird. Ich bin stark drauf, kann mindestens eine Goldmedaille holen. Das soll auch als Ansage verstanden werden.

Standard: Sie sind Alpin-Allrounder, haben in dieser Saison bereits einen Sieg im Parallel-Riesenslalom und im Parallel-Slalom eingefahren. Wie realistisch ist ein Doppelweltmeister-Titel?

Karl: Das ist schwer zu sagen. Ein Fehler, und man ist draußen. Aber wenn alles zusammenpasst, mein System, das Material, die mentale Komponente, dann ist das möglich. Natürlich sind auch andere Boarder in Form, jeder will gewinnen. Die letzten Tage vor dem Abflug nach Spanien habe ich mich zu Hause in Niederösterreich vorbereitet. Am Mittwoch war ich das letzte Mal auf Schnee, sonst war ich am Computerspielen, Laufen und Relaxen.

Standard: Was erwartet Sie in La Molina? Was wird anders sein als beim letzten Weltcupbewerb vor einer Woche in Bad Gastein?

Karl: Das Heimpublikum wird fehlen, viele werden wohl nicht nach Spanien kommen. Die Rennen sind unter der Woche und damit zuschauertechnisch auch eher suboptimal angesetzt. Ich hoffe aber, dass es in Spanien kälter wird als zuletzt bei uns zu Hause. Wir sind in den Ausläufern der Pyrenäen, das kann man sich so vorstellen wie am Semmering. Es gibt hohe Hügel, aber keine schroffen Felsen.

Standard: Ihre Saison hat Mitte Oktober begonnen, dennoch haben Sie erst fünf Rennen bestritten. Sind Veranstalter für alpine Snowboard-Events so schwierig zu finden?

Karl: Das Problem ist, dass oft keine finanziellen Mittel da sind. Und sind welche da, werden interessierten Veranstaltern immer wieder Steine in den Weg gelegt. Sankt Johann im Pongau hat zum Beispiel schon sechsmal erfolglos probiert, ein Weltcuprennen zu bekommen. Und für Bad Gastein sind die Rennen Anfang Jänner wegen der vielen Touristen ein Horror. Die haben schon probiert, den Weltcup auf Mitte/Ende Jänner zu verschieben. Aber da heißt es vonseiten der Fis: Entweder ihr macht das zu diesem Zeitpunkt oder eben gar nicht.

Standard: Können die Fahrer da Druck auf die Fis ausüben?

Karl: Wir als Fahrer können da fast nichts ausrichten. Zurzeit sind es elf bis dreizehn Rennen pro Saison, mit dem müssen wir seit Jahren leben. Wir können nur hoffen, dass es nicht noch weniger werden. Entschieden wird das aber über unseren Köpfen.

Standard: Alpine Snowboards verschwinden - im Gegensatz zu Freestyle-Boards - immer mehr von den Pisten. Wird Ihre Sportart von der Randsportart zur Exotensportart?

Karl: Wir Alpin-Boarder sind seit zehn Jahren vom Aussterben bedroht. Wir leben noch immer. Und wir hoffen auf die neuen Märkte Russland und Japan, vielleicht zieht der Sport wieder mehr an.

Standard: Und wenn nicht?

Karl: Das Brutale ist, dass man von uns hohe TV-Einschaltquoten und Zuschauerzahlen verlangt, aber unsere Rennen werden in den Medien fast nicht beworben. TV-Media hat am Wochenende unseres einzigen Heimweltcups viele Sportarten prominent angekündigt. Unser Rennen war nicht dabei. Aber wie sollen Leute auf uns aufmerksam werden, wenn sie nichts von uns wissen? Solche Sagen regen mich total auf. Wenn ein Skifahrer für einen Weltcupsieg eine Titelseite bekommt und wir nicht mal für einen Weltmeistertitel, dann sind eh schon die Wertigkeiten verschoben.

Standard: Bleiben wir bei den Snowboardern: Freestyle-Contests ziehen. Wieso können Alpin-Events da nicht ganz mithalten?

Karl: Die Freestyle-Bewerbe in der Fis sind eine einzige Augenauswischerei. Die besten Freestyler fahren ihre eigenen Bewerbe und rennen selten bei Fis-Contests herum. Die, die nur den Weltcup fahren, sind Zweite-Klasse-Boarder. Alle guten amerikanischen Boarder siehst du das ganze Jahr nicht bei uns. Für die ist die Fis-WM in La Molina nicht so wichtig, die haben die X-Games Ende Jänner in Aspen. Wenn's um die Olympischen Spiele geht, fahren die eben einmal mit, um die nötigen Punkte für die Qualifikation zu sammeln.

Standard: Was für eine Wertigkeit hat für Sie WM-Gold?

Karl: Natürlich eine sehr große. Unsere Sportart ist eine Fis-Sportart. Die besten Renn-Snowboarder, die es auf der Welt gibt, fahren Fis-Weltcup. Da gibt's nichts anderes.

Standard: Sie waren im Vorjahr der einzige ÖSV-Athlet, der eine große Kristallkugel als Gesamtweltcupsieger überreicht bekommen hat. Bei der Wahl zu Österreichs Sportler des Jahres 2010 belegten Sie nur Rang fünf. Waren Sie enttäuscht?

Karl: Zu diesem Zeitpunkt schon, ehrlich gesagt. Es kann nicht sein, dass ein Felix Gottwald vor mir war. Der kann noch so viele WM- und Olympiamedaillen haben, es war die Sportlerwahl 2010 und nicht die Sportlerwahl 2000 bis 2010. Dass ich gegen Jürgen Melzer in der Weltsportart Tennis keine Chance habe, war mir aber schon klar.(David Krutzler, DER STANDARD Printausgabe, 17.1.2011)

Benjamin Karl (25) wuchs im niederösterreichischen Wilhelmsburg auf, lebt in Lienz. Karl hält bei zehn Weltcupsiegen. Bei den Olympischen Spielen 2010 gewann er Silber im Parallel-RTL, 2009 WM-Gold im Slalom.

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Posting 1 bis 25 von 27
1 2
bloháppátdurchdwöd
01
18.1.2011, 10:42
was regt er sich denn auf, der karl ...

er mag ja einer der besten seiner sportart sein ... es gibt allerdings nichts faderes und öderes, als den alpinboardern im tv zu zuschauen. das funzt einfach nicht, tut leid.

da war der "seniorenklub" spannender!!!

benjaminkarl
11
18.1.2011, 10:36
mal halblang leute

ich pisse sicher keinem sportler ans knie, das war und ist nicht meine absicht. vielmehr geht es um die leute die hinter so einer sportlerwahl sitzen und anscheinend nicht objektiv bewerten können.
ich will mich auch gar nicht mit schifahren vergleichen, es ist eher eine sportart die ich als vorbild sehe und als einen gradmesser und die mich immer wieder motiviert um für meinen sport zu kämpfen.
würde man uns mit dem bobsport oder rudersport in österreich vergleichen, würde man in den zeitungen immer nur hören wie gut es uns geht. gut das wir aber an den "erfolgreichsten" sportarten gemessen werden, so haben wir die möglichkeit auch unseren marktwert zu steigern.
übrigens, morgen habe ich WM im PGS mal sehen wieviele diesmal einschalten(-:

Bewegung ist gesund
00
18.1.2011, 05:46
Alpinsnowboarden ist seit 10 Jahren Tod

Die Leistungen des Benjamin Karl sind sicherlich gut und dürfen nicht in Abrede gestellt werden. Nichtsdestotrotz ist Alpinsnowboarden seit nunmehr 10 Jahren so gut wie ausgestorben. Der Grund ist die technologische Entwicklung im Softbereich (Schuhe, Bindungen, Boards). Leider sind die Strukturen der FIS und des ÖSV nicht flexibel genug um das zu erkennen bzw. haben Scheuklappen (nur die Medaillen zählen, solange wir welche machen, bleibt Alpinsnowboarden im Programm, egal ob es jemanden interessiert oder nicht) vor den Augen. Es gibt wesentlich attraktivere Snowboardbewerbe (Slopestyle) bei denen wir auch gute Fahrer haben. Eine Trainingsmöglichkeit Halfpipe wäre einmal ein guter Anfang, um Medaillen für Ö zu ermöglichen.

Aracan
00
19.1.2011, 09:34
Ja und nein

Alpinsnowboarden ist erstens nicht völlig ausgestorben. Zweitens hat es bei den Alpinsnowboards, teils auch bei den Bindungen (leider nicht bei den Schuhen) in den letzten Jahren ganz gewaltige technische Fortschritte gegeben.
Drittens ist Alpin nicht ausgestorben, weil die Fortschritte im Softbereich vom Himmel gefallen sind, sondern weil die großen Hersteller Alpin halt sterben lassen wollten, anstatt auch hier zu investieren.
Dass die Bewerbe für den Fernsehzuschauer nicht sonderlich attraktiv sind, steht auf einem andern Blatt. Abgesehen davon frage ich mich, welche Einschaltquoten Freestylebewerbe im Vergleich zu den wirklichen Knallern im Sport haben.

Bewegung ist gesund
00
19.1.2011, 10:39
leider nur ja

leider nur ja

darum habe ich auch geschrieben "so gut wie ausgestorben".
kein Hersteller würde einen Marktbereich fallen lassen, bei dem es eine entsprechende Nachfrage gibt. Da aber keine Nachfrage besteht, haben die Hersteller entsprechend reagiert.
@ Freestylebewerbe: Der Snowboard Halfpipe Bewerb hatte in den USA die höchsten Einschaltquoten ALLER olympischen Bewerbe!!
Daher müsste man das mit den Einschaltquoten bei den Freestylebewerben auch in Österreich einfach einmal versuchen.

Aracan
00
20.1.2011, 11:58
Den Marktbereich hat es ja gegeben.

Und vor 15 Jahrenhat er ein knappes Drittel des Gesamt-SB-Marktes ausgemacht, würde ich mal schätzen. Nur war es den Herstellern wohl zu aufwendig, zwei ganz verschiedene Segmente zu bedienen - verschieden im Hinblick auf Positionierung, Lifestyle-Potenzial, Herstellungsaufwand (besonders bei den Schuhen). Da hat man sich wohl einfach für das größere, billiger zu bedienende Segment entschieden und ja, einen bestehenden Markt fallen lassen. Wenn ein marktführender Hersteller den Alpinbereich aus seinen Werbemitteln praktisch komplett streicht, braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Käufer wegbleiben.
Meine Frage zu den Freestyle-Einschaltquoten bezog sich natürlich auf Österreich.

peter schmidt
 
00
18.1.2011, 01:08
Die Herde ist eben weitergezogen:)

zum Klettern, Kiten oder was auch immer. Oder man lässt einfach alles weg und kifft halt einfach mit Freunden.

Bewegung ist gesund
00
19.1.2011, 10:37
leider nur ja

darum habe ich auch geschrieben "so gut wie ausgestorben".
kein Hersteller würde einen Marktbereich fallen lassen, bei dem es eine entsprechende Nachfrage gibt. Da aber keine Nachfrage besteht, haben die Hersteller entsprechend reagiert.
@ Freestylebewerbe: Der Snowboard Halfpipe Bewerb hatte in den USA die höchsten Einschaltquoten ALLER olympischen Bewerbe!!
Daher müsste man das mit den Einschaltquoten bei den Freestylebewerben auch in Österreich einfach einmal versuchen.

Alles_Luegen
01
17.1.2011, 20:04

Als Snowboarden noch nicht zu dieser FIS gehörte, war die Begeisterung für diese Sportart bzw. für diese Snowboardrennen um Welten höher.

Michael Holzermayr2
00
17.1.2011, 16:24
Klar! Nordische und Biathlon-Boarder sind viel geiler!

mukl
42
17.1.2011, 10:42

Alpin-Snowboarden ist aber auch lächerlich. Ich binde mir die Beine zusammen, stell sie auf eine Kante und mach dann das selbe wie Skifahrer.

Snowboarden ist Freeride und Freestyle.

achiever
01
18.1.2011, 09:44

dank dem alpinsnowboard gibts heute carvingski... aber das richtige carvinggefühl kriegst nur mim alpinboard!

thomazz
00
17.1.2011, 11:38

du setzt dir aber ziemlich enge grenzen in deinem kopf, was du selbst zu mögen hast und was nicht. ist das die freiheit, von der im snowboard-lager gern geredet wird?
im moment ist das boarden in meiner gegend abseits der pisten nur bedingt spaß-fördernd. statt des freeride-brettls pack ich dann doch lieber das alpin-board oder die schi aus. und wenn du jetzt sagst, schifahren und alpin-boarden ist das gleiche, dann hast du eines davon noch nie gemacht.

mukl
10
17.1.2011, 12:03
ja, war schlecht geschrieben.

soll eh jeder fahren wie er will, jedem macht was anderes spass.

ich hab obige aussage nur auf die *bewerbe* und deren bedeutung bezogen. auch da soll ja jeder seins machen, nur braucht man sich mmn nicht über den stellenwert wundern.

findest du die alpin-bewerbe nicht langweilig?

hab zwar snowboarden noch nicht probiert, aber auch nicht behauptet, dass beides das gleiche ist. im gegenteil, gerade weil es so unterschiedlich ist, finde ich es auch unpassend, dass man ähnliche bewerbe fährt.

thomazz
00
17.1.2011, 13:43

na gut, ich hab mich gar nicht auf die übertragung der bewerbe bezogen. denen konnte ich auch noch nie etwas abgewinnen. spannend ist was anderes, da geb ich dir recht. wenn man selbst boardet, dann ist es zumindest interessant, das können der profis in relation zum eigenen können zu setzen. da staunt man dann doch immer wieder. aber wenn man gar nicht fährt, fällt das auch weg.

Aracan
00
17.1.2011, 13:21

Ja, das ist so ein Grundproblem beim Alpinboarden. Ein Alpiner auf der Piste, der's wirklich kann, ist ungefähr das Ästhetischste, das man an einem Schitag zu sehen bekommen kann.
Leider kommt das bei den Rennen kaum rüber (heute eh schon mehr als vor 5 Jahren, nicht zuletzt dank Fortschritten beim Material). Wer's schon selber probiert hat, ist tief beeindruckt, für die andern siehts einfach nicht gut aus.

Opawaldburger
00
18.1.2011, 09:11

Du liegst mit deiner Annahme leider etwas verkehrt! Das Problem, warum es manchmal einfach ungeschickt aussieht, liegt nicht am Material oder Können des Fahrers, sondern an den Gegebenheiten der Pisten. Leider geben sich manche Veranstalter wenig Mühe bei der Präperation oder wählen Hänge, die um Welten zu steil sind um darauf auch schön fahren zu können.

mukl
10
17.1.2011, 13:44

die boarder haben halt versucht auf einen fahrenden zug aufzuspringen - parallel-bewerbe sind ja keine erfindung der snowboarder - und das hat nicht funktioniert. mmn zu recht.
jetzt herumzusudern und sich mit etablierten sportarten zu vergleichen, find ich ein bisserl armseelig.
was ist zB mit den Seglern die ständig in der weltspitze sind? die werden *vielleicht* sportler des jahres, wenn sie olympia-sieger werden usw. usf.

Opawaldburger
00
18.1.2011, 09:12

Und wer hat die Parallel-Bewerbe dann erfunden? Beziehungsweise welcher fahrende Zug?

mukl
00
18.1.2011, 10:45

die ski-fahrer hatten eine "pro"-serie (bruder von hans knauss ist dort gefahren). in der wurden parallel-bewerbe gefahren.

re-play
00
17.1.2011, 08:44

Sch...FIS - mit aller Gewalt haben die sich die Sportart unter den Nagel gerissen, und jetzt interessieren sie sich nicht mehr dafür.

einkremser Winzer
01
17.1.2011, 06:36
Der Mann hat einfach Recht. Gottwald hin oder her.

Alles_Luegen
00
16.1.2011, 22:53

Wenn patzt er an? Gottwald?

ovejita
00
16.1.2011, 21:50

mit dem anpatzen der anderen macht er sich aber auch nicht gerade freunde.

Opawaldburger
00
18.1.2011, 09:15

Das ist ja wie in der Regierung! Lieber nix sagen bevor man den anderen verärgert. Kann ja wohl auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein.

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