Software gegen Cyberbullying birgt selbst Risiken

16. Jänner 2011, 12:30
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Nutzungsbedingungen der Tools gefährden oft die Privatsphäre

Immer mehr Unternehmen versprechen Eltern Hilfe beim Schutz ihrer Sprösslinge vor Risiken wie Cyberbullying in Form von Software, welche die Aktivitäten der Kinder in sozialen Netzwerken wie Facebook überwacht. Doch solche Produkte stellen of selbst ein großes Risiko für ihre Nutzer dar, warnt die US-Organisation School Safety Partners. Denn Anbieter sichern sich in den Nutzungsbedingungen teils umfassende Verwertungsrechte an überwachten Inhalten sicher oder das Recht, Daten ungefragt an Dritte weiterzugeben.

Zwar sind solche Dienst bisher vor allem in den USA verbreitet. "Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass es sich nur um ein US-Problem handelt", warnt Axel Schmiegelow, Vorsitzender der Fachgruppe Social Media im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). "Für diese verschiedenen rein privaten Anbieter sind noch keine Kontrollinstitutionen vorhanden. Man sollte als Elternteil deswegen ein wenig vorsichtig sein, wie bei jeder anderen Software auch."

Schutz mit Haken

Online-Belästigungen in Form von Cybermobbing oder Cyberbullying sind eines der größten Probleme, mit denen Kinder im sozialen Web konfrontiert sind. In den USA lockt beispielsweise SocialShield damit, dass seine Monitoring-Lösung für Kinder auf Facebook so nötig sei wie Antivirensoftware auf dem PC. Den Haken muss man nicht lange suchen. Damit SocialShield wirklich einschreitet, muss die Familie vorgeschlagene Änderungen an Privatsphäre- und anderen Einstellungen akzeptieren.

Die Fallgruben bei anderen Anbietern sind teils noch tiefer. Mit einer Passage in den Nutzungsbedingungen krallt sich der E-Mail-Überwachungsdienstes MouseMail kostenlos, dauerhaft und unwiderruflich das Recht zur Verwertung aller über den Dienst übertragenen Inhalte, was nicht unbedingt im Sinne des Schutzes der Privatsphäre ist. SafetyWeb wiederum nimmt sich das Recht, nach seinem alleinigem Ermessen Informationen über Nutzer an Behörden oder private Parteien weiterzuleiten, um beispielsweise die öffentliche Sicherheit oder Rechte Dritter zu schützen.

Europa ist nutzerfreundlicher

In Europa sind solche Schutzdienste noch nicht so verbreitet, zudem dürfte die Rechtslage Usern stärker entgegen kommen. "Solch weitreichende Geschäftsbedingungen, wie sie von einzelnen Anbietern in den USA vorgegeben werden, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem guten Teil im deutschen und europäischen Rechtsraum unwirksam", erklärt Schmiegelow.

Freilich orten Experten noch andere potenzielle Probleme bei derartiger Schutzsoftware. "Es besteht die Gefahr, dass sich Eltern in falscher Sicherheit wiegen", erklärt Bernhard Jungwirth, Projektkoordinator bei Saferinternet.at. Denn komplexe Phänomene wie Cyberbullying könnten technisch nur bedingt wirklich ans Licht gebracht werden. "Wir raten generell vom Weg der Überwachung ab, da dies das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kind empfindlich stören kann", betont er ferner. Sinnvoller ist eine aktive Medienerziehung.(pte)

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    Kind im Web: Schutzlösungen sind teils gefährlich

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