Österreich fand gegen Japan kein Mittel

15. Jänner 2011, 23:02
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30:33-Niederlage im zweiten Spiel bedeutete einen Dämpfer im Bemühen um den Aufstieg in die Zwischenrunde

Norrköping - Österreichs Handballer haben am Samstag bei der WM in Schweden eine böse Überraschung erlebt. Im zweiten Match der Gruppe B musste sich die ÖHB-Auswahl Außenseiter Japan mit 30:33 (11:18) geschlagen geben. Österreichs Ambitionen auf das Erreichen der Hauptrunde erhielten mit dieser Pleite einen gehörigen Dämpfer, drei Spiele vor Schluss ist die Chance auf den notwendigen Platz unter den ersten Drei aber noch intakt. Nach einem spielfreien Sonntag trifft die Truppe von Teamchef Magnus Andersson am Montag (19.10 Uhr) in Linköping auf Norwegen.

Nach dem 34:24-Auftakterfolg gegen die Brasilianer war wenig Zeit geblieben, um den Fokus auf Japan zu richten. Nach der Rückkehr aus Norrköping um etwa 1 Uhr waren in der Nacht im Teamhotel in Linköping vor allem die Videoschnitt-Beauftragten Erwin Gierlinger und Markus Rinnerthaler gefordert. Sie zerlegten das gesammelte Material aus dem ÖHB-Match gegen Brasilien sowie der Partie der Japaner gegen Norwegen in "Häppchen", die dann am Vormittag individuell angepasst an den Mann gebracht wurden.

Hektik, Passfehler und überhastete Würfe

Das konnte jedoch nichts daran ändern, dass das "etwas andere" Spiel der Japaner den Österreichern vom Anpfiff weg überhaupt nicht behagte, die mit der offensiven japanischen 3-2-1-Deckung nicht zurecht kamen. Hektik, Fehlpässe und überhastete Würfe prägten das Offensivspiel. Nach elf Minuten sah sich Teamchef Andersson zum ersten Timeout gezwungen, nach 13 Minuten führten die Japaner 9:5. Normalform erreichte lediglich Goalie Nikola Marinovic, der mit zwei parierten Siebenmetern in der Anfangsphase einen noch höheren Rückstand verhinderte.

Allerdings lief auch sein Gegenüber Masayuki Matsumura zu Hochform auf. Nach einem kurzen Zwischenhoch, in dem der Ausgleich zum 9:9 (18.) gelang, verloren die Österreicher schnell wieder den Anschluss. Die Japaner liefen einen Konter nach dem anderen und nach 30 Minuten schlichen die Österreich beim Stand von 11:18 in die Kabine.

Dort versuchte Andersson zu retten, was noch zu retten war. Der Schwede stellte in der Defensive auf eine 6-0-Variante um, in der Offensive fand Szilagyi besser ins Spiel. Bis zur 45. Minute kämpfe sich Österreich auf 20:23 heran, die Japaner leisteten sich aber keine wirkliche Schwächephase und spielten den Vorsprung hochmotiviert und mit teilweise spektakulären Toren nach Hause. Den "Man of the Match"-Preis heimste völlig verdient Japans Rückraum-Spieler Daisuke Miyazaki (8 Tore) ein.

Nach dem zweiten Spieltag in Gruppe B noch ungeschlagen ist Island, das sich beim 34:26 gegen Brasilien keine Blöße gab. Norwegen musste sich dagegen etwas überraschend Ungarn 23:26 geschlagen geben. (APA/red)

Gruppe B:

Japan - Österreich 33:30 (18:11)

Norrköping, Himmelstalundshallen, 1.000, SR Ramirez/Lopez (ESP)

Tore: Miyazaki 8, Kadoyama 5, Suematsu 5, Tomita 4, Toyoda 4, Takeda 2, Murakami 2, Higashinagahama 2, Kishigawa 1 bzw. Szilagyi 8, Wilczynski 5, Fölser 4, Weber 3, Friede 3, Wöss 3, Kainmüller 2, Bozovic 2

Spielverlauf: 0:1 (2.), 3:1 (5.), 9:5 (13.), 9:9 (18.), 15:9 (26.), 15:11 (28.), 18:11 (30.), 21:14 (38.), 23:20 (45.), 26:22 (48.), 30:26 (53.), 33:30 (60.)

Magnus Andersson (ÖHB-Teamchef): "Wir haben so unglaublich schlecht gespielt, ich bin super enttäuscht. Wir haben in Angriff und Abwehr so viele blöde und dumme Fehler gemacht. Es hat nichts funktioniert, wir sind von Beginn an unter Stress gewesen."

Roland Schlinger (ÖHB-Rückraumspieler): "Das ist unheimlich bitter. Es war ein Pech, dass wir uns nur so kurz auf das Spiel vorbereiten konnten. Das ist eine so unorthodoxe Mannschaft mit dieser offensiven Deckung. Schon Norwegen hat gegen sie viele Fehler gemacht, wir haben das getoppt. Es ist jetzt schwierig, aber es muss in die Köpfe rein, dass es nicht dieses Match sein wird, das am Ende entscheidend ist."

Viktor Szilagyi (ÖHB-Kapitän): "In der ersten Hälfte haben wir nicht mit genug Druck gespielt, der Wille hat gefehlt. Es waren sehr große Räume da, aber die Japaner sind sehr, sehr schnell. Die Chance auf den Aufstieg ist aber noch nicht weg. Das wird unter den europäischen Mannschaften ausgemacht."

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    Das Abwehrverhalten der Österreicher ließ zu wünschen übrig.

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