Verbalkrieg zwischen Ferrari und Red Bull eskaliert

15. Jänner 2011, 15:09
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Scuderia-Chef Montezemolo kritisiert Respektlosigkeit und "Menschen, die nicht wissen, wie man sich als Champion benimmt"

Mailand/Madonna di Campiglio - Der Verbalkrieg zwischen Ferrari und dem österreichischem Formel-1-Weltmeisterteam Red Bull Racing droht während der Winterpause zu eskalieren. Ferrari-Präsident Luca Montezemelo kritisierte nun mangelnden Respekt gegenüber dem erfolgreichsten Rennstall der Welt. "Ich sehe Menschen, die Weltmeisterschaften gewonnen haben, aber noch nicht wissen, wie man sich als Champion benimmt. Wenn sie einmal zehn Prozent von dem gewonnen haben, was wir erreicht haben, werden wir antworten!"

Montezemolo tätigte seine Aussagen beim "Wroom 2011", dem jährlichen Winterevent Ferraris in Madonna di Campiglio, das man heuer zusammen mit dem italienischen Motorrad-Hersteller Ducati durchführt. Der Ferrari-Boss erwähnte dabei Red Bull nie namentlich, die Zuordnung erschien aber eindeutig.

Abwerbungsversuche

Hintergrund dürfte sein, dass Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko unlängst in mehreren Zeitungen Ferrari vorgeworfen hatte, massive Abwerbungsversuche von Red-Bull-Technikern zu unternehmen und damit quasi zu versuchen, den ganzen Teamgeist von Red Bull abzuwerben. In der Tat hatte Neil Martin Red Bull in Richtung Ferrari verlassen, Marko hatte das aber als natürlichen und langfristigen Abgang bezeichnet. Montezemolo bestritt die Abwerbungsversuche, gab aber zu: "Wir brauchen bestimmte Experten. Dass das keine Italiener sind, ist für uns kein Problem."

Marko hatte zudem gemeint, Red-Bull-Fahrerweltmeister Sebastian Vettel wäre schlecht beraten, das Team schon bald Richtung Ferrari zu verlassen. "Nur für den Mythos Ferrari wird Sebastian uns nicht verlassen", betonte Marko damals. "Solange wir ihm ein Paket anbieten, das besser ist als andere, muss er nicht weg nur wegen einer Imagegeschichte." Vettel wäre gar "dumm" dies zu tun, solange der zweifache Ex-Weltmeister Fernando Alonso bei Ferrari fahre.

Montezemolo reagierte auch auf Gerüchte, wonach einige Teams inklusive Red Bull Racing in der vergangenen Saison das erlaubte Budget überschritten hätten. "Ich weiß nicht, ob das wahr ist. Ich weiß nur, dass ich Kosten sparen will und dies mit einer unkontrollierbaren Budgetobergrenze nicht möglich ist."

Schumacher kein Scherz

Für Montezemolo werden 2011 vier Rennställe um den Titel kämpfen, die kleinen Teams würden stärker werden, ist er überzeugt. Dass sein Spitzenpilot Alonso den bereits 43-jährigen Michael Schumacher als künftigen Hauptrivalen bezeichnet hatte, sei kein Scherz gewesen. "Ich denke nicht, dass Fernando einen Witz gemacht hat. Wer sonst als wir sollten die Qualitäten Michaels beurteilen können."

Eine abschließende Spitze gegen Red Bull konnte sich Montezemolo nicht verkneifen. Nachdem Alonso durch einen schweren Taktikfehler den WM-Titel im letzten Rennen an Vettel verloren hatte, würde er heute noch oft in der Nacht aufwachen und an dieses Rennen denken, erklärte Montezemolo. "Ich will hier nicht sagen, wer der beste Fahrer der Welt ist. Aber ich weiß, wer es ist." (APA)

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    Luca di Montezemolo mit seinem Nummer eins Piloten.

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