Klaus Kröll triumphiert am Lauberhorn

15. Jänner 2011, 13:56
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Dritter Weltcup-Sieg für den 30-jährigen Steirer, der in Wengen einen Schweizer Doppelsieg durch Cuche und Janka verhindert

Wengen - Erster ÖSV-Erfolg bei der klassischen Abfahrt von Wengen seit 2005: Der Steirer Klaus Kröll setzte sich am Samstag mit einer bis zum Ziel-S perfekten Fahrt vor den Schweizern Didier Cuche (0,14 Sekunden zurück), der zum dritten Mal auf diesem Rang landete, und Vorjahressieger Carlo Janka (0,39) durch. Zweitbester Österreicher wurde Romed Baumann als Sechster (1,28), Mario Scheiber landete auf Rang neun (1,70), Michael Walchhofer auf Platz elf (1,83).

Das befürchtete Startnummernrennen ist es nicht geworden, die Piste hielt dem Warmwettereinbruch stand und präsentierte sich im perfekten Zustand. Es siegte die Nummer 12 vor 21 und 16. Und die Abfahrt war auch erst entschieden, als Cuche bei strahlend schönem Wetter vor 35.000 Zuschauern ins Ziel gebrettert war. 56/100 Sekunden Rückstand hatte er bei der letzten Zwischenzeit noch, doch hatte Kröll das Ziel-S verhaut und dort ungefähr eine halbe Sekunde liegen gelassen, weshalb der 30-Jährige noch einmal gehörig zitterte, ehe er langsam an den dritten Weltcupsieg seiner Karriere glauben konnte. Bis auf 14 Hundertstel hatte Cuche aufgeholt.

Brüggli-S als Zünglein an der Waage

"Es war wirklich eine geile Fahrt und ein Superlauf bis auf das Ziel-S. Da habe ich einen Schlag erwischt und die Linie verloren, vier Zehntel hat mich das sicher gekostet", erzählte Kröll, der zuletzt in Bormio gestürzt war und eine Knieverletzung (Knochenprellung und eine leichte Einblutung) erlitten hatte. Das Rennen gewann er im Brüggli-S, eine Passage über die er nach dem Training noch brüten musste.

Am Samstag zog Kröll, der 2007 als Sechster sein zuvor bestes Ergebnis in Wengen erreicht hatte und 2010 als bester Österreicher Neunter war, dann mit der Höchstgeschwindigkeit von 109,7 km/h in die enge Passage mit Steilkurfen-Ausfahr. Cuche hatte diese Schlüsselstelle ebenfalls bravourös genommen, Janka hingegen machte ebenso wie Walchhofer Fehler.

Walchhofer nicht fehlerfrei

Dem Salzburger hatte in den vergangenen Tagen eine Erkältung zu schaffen gemacht, kämpfte aber trotz seines Fauxpas im oberen Teil bis zum Schluss . "Ich bin da fast stehengeblieben. Normal brauchst du da nicht weiterfahren, aber ich hatte das Rote Trikot an, da plagt man sich dann schon ins Ziel", meinte der zweifache Saisonsieger verärgert.

Groß war hingegen die Freude bei Baumann - wie Kröll ein Salomon-Pilot. "Sensationell ist das heute hier! Die Piste könnte nicht besser sein, relativ ruhig, da hatten wir es schon viel schlagiger. Im Ziel-S hatte ich nicht mehr die Kraft, aber ich habe das Beste daraus gemacht und den Schaden in Grenzen gehalten, denn da hat es ja schon welche niedergelegt", sagte der Tiroler, der vor dem Rennen "überzeugt" gewesen war, dass Österreich auch auf dem Lauberhorn "den Ton angeben" kann. Drei der vier Saisonabfahrten wurden von ÖSV-Läufern gewonnen.

Scheiber gegen den inneren Schweinehund

Österreichs Herren hatten seit 2005 (Walchhofer) auf einen Sieg und seit 2006 auf einen Podestplatz in der Lauberhornabfahrt gewartet. Sie vermasselten den Schweizern nach den Erfolgen von Didier Defago (2009) und Carlo Janka (2010) das Triple. Vor zwei Jahren hatte es das große Debakel gegeben, als Georg Streitberger als 18. bester ÖSV-Läufer geworden war. Daran erinnerte auch Mario Scheiber, als er die gute Mannschaftsleistung am Samstag ansprach. "Die Teamleistung ist nicht schlecht, einmal war der Beste ja hier 18. Klaus gönne ich das von ganzem Herzen."

Mit seiner Leistung war der Osttiroler ebenfalls zufrieden. "Ich habe mich voll überwinden müssen und während der Fahrt mit mir selbst geredet: 'Jetzt beißen, beißen!' Für mich ist das ein super Ergebnis, es ist gut, dass ich nach dem Ausfall von Bormio wieder gepunktet habe, es war ja doch eine leichte Unsicherheit da." Georg Streitberger wurde 16., Hans Grugger 17. und Joachim Puchner 22. Das Rennen war nach einem Sturz von Stephan Keppler längere Zeit unterbrochen, der Deutsche war aber bei Bewusstsein und wurde mit dem Akia abtransportiert.

Für den Deutschen ist die Saison damit vorbei. Er zog sich bei seinem Sturz einen Innenbandabriss im rechten Knie, eine linksseitige Sprunggelenksverletzung (Syndesmosebandabriss), Zahnschäden sowie eine Rissquetschwunde an der Oberlippe zugezogen. Der ebenfalls gestürzte Schwede Patrik Järbyn erlitt eine mittelschwere Gehirnerschütterung und bleibt über Nacht im Spital.

Im Gesamtweltcup führt weiter der Kroate Ivica Kostelic, der den zwölften Platz erreichte, mit 626 Punkten vor dem Norweger Aksel Lund Svindal (511) - 15. der Abfahrt. (APA/red)

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    Der Sieger geht aus dem Starthaus, im Hintergrund das obere Drittel der berüchtigten Eigernordwand.

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    Klaus Kröll am Silberhornsprung.

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