Melzer startet mit Selbstvertrauen

16. Jänner 2011, 10:42
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Sieg gegen Dawydenko beim Kooyong Classic - Nach neuer Vorbereitung zweite Melbourne-Woche als Ziel - Erstrundengegener Franzose Milliot

Melbourne - Mit einem 7:6,6:2-Erfolg über seinen "Stallkollegen" Nikolaj Dawydenko (RUS) hat sich Jürgen Melzer am Samstag beim Kooyong Classic nicht nur Platz drei bei diesem Einladungsturnier gesichert, sondern sich auch gut für die am Montag beginnenden Australian Open eingeschlagen. Melzer trifft in seinem Auftaktmatch am Dienstag auf den französischen Qualifikanten Vincent Millot. Nachdem auch Stefan Koubek in der Qualifikation ausgeschieden ist, ist Österreichs Sportler des Jahres der einzige ÖTV-Spieler im Herren-Einzel.

Während Roger Federer, Novak Djokovic oder auch Andy Murray im Vorfeld der Australian Open im Melbourne Park Pressekonferenzen gaben, holte sich Melzer rund 6 Kilometer entfernt im Vorort Kooyong, wo bis 1987 die Australian Open ausgetragen worden sind, noch einmal Selbstvertrauen. Bei hochsommerlichen Temperaturen egalisierte Melzer im ersten Satz einen 3:5-Rückstand, nach dem gewonnenen Tiebreak (7:3) hatte der Niederösterreicher das Match gegen den ebenfalls von Ronnie Leitgeb gemanagten Russen sicher im Griff.

"Ich bin echt zufrieden mit dem Match heute, im zweiten Satz ich gespielt und nicht er. Wenn du mit einem Dawydenko von hinten mitspielen kannst, dann gibt es nicht viele, bei denen du das nicht kannst. Ich fühle mich wohl und habe eine Supervorbereitung gehabt", resümierte Melzer im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur seine im Vergleich zu früheren Jahren doch völlig neue Vorbereitung. Anstelle eines oder mehrerer ATP-Turniere hat er sich nach früher Anreise in Melbourne schon lange akklimatisiert und spielte - abseits von Weltranglisten-Punkten und Preisgeld - erstmals das Einladungsturnier in Kooyong.

Nach tagelangem Zuwarten wegen anhaltenden Regens hat es dann innerhalb von zwei Tagen doch noch geklappt. Nach zwei kleinen Davis-Cup-"Generalproben" gegen Jo-Wilfried Tsonga und Gael Monfils am Freitag hat Melzer das Spiel um Platz drei gewonnen. Beide Franzosen haben Melzer übrigens versichert, dass sie beim Davis Cup Anfang März in Schwechat dabei sein werden, sofern sie fit sind.

"Am Anfang hat es so ausgesehen wie wenn es nach hinten los gehen würde, und ich vielleicht gar kein Match vor den Open spiele", gestand Melzer, den wie so viele das lange Warten auf Wetterbesserung genervt hatte. "Es ist sich dann zum Glück ausgegangen. Mit den drei Matches, die ich gespielt habe, bin ich eigentlich zufrieden."

Nach den zwei Einsätzen am Freitag hat er seinen linken Schlag-Ellbogen zwar wieder gespürt, allerdings in der gesamten Trainingswoche davor nicht. "Wenn es so bleibt, dann 'tausend Rosen', mit dem kann ich leben." Er hat sich auf der altehrwürdigen Anlage wohl gefühlt und sein Set-up für das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres beisammen. "Ich habe meinen Touch gefunden und heute ein ordentliches Match gespielt. Ich kann zuversichtlich in Richtung Grand Slam blicken."

Gut leben kann Melzer auch mit der Auslosung. Sein erster Gegner am Dienstag wird ein Qualifikant sein, den er natürlich genauso ernst nimmt wie jeden anderen Gegner. "Der ist fit, hat drei Matches gewonnen. Auf der einen Seite kann er müde sein, auf der anderen Seite wird er in ein Match gehen, in dem er wenig zu verlieren hat. Für die Qualifikanten ist es immer nett gegen einen von den höher Gesetzten zu spielen", sagte Melzer. Zwar habe der Qualifikant nichts zu verlieren, aber: "Ich bin gut genug drauf, - egal wer da jetzt kommt -, um den zu schlagen."

Als Pflicht sieht er das Erreichen des Achtelfinales - es wäre sein erstes in Melbourne, bei allen anderen Grand Slam-Turnieren hat Melzer es 2010 erstmals geschafft - nicht an. "Ich versuche, da kommt wieder die Phrase, von Match zu Match zu denken, aber es ist einfach so. Klar ist das Ziel für mich die zweite Woche, aber wenn alles nach Plan läuft, könnte ich in der dritten Runde gegen Baghdatis oder Del Potro spielen. Das sind beides Spieler gegen die man jeden Tag verlieren kann."

Melzer fühlt sich gut in Form, doch trotz ausgezeichneter Fitnesswerte gibt er eines offen zu: "Ich bin nicht der Hitze-Spieler, das ist das Einzige, womit ich hin und wieder Probleme habe. Unter den Bedingungen spielen wir zu Hause selten." Der Weltranglisten-Elfte, der in der rund 4 Mio.-Einwohner-Metropole erstmals in die Top Ten einziehen könnte, darf sich übrigens auch über eine Vertragsverlängerung seines Ausrüsters "adidas" (weitere vier Jahre) sowie über Neosponsor "Erste Bank" freuen. Mit dem heimischen Bankunternehmen wurde ebenfalls ein mehrjähriger Vertrag abgeschlossen. (APA)

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