Die allegorische Cyber-Ästhetik von "Tron: Evolution"

    15. Jänner 2011, 09:32
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    Wieder ein Nerd-Kult, der sich in den Mainstream katapultiert

    Wieder ein Nerd-Kult, der sich in den Mainstream katapultiert: Der Film Tron von 1982 erfand eine Cyber-Ästhetik, die nachhaltigen Einfluss auf zumindest jene Menschen ausübte, die schon damals mit der neuen Technik vertraut waren.

    Film und Spiel

    Der neue Film Tron: Legacy (ab 27. Jänner im Kino) und das Game Tron: Evolution (erscheint am 20. Jänner) bereiten suggestive Versatzstücke des inzwischen etablierten digitalen Zeitalters für eine weit größere Zielgruppe auf. Die Schwierigkeit, Handlung im Cyberspace anzusiedeln, wurde schon 1982 mit einem sehr alten Rezept bewältigt: der Allegorie.

    Mit Personifikationen von Programmen erwacht das Innere der Computer nun erneut zum Leben. Viren, Systemwächter und "isomorphe Logarithmen" in Menschengestalt und mit freiem Willen liefern sich einen Krieg mit "Light Discs", Motorrädern und Panzern in kohärenter Cyberästhetik. Stilecht wird die Spielfigur aus dem "Backup wiederhergestellt", wenn sie stirbt bzw. "desintegriert" wird.

    Als hätte sich Prince of Persia ins Innere eines Computers verirrt

    Die Ästhetik bleibt in Tron: Evolution das bestechende Element. Das durchgestylte Design einer Welt aus Lichteffekten und Spiegelungen bekleidet ein konventionelles Spielprinzip aus Sprung- und Kampfaction mit akrobatisch-eleganten Bewegungsabläufen. Als hätte sich Prince of Persia ins Innere eines Computers verirrt.

    Kleinere Unschärfen bei Steuerung und Kameraführung und wenig abwechslungsreiche Spielverläufe schmälern das Baden in der Techno-Ästhetik. Die Rennen mit den "Light Cycles", einer Attraktion mehrerer Tron-Games der letzten 30 Jahre, kommen im Story-Modus zu selten vor. Veteranen des gelungenen, kommerziell wenig erfolgreichen Spiels Tron 2.0 aus 2003 enttäuscht der neue Titel vielleicht. Immerhin: Die Multiplayer-Varianten bringen frischen Schwung in die Sache. (pum, DER STANDARD Printausgabe, 15. Jänner 2011)

    Disney, ab 6 Jahren, alle Plattformen, ca. € 30 (PC) bis € 60 (PS3)

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      Lichtmoped-Rennen stehen im neuen "Tron: Evolution" zu selten auf dem Programm.

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