Gegen die Schweizer Vormacht in Wengen

14. Jänner 2011, 23:17
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Erkranktem Walchhofer geht es deutlich besser - Seit 2005 kein Sieg mehr, seit 2006 kein Stockerlplatz

Wengen - Österreichs Herren warten seit 2005 auf einen Sieg und seit 2006 auf einen Podestplatz in der Lauberhornabfahrt und starten am Samstag den Angriff, um diese Kluft zu schließen. Die Schweizer hingegen wollen nach den Erfolgen von Didier Defago (2009) und Carlo Janka (2010) das Triple im prestigeträchtigen alpinen Ski-Weltcup-Rennen von Wengen perfekt machen und schicken allen voran Didier Cuche als Herausforderer des allerdings etwas erkälteten Michael Walchhofer und Co. ins Rennen.

Vor zwei Jahren war Georg Streitberger als 18. bester ÖSV-Läufer, im Vorjahr wurde diese Ehre den neuntplatzierten Klaus Kröll zu teil. Das jüngste Wengen-Debakel war einer der bittersten Momente in der Krisen-Saison, die Vorzeichen heuer sind jedoch um einiges besser, haben die ÖSV-Herren in bisher drei Rennen durch Walchhofer in Lake Louise und Bormio zwei Siege eingefahren, sowie mit Mario Scheiber in Kanada und Romed Baumann in Gröden zwei zweite Plätze verbucht. Mit Klaus Kröll (Vierter und Sechster) und Georg Streitberger (Fünfter) schafften es zwei weitere Athleten in die Top-Fünf.

Walchhofer locker

Walchhofer war vor sechs Jahren der letzte rot-weiß-rote Abfahrtssieger in Wengen, im Jahr darauf schaffte er es als Zweiter noch einmal auf das Stockerl, Fritz Strobl wurde Dritter. Seitdem führte für die Österreicher kein Weg mehr auf das Podest. Der Salzburger, der sich am Donnerstag mit Erkältungssymptomen herumschlug, am Freitag aber bereits wieder eine deutliche Besserung verspürte, sieht sich am Samstag nicht unter Erfolgsdruck. "Ich habe schon ein paar gute Resultate und brauche keinem Ergebnis mehr hinterherfahren", meinte der 35-jährige locker.

In den zwei Trainings hatte Walchhofer doch deutlichen Rückstand auf die jeweils Schnellsten Christof Innerhofer (Südtirol) und Didier Cuche, er meinte deshalb, "noch einiges tun zu müssen, um halbwegs vorne mitfahren" zu können. Trainingsbestzeiten zählen aber nur bedingt und bringen einen nicht unbedingt in eine angenehmere Lage. "Wenn du eine perfekte Fahrt runtergebracht hast, musst du die auch erst wieder zusammenbringen. Beide Situationen haben was für sich, meine Situation lässt natürlich auch hoffen. Als Sportler bist du aber sowieso immer der Meinung, dass du es hinbekommst."

Im wiedererstarkten österreichische Abfahrtsteam hängt nicht mehr alles nur noch von ein, zwei Fahrern ab - ein nicht unwichtiger Faktor für die Ausgangsposition. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass jeder auslässt", sagte etwa Walchhofer. Die meisten hatten nach den Trainings und für das Rennen aber noch kleinere oder größere Aufgaben zu lösen: "Das Brüggli-S muss ich ein bisserl taktisch fahren, so wie der Janka derfahre ich das nicht, da muss ich einen eigenen Weg finden", sagte etwa der Steirer Kröll, der 2007 als Sechster sein bestes Ergebnis in Wengen erreichte.

Kröll zuversichtlich

Was Kröll zuversichtlich macht, dass es mit einem rot-weiß-roten Erfolg klappen könnte? "In Bormio sind der Scheibsl und ich ausgefallen und es ist nicht großartig aufgefallen. Da können ein, zwei patzen und es gibt trotzdem andere, die um den Sieg mitfahren können." Der Osttiroler Scheiber hofft im Vorfeld auf Kitzbühel auf ein "gutes Ergebnis". Wengen zählt nicht zu seinen Lieblingsabfahrten, einmal wurde er abgewunken, einmal stürzte er, einmal legte er eine schlechte Fahrt hin, zählte er auf. Doch auch wenn er sich nicht zu den Sieganwärtern zähle, geht er auf den Sieg los. "Ich werde alles dafür geben. Bei der Länge muss man unten noch einmal alle Kräfte mobilisieren."

Baumann erlebte an seinem 25. Geburtstag in der Kombi-Abfahrt eine Schrecksekunde unterhalb der Minschkante, konnte mit Geschick einen Sturz aber vermeiden. Mit Hans Grugger, Georg Streitberger und Joachim Puchner komplettiert er das siebenköpfige österreichische Aufgebot. Für Grugger verlief die Saison noch nicht wunschgemäß (17., 23., 19.) . "Ich habe eine leichte Verunsicherung ins neue Jahr mitgenommen, es läuft nicht, es passieren zu viele Fehler. Da ist ein bisserl zu viel Krampf dabei." Er sei gerne in Wengen, wenn auch noch nie so richtig schnell gewesen. "Ich gehe davon aus, dass einer von uns aufs Stockerl kommt."

Ob die Österreicher nach mageren Wengen-Jahren zurückschlagen werden, oder Cuche für seine vielen Trainingsbestzeiten (2007, 2009, 2010, 2011) heuer mit dem ersten Sieg auf dem Lauberhorn belohnt wird, wird sich weisen. Mit zweiten Plätzen hat er bereits 2007 und 2008 Bekanntschaft gemacht, als er jeweils vom US-Amerikaner Bode Miller geschlagen worden war. "Es wird sicher ein sehr interessantes Rennen, das Niveau wird sehr hoch sein, für's Gewinnen braucht es einfach alles. Es ist kein Wunschkonzert, warten wir es ab", sagte der 36-jährige Cuche.

Bei einem Schweizer Abfahrts-Erfolg würde dem US-Triple von 2006 (Daron Rahlves) bis 2008 ein eidgenössisches (2009 bis 2011) folgen. (APA)

Österreichs Team für die Spezialabfahrt auf dem Lauberhorn am Samstag (12.30 Uhr): Mario Scheiber (T), Michael Walchhofer (S), Klaus Kröll (ST), Hans Grugger (S), Romed Baumann (T), Georg Streitberger (S), Joachim Puchner (S)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Walchhofer am Hundschopf.

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