Der wissbegierige Jimbo aus Alabama

14. Jänner 2011, 21:48
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Jimmy Wales ist Vater des Online-Lexikons Wikipedia

Mit seinen klaren blauen Augen und sorgfältig getrimmten Vollbart blickte Jimmy Wales in den vergangenen Wochen die Wikipedia-Nutzer bittend an. Zum zehnten Jubiläum der Online-Enzyklopädie bedankten sich 500.000 von ihnen bei ihm mit Spenden in Höhe von insgesamt zwölf Millionen Euro dafür, dass er im vergangenen Jahrzehnt eines der wohl spannendsten Projekte im sogenannten Mitmachweb aufgebaut hat: das Wissen dieser Welt für jedermann über das Internet zugänglich zu machen.

400 Millionen Menschen im Monat füllen hier ihre Wissenslücken. Tausende ehrenamtliche Autoren haben seit dem Start vor zehn Jahren, am 15. Jänner 2001, an 17 Millionen Artikeln in 270 Sprachen gearbeitet. 

Die Kommerzialisierung von Wikipedia hat Wales stets abgelehnt. Weil es nicht in seinen philantropischen Ansatz passe, der dem Wissen eine Schlüsselrolle bei der Menschenbildung zuweist. Auch wenn er einmal augenzwinkernd meinte, dass der Verzicht auf Online-Werbung entweder die dümmste oder die klügste Entscheidung seines Lebens gewesen sei. Die dümmste, weil ihm dadurch Millionen Dollar entgangen sind, die klügste, weil er dadurch seine Vision verwirklicht hat. 

Jimmy Wales (Spitznamen: Jimbo) kam am 7. August 1966 in Huntsville, Alabama, als Sohn eines Supermarktmanagers und einer Lehrerin zur Welt. Schon als kleiner Bub hatte er einen enormen Wissensdurst und schmökerte in (gedruckten) Nachschlagewerken wie der Britannica oder World Book Encyclopedia. Später studierte er Finanzwissenschaften.

Bevor er 500.000 Dollar investierte, um zuerst mit Nupedia und von 2001 an mit dem Folgeprojekt Wikipedia die Utopie von einer freien Enzyklopädie zu verwirklichen, war er als Genussscheinhändler und Internet-Unternehmer wohlhabend geworden. 

Auch wenn die Wikipedianer ihren Gründer verehren - alles durchgehen lassen sie ihm (ganz im Sinne eines demokratischen Netzwerks) nicht: Als 2005 herauskam, dass er seine eigene Biografie verschönte (indem er etwa die Erwähnung seines Ex-Partners Larry Sanger als Mitbegründer von Wikipedia löschte), brachte ihm das auch in der Gemeinschaft scharfe Kritik ein.

Kam er in seiner Zeit vor Wikipedia kaum über die Grenzen der USA hinaus, reist der Vater einer zehnjährigen Tochter heute einen Großteil des Jahres um den Globus, um für sein Projekt zu werben. (Karin Tzschentke/DER STANDARD, Printausgabe, 15./16.1.2011)

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    Jimmy Wales

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