Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
Leila Trabelsi sei "die meistgehasste Person Tunesiens", sagt die französische Autorin Catherine Graciet, Co-Autorin des auf Französisch erschienenen Buches "Die Regentin aus Karthago". Die aktuellen Proteste waren ursprünglich ökonomisch bedingt und hätten sich vor allem gegen die Jugendarbeitslosigkeit gerichtet, meint die Maghreb-Expertin im Gespräch mit dem Standard. "Zuletzt war der Aufstand aber vorwiegend politisch motiviert: Er richtete sich gegen Ben Ali, seine Frau Leila Trabelsi und ihren Herrscherclan", sagt Graciet.
Zine El Abidine Ben Ali habe noch vereinzelt Sympathien in Tunesien genossen, da er das Land vor sozialen und religiösen Wirren wie in Algerien verschont hatte. Die Trabelsis galten hingegen als Kleptokraten. Während Ben Ali alt und krank sei und sich nur noch für Sicherheits- und internationale Fragen interessiert habe, kontrollierten die Trabelsis die ganze Wirtschaft.
Leila Trabelsi (53) stammt aus einer einfachen Familie. Die Frisörin arbeitete sich in der tunesischen Gesellschaft rasch hoch. Ihren heutigen Gatten lernte sie gerüchteweise in einem Pariser Cabaret kennen, als er "erst" Geheimdienstchef war. Nachdem er sich 1987 unblutig an die Staatsspitze geputscht hatte, ließ er sich von seiner ersten Frau scheiden und heiratete seine Geliebte Leila.
"Damit begann die Schattenherrschaft der Trabelsis, die laut Wikileaks sogar von der US-Administration als ‚Fast-Mafia‘ bezeichnet wird" , sagt Graciet. Leila habe die meisten ihrer elf Schwestern und Brüder auf strategischen Wirtschaftsposten platziert. Und darüber hinaus eine ganze Reihe von Vertrauten. So wurde 2008 die Frau des damaligen Außenministers Abdelwahab Abdallah, Alya, Präsidentin der Banque de Tunisie - ohne das nötige Rüstzeug, dafür mit der Schützenhilfe des "Paten" Belhassen Trabelsi.
Gegen diesen Bruder Leilas richtete sich der Volkszorn ebenfalls, meint Graciet. Der Strippenzieher überwachte die Vergabe der meisten öffentlichen Aufträge. "Wer in Tunesien ein Bauvorhaben von über einer Million Euros hat, tut besser, einen Trabelsi zu kennen" , schätzt die französische Kennerin. Ganze Wirtschaftszweige wie etwa die Autoverkäufe seien in der Hand von Leila Trabelsi gewesen.
Graciet: "Sie war eine Kurtisane, bewährte sich als machiavellistische Intrigantin und herrschte über nahezu das ganze Land." Als ihr zum Beispiel in der Person des ebenso fintenreichen Geschäftsmann Sakher El Materi ein Konkurrent erwachsen sei, habe sie ihn flugs mit einer ihrer Töchter verheiratet. "Heute zählt El Materi zur Familie."
Die Präsidentengattin betätigte sich über ihre Stiftung Basma gerne humanitär und setzte sich auch für die Sache der arabischen Frau ein. "Das geschieht aber viel oberflächlicher als etwa das Engagement der jordanischen Königin Raina", schätzt Graciet. "Es geschieht eben nur zum eigenen Nutzen." Denn die tunesische Präsidentengattin hatte politische Ambitionen. Bei Wahlmeetings hielt sie Brandreden, und in den staatlichen Medien prangte neben Ben Alis Porträt das ihrige.
Nun haben die schwersten Revolten seit der Unabhängigkeit Tunesiens die Machtansprüche der Leila Trabelsi wohl zunichte gemacht. (Stefan Brändle aus Paris/DER STANDARD, Printausgabe, 15.1.2011)
Dutzende Verhaftungen und ein Toter bei Ausschreitungen nach Verbot einen Islamistenkongresses
Warnung auch für Tunis und alle Saharagebiete - Gewaltsame Zusammenstöße befürchtet
200 Menschen festgenommen - Kongress der Bewegung Ansar al-Sharia war zuvor untersagt worden
Einsatz von Polizei und Armee gilt 30 Verdächtigen
In der tunesischen Region Kasserine halten sich seit Wochen islamistische Gruppen, die "Al-Kaida im Maghreb" nahestehen, verschanzt
Mischung aus parlamentarischer und Präsidialverfassung geplant
Tanz- und Musik-Show gewaltsam beendet - Säkulare Gesellschaftsvertreter wiederholt im Visier von Islamisten
Chef der regierenden Ennahda will Koalition mit säkularen Parteien
Salafisten fordern Steinigung von Femen-Aktivistin, nachdem sie ein Foto ihres nackten Oberkörpers veröffentlichte
Junger Tunesier zündete sich selbst an: Schwer verletzt - Parallelen zu Mohammed Bouazizi
Einfluss der Ennahda in neuer Regierung gesunken - Parteilose in Schlüsselressorts
Präsident Marzouki beauftragte 57-Jährigen mit Regierungsbildung
Islamisten stellen mit Ali Larayedh weiterhin Premier - Schlüsselressorts gehen an Experten
Der Rücktritt von Hamadi Jebali als Tunesiens Ministerpräsident hat ihn nicht aus dem Spiel geworfen - im Gegenteil: Die regierenden Islamisten sehen in ihm nach wie vor einen Kandidaten, der die erforderliche Parlamentsmehrheit erhalten kann
Ali Larayedh will Einzelheiten am Freitag präsentieren
Außenminister deutet Zustimmung zu Expertenregierung an - Parteichef Ghannouchi fordert Beteiligung von Parteien
Nach Verdächtigem wird laut tunesischer Regierung gefahndet
Der Mord an dem Oppositionellen Chokri Belaid macht deutlich, dass ein Riss durch die in Tunesien regierende Ennahda-Partei geht. Premier Jebali versucht nun eine Kabinettsumbildung
Hamadi Jebali ist an der Bildung einer unabhängigen Expertenregierung gescheitert - Machtvakuum im Land
Bedingungen von Präsidentenpartei nicht erfüllt - Ministerpräsident drohte mit Rücktritt, wenn Expertenregierung nicht zustande kommt
Ministerpräsident Jebali spricht dennoch nicht von Rücktritt
Hardy Ostry vom Tuniser Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung zeigt sich von der zunehmenden Gewalt in Tunesien wenig überrascht
Protest gegen wegen Krise geplante Regierung aus Experten
Mehr als 50.000 Menschen nahmen am Freitag am Begräbnis des ermordeten tunesischen Oppositionellen Chokri Belaid teil
sich jemand zur "Meistgehaßten" entwickelt hat.
Hat irgendjemand vorher nach Regimechange gerufen, irgendwer von den bekannten Rufern, die in unserer Presse täglich zitiert werden?
Ehrlich gesagt, ich fuehle mich auch fehlinformiert von den Medien. Bislang war die Berichterstattung ueber das Regime, sagen wir einmal, vorsichtig positiv. Nichts von dem, was ich jetzt lese, habe ich je vorher gelesen. Gut, ich habe auch nie nach recherchiert. Aber genau das waere doch das Service, das Journalisten den LeserInnen erbringen sollten, oder? Ich kann nicht zu 193 Staaten der Welt nachrecherchieren, ob mir die Medien ein richtiges Bild vermitteln.
Gbagbo in der cote d'ivoire will nicht mehr das ganze land den franzosen zum fraß vorwerfen, deshalb wird über ihn so berichtet, wie es über regenten wie ben ali erfolgen sollte. nur sind die halt eher ausführend im sinne der westlichen groß- und mittelmächte.
vorsichtig positiv: ja weil er ein weichei-diktator war. Er ist schon nach einigen dutzend toten abgehauen.
In der gegend sind machthaber ueblich die aufstaende mit tausenden (teilweise zehntausenden toten (zb schwarzer spetember 1970)) nieder schlagen.
Du hast fast recht das du im detail fehlinformiert bist, richtiger waere uninformiert.
Um dem abzuhelfen: Die gestuerzte regierungs form und guenstlings wirtschaft ist mit einzelen ausnahmen bzw varianten in der region ueblich, die tunesische auspraegung war eine der weniger blutigen.
ja, das wird so langsam auch mein Eindruck. Schade, dass man den eigenen Medien nicht mehr vertrauen kann. Was Haider und Grasser betrifft, glaube ich, dass die geheimen Geldfluesse und Bestechungen wirklich nur einem kleinen Kreis an Eingeweihten bekannt war. Vielleicht lagen Journalisten hier vage Geruechte vor. Dass man da nix berichtet, versteh ich. Was Tunesien betrifft, duerfte das ja allgemein bekannt gewesen sein.
Damals war der Clan dem Westen noch nützlich. Jetzt ist es halt vorbei.
So geht es jedem, der mit dem Westen Geschäfte macht.
Solange er die Sache in der Kontrolle hat und dem Westen, vor allem USA und Israel Lakaie ist kann er sich alles erlauben.
Hier, dies ist ein sehr sehr deutliches Beispiel dafür!!!
Mfg
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.