Historische Wahrheiten und das Maß der Fehler

14. Jänner 2011, 19:48
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Wir sind mit einer Kraft ins neue Jahr gestartet, dass es eine Freude ist.

Wir sind mit einer Kraft ins neue Jahr gestartet, dass es eine Freude ist. Kein Stein bleibt auf dem anderen: In Wien wird möglicherweise ein Bahnhof verschoben, haben wir herausgefunden, und wir haben im Überschwang gleich die ganze Bahnlinie neu verlegt. Ob der Wiener Franz-Josefs-Bahnhof entlang des Donaukanals stromaufwärts rutscht oder nicht, die dort abfahrenden Züge sind nicht wie dargestellt nach St. Pölten unterwegs. Einst konnte man mit der Linie in die böhmischen Kurorte fahren, Prag konnte man erreichen, heute geht es über Tulln nach Gmünd. Auf direktem Weg kommt vom Franz-Josefs-Bahnhof aus niemand mehr nach St. Pölten. Alte Zeiten!, da erscheint eine wiederholte Klarstellung zur Geschichte der Bildungspolitik geboten. Maria Theresia hat die sechs-, jedoch nicht die achtklassige Grundschule eingeführt. Letzteres geschah erst 1869, und da die Regentin bereits 1780 starb, konnte sie weder diesen zweiten Meilenstein der Schulpolitik setzen, noch auch die Schlacht von Königgrätz im Jahr 1866 erleben und, wie beschrieben, aus dieser Niederlage den Schluss ziehen, Soldaten könnten besser schießen, wenn sie besser ausgebildet sind. Das blieb anderen überlassen.

Nicht mit allem, was man sich ausrechnen kann, kommen wir bekanntermaßen zum richtigen Ergebnis. Wenn wir uns also bemühen, die Abholzung unserer Erde fassbar zu machen, kann es geschehen, dass wir an der Größe des Werkes scheitern. Wir schrieben: „Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO werden jährlich 13 Millionen Hektar Wald vernichtet – das bedeutet einen täglichen Waldverlust in der Größe von 36 Fußballfeldern.“ Für viele ist ja ein Fußballfeld schon recht groß, wenn sie nur drüberlaufen müssen, in diesem Fall geht es aber um andere Dimensionen. Die jährlich abgeholzte Waldfläche entspricht der Größe Griechenlands. Heruntergebrochen auf die Größe von Fußballfeldern heißt das: Jede Minute verschwinden etwa 36 davon – das sind täglich fast 52.000 Fußballfelder.

Überraschenderweise wagen wir uns gelegentlich sogar über die Grundrechnungsarten hinaus. Im Artikel „Krebsnebel gibt Rätsel auf“ schrieben wir über Petaelektronenvolt, ein solches komme exakt 1015 eV gleich. Die Vorsilbe Peta steht für den Faktor Billiarde, ein Petaelektronenvolt entspricht also 1015 eV – ein gewisser Unterschied.

An dieser Stelle gerät eine weitere Messgröße in den Blick. Wir berichteten, dass im australischen Hochwassergebiet Queensland in 24 Stunden 340 Milliliter Regen gefallen seien. Auch wenn wir die Bezugsgröße Quadratmeter dazu ins Auge fassen, wäre das recht wenig – etwa der Inhalt eines Bierseidels. Gemessen wird tatsächlich in Millimetern, bezogen auf einen Quadratmeter Grundfläche entspricht ein Millimeter Niederschlag einem Liter Regen. Das Maß der hier beschriebenen Niederlagen: 93 Zeilen. (Otto Ranftl, Leserbeauftragter, DER STANDARD, Printausgabe, 15.1.2011)

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