Wohngespräch

Den Luxus soll uns einmal jemand nachmachen!

15. Jänner 2011, 16:19
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    foto: lisi specht

    Die meisten Möbel sind selbstgebaut, wie es sich für echte Wagensiedler gehört: Jacob Schaefer, Lena Siebert und Sohn Neo in ihrem Wohnwagen in der Lobau.

    (Foto: Lisi Specht)

Lena Siebert und Jacob Schaefer wohnen seit fünf Jahren auf Achse, seit dem Vorjahr auf dem Wagenplatz in der Lobau

Physikerin Lena Siebert und Möbeltischler Jacob Schaefer wohnen seit fünf Jahren auf Achse. Wojciech Czaja besuchte das Paar in seinem Wohnwagen in der Lobau. 

***

"Der Winter ist eigentlich gar nicht so schlimm. Das Problem im Innenraum ist nämlich nicht die Kälte, sondern die Hitze! Unser Wagen ist ganz gut gedämmt. Und da der Holzofen für viel größere Räume dimensioniert ist, ist die Temperatur im Wagen manchmal schon ziemlich romantisch. Angelaufene Fensterscheiben gehören zum Alltag in der kalten Jahreszeit.

Wenn wir aus dem Wagen rausmüssen, ziehen wir uns schnell was Warmes über. Auch kein Problem. Der Sanitärwagen steht nur ein paar Schritte entfernt. In einem Raum gibt es Dusche und Waschmaschine, in einem anderen Raum gibt es WC und Bidet. Das ist ein Luxus, den uns einmal jemand nachmachen soll! Der WC-Wagen ist überhaupt super. Großes Panoramafenster und Ausblick in die Natur.

Aber natürlich ist das Leben im Sommer viel angenehmer. Meistens stehen die Türen dann tagelang offen, und wir sitzen bis tief in die Nacht im Freien, essen, trinken, feiern und unterhalten uns mit unseren Freunden. Bei schönem Wetter hat man hier überhaupt das Gefühl, direkt unter freiem Himmel zu wohnen.

Derzeit sind es rund 20 Leute, die hier auf dem Lobauer Wagenplatz leben. Die Hintergründe sind sehr unterschiedlich. Es gibt Studenten, Automechaniker, Sozialarbeiterinnen, bunt gemischt. Der eine ist Möbeltischler und Dekorationsbauer, die andere arbeitet als Physikerin im Krankenhaus. Die Stimmung zwischen all den Leuten ist sehr gut.

Der einzige Nachteil hier in den Donauauen sind die Moskitos. Die sind ein Wahnsinn! Wir haben Moskito-Netze eingebaut, sprühen uns in chemische Wolken, was bei den Mutanten aber sowieso kaum was nützt, und sitzen dann unter aufgespannten Zelten - oder im Kapuzenpulli bei 30 Grad im Schatten.

In den letzten fünf Jahren sind wir mit unserem Wagen schon fünfmal umgezogen. Es wird nie fad. Bis zum Sommer haben wir im zweiten Bezirk in der Hafenzufahrtsstraße gewohnt, draußen in Richtung Containerhafen. Nun sind wir seit ein paar Monaten in den Donauauen zu Hause, mitten in der Lobau.

Wir haben um den Platz jahrelang verhandelt. Bis es zum endgültigen Mietvertrag gekommen ist, war es ein langwieriger und zäher Prozess. Das Witzige ist, dass unser Wagen laut Bauordnung ein Gebäude ist. In der Bauordnung steht sinngemäß drinnen: Dadurch, dass so ein Wagen durch sein Gewicht mit dem Boden verbunden ist, gilt er als Bauwerk. Das heißt: In dem Moment, wo wir den Wagen irgendwo fix parken, errichten wir - juristisch betrachtet - einen Neubau, für den wir auch eine Baugenehmigung brauchen. Und wenn wir wegziehen, brechen wir den Neubau wieder ab. Dafür brauchen wir dann einen Abbruchbescheid. Schon lustig das Ganze!

Unser Wagen ist rund 8,5 Meter lang und 2,5 Meter breit. Es ist erstaunlich, wie viel man auf so einer Fläche unterkriegt. Das ist ein Einraum für alles. Die meisten Möbel sind natürlich selbstgebaut, so wie sich das für einen echten Wagensiedler gehört. Der Rest ist wild zusammengewürfelt. Wir haben Möbel aus diversen Lagern und Secondhand-Läden. Das eine oder andere haben wir auch im Internet ersteigert.

Die Fünfzigerjahre-Kredenz in der Küche etwa haben wir erst seit kurzem. Die haben wir saniert und neu gestrichen. Das Bett liegt etwas erhöht auf einer Art Podest, sodass man darunter noch stehen kann. Stauraum haben wir eigentlich auch genug. Generell unterscheidet sich das Leben von dem in einer Wohnung dadurch, dass man reduzierter wohnen und mit dem Platz etwas sorgfältiger und effizienter umgehen muss. Aber da sind wir schon gut in Übung.

In Summe sind wir mit unserem Leben hier sehr glücklich. Manchmal ist es etwas eng. Wenn wir älter sind, würden wir gerne mal auf einem Hausboot wohnen. Ja, das wäre unser Traum für die Zukunft." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15./16.1.2011)

JACOB SCHAEFER, geboren 1981 in Wien, war früher als Techniker in der Filmbranche tätig und ist heute Möbeltischler und Dekorationsbauer. LENA SIEBERT, geboren 1982 ebenfalls in Wien, studierte technische Physik und arbeitet am Sozialmedizinischen Zentrum Ost in Wien. Derzeit ist sie in Mutterschutz. Der gemeinsame Sohn Neo ist vor drei Monaten auf die Welt gekommen. Jacob und Lena leben seit rund fünf Jahren auf Achse. Auf dem Wagenplatz in der Lobau wohnen sie seit Sommer 2010.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 131
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fuchstritt
00
13.2.2011, 19:52

das arme kind

valtheWU
00
31.1.2011, 12:36
die erste nicht ultra-konsi-story hier.

Briefmarkenkleber
00
20.1.2011, 10:36
Alter Hut

Wann ist es genug mit dem Unsinn?

Seriöser Hütchenspieler
02
20.1.2011, 07:20
*gähn*

Fad, diese Gammler-Geschichten.

Mirstetta Toni
20
18.1.2011, 17:43

und?

parapente
04
18.1.2011, 16:08
Luxus

stell ich mir anders vor als im abgewrackten Bauwagen.

Aber das ist Ansichtssache!

Mariedl
02
18.1.2011, 13:00

lieb :-)

Economy Showdown
00
18.1.2011, 07:42
Ich hab mir das auch schon überlegt.

Einen alten Bus von den Wiener Linien, jede Menge Inspiration, Holz und Metall und fertig ist das Eigenheim. Ein abgelegenes Waldgrundstück kaufen und die Zivilisation kann mich kreuzweise. :-)

Lorenzo von Matterhorn
 
18
18.1.2011, 06:18

ein bissi was von dreistigkeit hats schon...
"den luxus soll uns mal jemand nachmachen",... aber geh,... echt ein kunststück... normal bis gutbezahlte jobs zu haben und einen "schaß" für eigene fläche zahlen,... natürlich lebt sichs da besser, als zu zweit oder mit kindern in einer knapp 50qm kleinen wohnung, wofür mehr als das gehalt draufgeht,...

aber wehe, es droht wieder wickel, ... dann wird wieder auf das "recht" gepocht,...

coolio
00
18.1.2011, 12:49
ich glaub mit dem luxus

war das bidet gemeint. vergessens nicht, die träumen vom hausboot, während das für viele erarbeitete realität geworden ist.

kiwi99
21
18.1.2011, 08:42

Ihnen kann mans doch wirklich nicht recht machen.

Lorenzo von Matterhorn
 
01
18.1.2011, 06:26

wofür mehr als das halbe gehalt, solls heißen

jeff5
01
18.1.2011, 07:00
für solche leute gibt es nur das eigene empfinden.

der normalo soll gefälligst ein grundstück finanzieren und den mund halten.

Experte für eeh alles
02
17.1.2011, 22:52

Region: Wien 11.,Simmering
Grundfläche: 360 m²
Kaufpreis: 149.000,- EUR

Die Damen und Herren in ihren schmucken Wägen scheinen recht betucht zu sein.

Mostbluzza1
13
17.1.2011, 21:39
Bekommt man jetzt im Nationalpark und Naturschutzgebiet Baubewilligungen?

Ich möchte auch so ein Grundstück zu gleichen Konditionen und dort eine Baubewilligung.

oiso
22
18.1.2011, 00:53

dödelei! dort gibts hunderte einfamilienhäuser und eben auch einen wagenplatz und der nationalpark ist ein stückerl weiter weg.

politisch verfolgt
07
17.1.2011, 16:59
könnten die wagenplatz-typen

bitte aufhören, fremdes eigentum wie hauswände oder elektrokästen mit ihren plakaten und sprüchen zuzusauen bzw. dafür sorge tragen, daß diese schmierereien wieder entfernt werden?
das wäre nett und würde zu dem image "wir wollen nur in ruhe und frieden leben", das sie sich zu geben so bemüht sind, besser passen.

Guy Montag
08
17.1.2011, 16:28
danke für das beschmieren des stadtbahnpavillons

station margaretengürtel mit euren pubertären botschaften.

wenn alle so denken würden wäre ein zusammenleben in wien eben nicht möglich.

chg4711
03
17.1.2011, 16:01
200 Jahre Fortschritt - für die Katz !

sally
21
17.1.2011, 15:22
Und genau wegen solchen Beiträgen

liebe ich meinen Standard. ;-))

Kra Wuzikabuzi
011
17.1.2011, 14:42
anscheinend wohnt jemand aus der redaktion dort.

sonst gäbs nicht alle 3 tage hier einen artikel über die leute...

lang leben die Ba/äuer(n)InnenbündlerInnen
20
17.1.2011, 13:47
ich finde das irgendwie ziemlich cool

wo genau in der lobau stehen die bzw. kann man da als nicht wagensiedler mal auf ein bier vorbeischauen?

coolio
44
17.1.2011, 13:12
vagabunden halt

ich sehe keine innovation, die das ganze in ein anderes licht rücken könnte. ich sehe auch keine kreativität oder eine besondere sichtweise dahinter. einfach schnorrig halt. mir wärs allerdings auch egal ob die stadt wien solche leute unterstützt oder nicht. ein allgemeingültiges gesetz für ALLE wird sich daraus sowieso nicht ergeben. und die extrawürstel der stadtregierung sind mir blunzn. machen ja sowieso was sie wollen.

Nulldrei
43
17.1.2011, 12:36
Ich freue mich, dass die Leute im schönsten Teil von Wien wohnen dürfen so wie sie gerne wollen.

Die Stadt Wien zeigt damit Größe gegenüber Menschen die nicht so leben wollen wie wir es tun. Es würde manchen Postern sehr gut tun auch einmal so zu leben!

Otto Normalverraucher
411
17.1.2011, 12:43

Nur sollten's nicht zu viele werden, denn sonst ist Wien bald pleite! Ein paar "Zwergerln" müssen schon noch ins System einzahlen, damit es den Selbstverwirklichern gut geht.

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