AMS geht neue Wege

Per Mausklick zum Arbeitslosengeld

Günther Oswald und Johanna Ruzicka , 14. Jänner 2011, 19:08

Das Arbeitsmarktservice bietet ab sofort viele Leistungen online an. Personal soll aber nicht eingespart werden - auch weil die Arbeitslosenzahl hoch bleibt

Wien - Für Bauarbeiter oder Mitarbeiter in Tourismusbetrieben war es jedes Jahr dasselbe. Sie mussten, um außerhalb der Saison Arbeitslosengeld beziehen zu können, persönlich zum Arbeitsmarktservice (AMS) marschieren. Auch wenn es eine Wiedereinstellungszusage gab, ließ sich das nicht vermeiden.

Künftig soll das einfacher gehen. Das AMS bietet ab sofort zahlreiche Leistungen auch online an. Jeder kann sich ein elektronisches AMS-Konto anlegen. "Wir lagern die Administration an die Kunden aus", sagt AMS-Vorstand Herbert Buchinger. Eingerichtet werden kann das Konto über Finanzonline, die Plattform für die elektronische Steuererklärung. 2,5 Millionen Österreicher sind dort bereits registriert. Wer es noch nicht ist, muss doch wieder persönlich zum AMS und kann dort das Konto eröffnen.

Somit ist es möglich, Anträge auf Arbeitslosengeld, Terminvereinbarungen mit dem AMS-Berater, Förderanträge, aber auch Jobangebote per Mausklick abzuwickeln (nicht aber die Mindestsicherung). Hatte man ein Vorstellungsgespräch bei einer Firma, kann diese den Termin ebenfalls online bestätigen.

Mehr Arbeitslose

Die AMS-Mitarbeiter sollen so mehr Zeit für betreuungsintensive Arbeitslose bekommen, meint der zweite AMS-Vorstand Johannes Kopf. Ganz ohne Kontakt zum Betreuer wird es freilich auch künftig nicht gehen. Liegt keine Wiedereinstellungszusage vor und der Betroffene macht sich keinen Termin aus, wird der Betreuer von sich aus aktiv.

In den Vorbildländern Schweden und Belgien werden bereits 40 Prozent der Arbeitslosen-Anträge elektronisch abgewickelt. Auf konkrete Zielwerte für Österreich wollte sich Kopf nicht festlegen. Wohl auch, weil die volle Umsetzung noch nicht in allen Bundesländern gesichert ist. Das könne noch einige Monate dauern, heißt es. Gut aufgestellt seien Oberösterreich und Salzburg.

Personal soll trotz der neuen Online-Angebote nicht abgebaut werden. "Das war Grundvoraussetzung, damit wir zugestimmt haben", sagt AMS-Zentralbetriebsrat Heinz Rammel. Derzeit gibt es österreichweit 4865 Planstellen. Rammel sieht aber auch für die kommenden Jahre "keinen Veränderungsbedarf". Man werde das Projekt jedenfalls "sehr genau und kritisch begleiten".

Die Lage am Arbeitsmarkt bleibt jedenfalls noch länger angespannt. Im letzten halben Jahr gab es zwar rückläufige Zahlen. Wegen der Ostöffnung ab 1. Mai und des verstärkten Andrangs von Frauen und Jugendlichen erwartet das AMS heuer und nächstes Jahr aber wieder einen leichten Anstieg an Arbeitslosen. Erst 2013 (minus 12.900) und 2014 (minus 16.500) werden deutlich rückläufige Zahlen erwartet.

Jobs für behinderte Menschen

Auch die Jobbörse für Menschen mit Behinderungen, Career Moves, baut seine Internetpräsenz aus. Der Bedarf, zwischen Unternehmen und behinderten Menschen zu vermitteln, sei hoch, erläutert Gregor Demblin von Career Moves. Schließlich wurde mit Jahreswechsel die Ausgleichstaxe, die zu zahlen ist, wenn eine Firma nicht ausreichend Menschen mit Behinderung anstellt, erhöht - und im Gegenzug der Kündigungsschutz aufgeweicht. Damit, erläutert Günther Schuster, Leiter des Bundessozialamts, falle seit heuer ein wichtiges Einstellungshemmnis weg. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15./16.1.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 119
1 2 3
Ruth Schlabbeeritzka-Pangl
22
17.1.2011, 07:32
"Wegen der Ostöffnung ab 1. Mai und des verstärkten Andrangs von Frauen und Jugendlichen erwartet das AMS heuer und nächstes Jahr aber wieder einen leichten Anstieg an Arbeitslosen"

Ah, da schau her! Die "Experten" haben uns doch versichert, dass so etwas nicht passieren wird! Die nächste Lüge im Zusammenhang mit der EU, nach der Tausender-Lüge der Gitti E. und der Sparbuch-Anonymitätslüge des Franz V. ("persönliche Garanie", eh scho' wissen). Und dann wundert man sich, dass die Akzeptanz für die EU in der Bevölkerung so gering ist...

Voestler
00
17.1.2011, 11:05
Wir werden künftig Arbeitskräfte dringend brauchen.

Ihre Menatalität der Abschottung führt dazu, dass qualifizierte AusländerInnen in andere Länder gehen.

Voestler
00
17.1.2011, 11:04
Und wieviele Ö arbeiten im Ausland?

Wieviele Arbeitsplätze werden in Ö erhalten, weil es den freien Warenverkehr gibt?

Wo generieren die österr. Banken ihre Gewinne?
Wo liegt ein Wachstumsmarkt für unsere Betriebe?

Die EU ist kein Selbstbedienungsladen.

macindd
02
17.1.2011, 07:24
Das AMS kann man eigentlich auflösen.

Meiner Erfahrung nach gibts da ziemlich unverschämte "Berater", die ihre Klienten von oben herab behandeln. Denunziation seitens der Unternehmen ist Tür und Tor geöffnet und wer einen Job ablehnt, wird gleich einmal "bestraft". Der Zweck des AMS ist insofern auch nicht die Vermittlung oder Betreuung Arbeitsloser, sondern vor allem, sie mit Bedrohung und Bestrafung zur Aufnahme der erstbesten Tätigkeit zu zwingen. Die vermittelten Jobs sind zudem meist schon seit Wochen vergeben oder inadäquat, man muss aber trotzdem hinlatschen und sich den dämlichen Stempel fürs AMS holen. Denn sonst droht wieder Bestrafung.

Das AMS sollte daher auf eine reine Antragsstelle reduziert werden, 90% der Mitarbeiter (Kosten!) sind verzichtbar.

rasa man
016
16.1.2011, 15:40
superbeispiel: Personal soll trotz der neuen Online-Angebote nicht abgebaut werden. "Das war Grundvoraussetzung, damit wir zugestimmt haben"

genau aus diesem grunde wird es in ö nie eine kostensparende verwaltungsreform geben. die noch so unnötigen politfreunde im unter- wie auch oberbau machen die mauer und wir düfen die nepochanten auch noch finanzieren.
wenn wir, normal arbeitenden menschen dafür einmal in not geraten, die arbeit verlieren, sind wir dieser diletantischen macht ausgeliefert. keine ahnung vom privatwirschaftlichen Arbeiten, von zahlreichen berufen, keine zwischenmenschlichen umgangsformen, sondern meist gähnende leere zwischen den ohren...und eine sinnlose statistik auf dem schreibtisch.

Voestler
00
17.1.2011, 11:00
Stimmt grundsätzlich.

Wenn je KundIn nur 15 min. alle 4 Wochen Zeit zur verfügung steht und je MA 250 K. zu betreuen sind stellt sich diese Frage für das AMS nicht.

Es braucht mehr Zeit für die K-Betreuung.

locken
00
16.1.2011, 15:17
Bravo da bleibt mehr Zeit zum Pfuschen,sehr gut durchdacht !!

h 90
00
17.1.2011, 03:16

und der AMS Angestellte wird nicht vom wohlverdienten Bueroschlaf aufgeweckt.
Perfekte Loesung.

Economy Showdown
06
16.1.2011, 16:32
Und als was sollte eine AMS-Angestellter denn...

..bitte Pfuschen?

Es gibt nicht soviel offene Stellen als inkompetenter, frustrierter Zwiderwurz in der Privatwirtschaft!

ulli zeller
00
16.1.2011, 21:45

gemeint war wahrscheinlich der arbeitsuchende - der erspart sich durchs Internet die Wegzeit zum AMS

Gerhard Polak
02
16.1.2011, 22:53
Zusatzzeile für die Bundeshymne: ... begnadet für das Blöde

Die beiden ersten Sätze oben können nur von einem gelernten Österreicher sein: Für Bauarbeiter oder Mitarbeiter in Tourismusbetrieben war es jedes Jahr dasselbe.Sie mussten, um außerhalb der Saison Arbeitslosengeld beziehen zu können, persönlich zum Arbeitsmarktservice (AMS) marschieren.

Moment, Tourismus ist 365 Tage im Jahr. Und Moment: es kann 365 Tage im Jahr gebaut werden. Weil Innen und (witterungsbezogen angepaßt) Aussen 365 Tage im Jahr gebaut werden kann! Eine Verwaltungsreform wird blockiert und mit einer offenen Frechheit sondergleichen die Saisonarbeitslose legitimiert. Damit ist amtlich , dass Ineffizienzen und Inmobilität von Branchen sozialisiert werden und vom AMS mit www nicht mal mehr aktiv verwaltet werden will.

Hefeweizerlbier
00
17.1.2011, 09:16

Tourismus ist nicht 365 Tage im Jahr. Z.B. in Monaten wie November ist gar nichts.
Schiorte wie das Kühtai sind den Sommer über komplett verwaist. Angefangen vom Postamt hat da alles zu.
Auch im Bau kann nicht durchgehend gearbeitet werden. Viele Materialien können bei Frost nicht verarbeitet werden bzw. die Qualität würde stark darunter leiden.

Gerhard Polak
00
17.1.2011, 12:58
Wenn man es ändern will, kann man es

durch Ausgleich von Überstunden, Urlaubsabbau, Begleitende Schulung zur Qualifizerung können Saisonen verlängert werden.

Wenn die saisonale zur strukturellen Arbeitslosigkeit wird, weil es war eh immer so, dass im Sommer (Winter) angestellt gearbeitet wird und dann lässt man (AMS) verwalten, ist das doch fragwürdig.

Deshalb lasse ich ihr Kühtai - Beispiel oder es ist kalt am Bau nicht gelten, solange nicht über den berühmten Tellerrand gedacht wird.

leser 4712
12
16.1.2011, 15:07
super

dann wird es nämlich noch leichter, bezüge zu streichen - weil ein nicht-erfahrener computeranwender den einen oder anderen antrag fehlerhaft übermittelt hat.

M Ivan Undso
04
16.1.2011, 14:36
wird da überprüft ob die ip aus at kommt???

Voestler
00
17.1.2011, 10:58
Ist letztlich ja egal,

ob jemand zuvor den Antrag abgibt und am nächsten Tag in den Urlaub fliegt oder den Antrag gleich von dort aus stellt, oder?

Im November gibt es kaum Stellen im Gastgewerbe.
Falls ja, wird vermittelt werden. Ist der Arbeitslose nicht da wird es eine Sperre geben.

Problem?

Ulrich Nagel
10
16.1.2011, 15:06

Wenn es eine Wiedereinstellungszusage gibt, ist es doch egal wo der Arbeitslose ist. Er ist ja nicht vermittlungsbeduerftig.

Werner J. Haider
01
16.1.2011, 12:15
Die Mensch-Maschine

Ich liebe das AMS. Das AMS ist die Zukunft der Nation! So lange die Arbeitslosigkeit steigt (und das tut sie ständig), werden die dort beschäftigten immer mächtiger. Man sollte diese Maschinerie aus der Verwaltung direkt in die Politik hieven.

In absoluten Zahlen gibt es mehr Arbeitslose als die stärkste Partei Stimmen bei bundesweiten Wahlen erhält...

"Ich wähle AMS, denn andere Parteien erhalten nur sich selbst."

Quasis Herr Karl
14
16.1.2011, 11:05
AMS

AllgemeinmittelloserSklavenmarkt.

chg4711
112
16.1.2011, 06:20
Interessiert mich:

Welche Qualifikation haben eigentlich die AMS Betreuer ?
Habe nämlich die Erfahrung gemacht, daß die Dame amArbeitsamt absolut nichts über meinen Beruf und meine Branche wusste.

Voestler
10
17.1.2011, 10:56
Welcher Mensch kennt sämtliche Berufe und Branchen im Detail?

Nachdem Sie Ihre Branche sehr gut kenne, werden Sie ja die Unterstützung des AMS ja nur für die Versicherungsleistung brauchen, oder?

leser 4712
00
16.1.2011, 15:00
wahrscheinlich

war die dame eine ordentlich angezogene arbeitslose, die sie dann in die 6monatige "ausbildung" nach oö geschickt haben....

rafaelo 3
11
16.1.2011, 14:24

richtig,ist mir ähnlich gegangen,aber nicht bei einer dame sondern beim ganzen ams ist es so.!!

florus flagrantius
02
16.1.2011, 10:50
in graz haben sehr viele ams berater ein abgeschlossenes studium.

::

ranchorelaxo
01
16.1.2011, 18:47

also wurden die arbeitslosen akademiker erfolgreich vermittelt?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 119
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.