Sanieren - vom Dach bis zur Heizung

17. Jänner 2011, 16:14
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Wann eine thermische Sanierung sinnvoll ist, womit man am besten anfängt und was es zu beachten gilt, damit der gewünschte Einsparungseffekt nicht ausbleibt

Eine thermische Sanierung kostet zwar Geld, wirkt sich aber wertsteigernd auf das Gebäude aus und schont die Umwelt. Nachhaltig vor allem aber auch die Geldbörse, denn bei besser gedämmten Wänden sinkt automatisch der Energieverbrauch.

Einfach mal so drauflos zu werkeln hat aber wenig Sinn und kann viel Schaden anrichten. derStandard.at hat daher nachgefragt, wie man erkennt, wann eine Sanierung des Eigenheims vernünftig ist und was man dabei berücksichtigen sollte.

Ein Anzeichen für eine anstehende Sanierung kann die Energiekostenrechnung liefern, wenn darin ersichtlich ist, dass der Verbrauch und damit die Kosten ansteigen. "Wir empfehlen daher, die Rechnung wirklich im Auge zu behalten und eine Art Energiekosten-Buchhaltung zu führen", sagt Alexandra Bauer, Bauen/Wohnen-Expertin von "die umweltberatung". Weitere Anzeichen können Zugerscheinungen durch undichte Fenster, Kältestrahlung von Wänden und Fenstern oder Undichtheiten wie etwa ein feuchter Keller sein.

Bei Schimmel die Ursache eruieren

Auch bei Schimmel kann eine Sanierung vonnöten sein. "Hier ist es wichtig, die Ursache zu eruieren", weiß Bauer. Diese kann zum Beispiel in durchfeuchteten Bauteilen infolge von Bauschäden oder in zu hoher relativer Luftfeuchtigkeit im Raum liegen. Auch wenn ein Möbelstück wie ein Kasten direkt an einer Außenwand steht, kann dahinter Schimmel entstehen. Letzten Endes ist dann ein günstiger Zeitpunkt zum Sanieren gekommen, wenn ohnehin eine Instandhaltung oder eine neue Gebäudefassade angedacht sind – so lassen sich quasi zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Mit einfachen Maßnahmen versuchen

Bevor man größere Sanierungsschritte wagt, sollte man zuerst einfachere Maßnahmen setzen, die vergleichsweise günstig sind. Dazu gehören etwa das Dämmen von Heizungsleitungen, die durch unbeheizte Kellerräume führen, oder das Abdichten von Fenstern. Zweiteres ist in Mietwohnungen sinnvoll, in denen ein Austausch nicht möglich ist. "Kastenfenster kann man zum Beispiel mit an der Innenseite angebrachtem Kunststoff oder Kautschuk dämmen, das kostet nicht viel und bringt einiges an Einsparung", erklärt Bauer. Auch das Absenken der Heiztemperatur kann helfen und sogar eine Ersparnis von sechs Prozent pro Grad Celsius Temperatursenkung bewirken.

Nach Förderungen erkundigen

Umfangreichere Sanierungsmaßnahmen beginnt man am besten dort, wo es am effizientesten ist und wo die beste Kosten-Nutzen-Stellung erreicht wird. Das hängt oft von den Förderungen ab, die in jedem Bundesland unterschiedlich sind. "In Wien ist es zum Beispiel derzeit unrealistisch, dass man eine Eigenheim-Sanierungsförderung bekommt, wenn schon Einzelmaßnahmen wie ein Fenstertausch vorgenommen wurden", erläutert Bauer.

Beratung und Gang zur Baubehörde

Egal, ob man bei den notwendigen Arbeiten nun selbst Hand anlegt oder eine Firma beauftragt, im Vorfeld sollte man auf jeden Fall eine unabhängige Energieberatung in Anspruch nehmen. Eine Bestandsaufnahme von Fassade, Dach, Holzbauteilen, Böden und Decken, Kanal- und Wasserrohren, Heizung, Elektroinstallationen etc. zeigt, welche Sanierungsziele überhaupt erreicht werden können. Erst dann geht es an die Grobplanung, auf deren Basis eine Kosten-Nutzen-Abwägung gemacht werden sollte. Ein weiterer notwendiger Schritt: Mit der zuständigen Baubehörde muss abgeklärt werden, ob die baulichen Arbeiten anzeige- beziehungsweise bewilligungspflichtig sind.

Mit dem Dach starten

Wenn man sich schließlich zu größeren Investitionen entschließt, ist es am wirksamsten, beim Dach anzufangen. "Ein Haus ist wie ein Mensch: Auch dieser verliert oben – über den Kopf – die meiste Wärme", so Bauer. Die Dämmung der oberen Geschoßdecke sei der günstigste und effizienteste Weg, das Einsparungspotenzial liege bei einem Einfamilienhaus bei 15 bis 25 Prozent der jährlichen Heizkosten. In den meisten Fällen lässt sich die obere Geschoßdecke in Eigenregie dämmen. Man sollte sich aber erkundigen, welche Materialien aus brandschutztechnischer Sicht zulässig sind und ob im jeweiligen Bundesland Eigenleistung überhaupt gefördert wird.

Nach dem Dach oder der oberen Geschoßdecke kommt die Dämmung der Decke zu unbeheizten Kellerräumen an die Reihe, so lassen sich zehn bis 20 Prozent der Heizkosten einsparen. "Grundsätzlich handelt es sich zwar um relativ einfache Arbeiten, aber auf die Raumhöhe im Keller und etwaige Rohre an der Kellerdecke muss geachtet werden", so Bauer.

Fenster und Außenwände

Vom Keller zu den Fenstern, die man entweder austauschen oder abdichten kann. Ein Austausch verursacht zwar höhere Kosten, bringt aber mehr Komfortgewinn und eine Einsparung von zehn bis 30 Prozent. Im Idealfall geht der Fensteraustausch mit der Dämmung der Außenwände einher. Die Fenster werden so angebracht, dass sie bündig mit der Außenwand sitzen, was ein Überdämmen der Rahmen erleichtert, wenn die Fassade gedämmt wird. Wie viel Energie man durch das Abdichten der Gebäudehülle einsparen kann, hängt von Faktoren wie Oberfläche und Fensteranteil ab, zwischen 20 und 30 Prozent sind durchaus realistisch.

Erst dämmen, dann eine neue Heizung

Erst wenn ein Haus ausreichend gedämmt ist macht eine neue Heizung wirklich Sinn. Dann fällt die Heizungsanlage kleiner und damit kostengünstiger aus, auch die Heizkosten sind geringer. Der Einbau einer Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung ist nicht zwingend notwendig, bringt aber durchaus mehr Wohnkomfort. Dabei wird die Abwärme genutzt, um die kalte Zuluft vorzuwärmen. "So kann man zehn bis 20 Prozent der Energiekosten einsparen, auch das Schimmelproblem lässt sich nachhaltig in den Griff bekommen", erklärt Bauer.

"Rebound-Effekt" vermeiden

Nicht immer bringt eine Sanierung übrigens den gewünschten Einspareffekt. Es kann sogar passieren, dass die Energiekosten am Ende höher sind als zuvor. Dieser "Rebound-Effekt" kann unter anderem durch ein plötzlich geändertes Nutzerverhalten hervorgerufen werden, zum Beispiel wenn man das Gefühl hat, aufgrund der Dämmung intensiver heizen zu können als zuvor. Oder weil durch einen Dachbodenausbau oder Wintergarten zusätzliche Flächen entstanden sind, deren Beheizung nicht einkalkuliert wurde. "Häufig wird in Wintergärten oder Räumen mit größeren Glasflächen keine Verschattung eingerechnet. Im Sommer wird dann eine Klimaanlage benutzt, die die Energiekosten aber bis zu 40 Prozent in die Höhe treiben kann", weiß Bauer. Es ist daher wichtig, bei An- und Ausbauten sowie Sanierungen auch auf die Sommertauglichkeit eines Raumes zu achten.

Heikle Arbeiten an den Profi abgeben

Ein letzter Tipp der Expertin: Gewisse Arbeiten – zum Beispiel jene, die die Statik des Hauses oder technische Anlagen betreffen – sollten unbedingt vom Profi ausgeführt werden. Einfachere Tätigkeiten wie das Dämmen der oberen Geschoßdecke, des Kellers oder der Heizungsleitungen kann man durchaus selbst erledigen. (Maria Kapeller, derStandard.at, 17.1.2011)

Links

"die umweltberatung" ist der Verband österreichischer Umweltberatungsstellen: Broschüren zu Themen wie Sanieren und Dämmen sowie persönliche Beratung.

"klima:aktiv" ist eine Informationsseite des Umweltministeriums, zum Thema Althausmodernisierung werden vier Folder zum Downloaden angeboten.

"Energieberatung Niederösterreich" bietet eine umfangreiche Website mit Broschüren und Ratgebern zum Downloaden.

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    Viele Arbeiten im Rahmen einer thermischen Sanierung lassen sich selbst erledigen. Für heikle Angelegenheiten wie etwa technische Anlagen sollte man aber einen Profi kommen lassen.

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