"Wir sollten über eine Pflicht zum Schulbesuch diskutieren"

14. Jänner 2011, 18:22
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    foto: standard/newald

    Schlägt auch "fast banale" Integrationsmaßnahmen vor, etwa Änderungen der AMS-Computermasken: Heinz Fassmann.

Wer über Einwanderung nachdenke, dürfe Änderungen in der Schule nicht ausschließen, sagt der Vorsitzende des Expertenrats für Integration Heinz Fassmann

Standard: Mit Zuwanderer-Integration verbindet man in Österreich derzeit vor allem das Thema Deutschlernen. Gesetzlich wird es für Einwanderer - Stichwort: Deutsch vor Zuzug - zunehmend zur Bedingung, dem Expertenrat schweben laut seinem Arbeitsprogramm hingegen eher Anreize vor. Wie passt das zusammen?

Heinz Fassmann: Der Expertenrat will bessere Teilhabechancen von Einwanderern in der Gesellschaft erreichen. Deutschlernen gehört da mit dazu. Ich persönlich trete diesbezüglich nicht für Anreize allein ein, sondern für ein klar definiertes System, zu dem auch Pflichten gehören. Und für attraktive Bedingungen, sodass die Pflicht nicht nur als Last empfunden wird.

Standard: Ist es zielführend oder eher eine Last, wenn die Gesetzespläne, mit denen auch die Rotweißrot-Card eingeführt werden soll, Einwanderern rascheres Deutschlernen auf höherem Niveau als bisher zur Bedingung macht?

Fassmann: Gestatten Sie mir eine diplomatische Antwort: Ich will den Expertenrat mit diesen politisch bereits akkordierten Angelegenheiten nicht weiter belasten. Würden wir uns dafür oder dagegen aussprechen - wir hätten gleich am Anfang einiges an Kredit verspielt.

Standard: Muss der Expertenrat derart diplomatisch sein?

Fassmann: Eine gewisse tagespolitische Distanz ist durchaus vernünftig.

Standard: Aber geht damit nicht das Risiko einher, dass Politikern eine differenzierte Expertise geliefert wird - diese aber weiter populistische Maßnahmen setzen?

Fassmann: Ich denke, dass wissenschaftliche Beharrlichkeit reinen Populismus langfristig verhindern kann. Politikberatung ist ein manchmal frustrierendes Geschäft, aber es ist besser, sich einzumischen, als sich abzukoppeln.

Standard: Der Expertenrat wurde von Innenministerin Maria Fekter persönlich einberufen. Inwieweit kann er selbstständig agieren?

Fassmann: Fekter nimmt überhaupt keinen Einfluss. Unsere Aufgabe ist, die im Nationalen Aktionsplan für Integration vorgeschlagenen Maßnahmen einschätzen und zur Serienreife zu bringen. Dafür gewährt uns das Ministerium organisatorische Hilfe, etwa um Einladungen zu verschicken. Auch die Sitzungen finden im Ministerium statt.

Standard: Direkt angerufen und ad hoc um Rat gefragt hat Maria Fekter Sie aber noch nicht?

Fassmann: Nein - doch unvorstellbar ist das nicht.

Standard: In der Zwischenzeit liegt das Arbeitsprogramm des Expertenrats vor. Hier nimmt der Bereich schulische Bildung einen zentralen Raum ein. Was schlagen Sie vor?

Fassmann: Wir sollten über eine neunjährige Pflicht zum Schulbesuch und deren Durchsetzung statt der derzeit in Österreich bestehenden Bildungspflicht diskutieren. Unsere Recherche hat ergeben, dass ein Problem mit Schülern - zugewanderten wie einheimischen - besteht, die die Schule schwänzen. Manchmal nimmt das überhand. Am Ende stehen Jugendliche ohne Schulabschluss, die am Arbeitsmarkt wenig Chancen haben, darunter oft auch Schüler mit Migrationshintergrund.

Standard: Würden Sie so weit wie in Frankreich gehen, wo schon Kinderbeihilfeentzug für die Eltern schulschwänzender Kinder vorgeschlagen wurden?

Fassmann: Nein, das wurde noch nicht diskutiert. Aber dass aus der Schule bei schwänzenden Kindern daheim angerufen wird, kann durchaus zur Regel werden.

Standard: Konkrete Vorschläge haben Sie auch für bessere berufliche Integration von Einwanderern. Worum geht es?

Fassmann: Es ist fast banal, aber uns wurde berichtet, dass die Maske, in die AMS-Mitarbeiter auf ihrem Bildschirm die Qualifikationen von Zugewanderten auf Jobsuche eintragen, verändert werden müsste. Derzeit können dort ausländische Qualifikationen nicht korrekt erfasst werden. Diese Maßnahme wäre noch dazu ziemlich billig.

Standard: Wo steht Österreich in Sachen Integration insgesamt?

Fassmann: Auf einer Skala von null - sehr schlecht - bis vier - sehr gut - würde ich uns, was das Integrationsklima angeht, die Note zwei minus geben. (Irene Brickner, DER STANDARD-Printausgabe, 15.1.2011)

derStandard.at/Panorama auf Facebook

Heinz Fassmann ist einer der bekanntesten österreichischen Integrationsexperten. 1955 im deutschen Düsseldorf geboren, steht er heute dem Institut für angewandte Geografie an der Universität Wien vor. Fassmann wurde von Innenministerin Maria Fekter an die Spitze des Expertenrats für Integration gesetzt.

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carpediem99
 
00

wieviele kinder vermißt die gemeinde beim schulbesuch und im kindergarten???

Dagmar Rehak Wien
 
01
22.1.2011, 14:08

Nachtrag, weil ich vor kurzem mit einer früheren Schulkollegin geplaudert hab:
Wir hatten zwei "Problemkinder" in der Schule. Wenn beide da waren, war es unerträglich, wenn nur einer da war, schon viel angenehmer, und wenn beide gefehlt haben, war es geradezu paradiesisch. Das hat auch die Lehrerin gesagt, dass es ohne die zwei herrlich ist. Und die anderen Kinder haben mit viel mehr Freude am Unterricht teilgenommen.
Also bevor man Schüler dazu zwingt, in die Schule zu gehen, sollte man sich erst einmal anschauen, was die anderen davon haben. Die haben nämlich auch nicht nur eine Schulpflicht, sondern auch ein Recht auf Unterricht.

thewho
05
25.1.2011, 13:44
bittschön

aber dann gehören die beiden in eine deppenschule eingeschult, wo sie zumindest Sozialverhalten, Schuhbandlbinden und andere Kulturtechniken lernen.

Dagmar Rehak Wien
 
00
25.1.2011, 15:31

Und wo wäre eine solche?
(Schuhbandlbinden, Lesen und Schreiben konnten sie.)

Lord Schaumloeffel
19
17.1.2011, 15:10
könnten wir die steuerpflicht bitte auch so handhaben wie die schulpflicht?

dann schwänz ich nämlich ein paar jahre und wenn das finanzamt draufkommt, ruft es bei meiner mama an und sagt, "geh's schaun's dazu, dass der bub wieder einmal was zahlt"...

ja, weit haben wir es gebracht.

Ingen Ting
81
16.1.2011, 18:23

zu Hause anrufen?
Zu Hause gibt es niemanden, denn auch viele Migranten haben das problem, dass mit einem Einkommen nicht zu überleben ist, also arbeiten beide.
Dass Kinder nicht in die Schule wollen, hat viele Ursachen (Klassenklima, keine Perspektive..), aber sicher nicht, dass die Eltern das nicht möchten. Auch ein Entzug der Fam.beihilfe ändert daran nichts. Wenn wir glauben dies über Geldmassnahmen steuern zu können, dann erschiene es mir sinnvoller Fam.beihilfe ab 14 Jahren zu splitten, ein Teil für die Eltern, einen Teil erhält der Jugendliche selbst.

carpediem99
 
13

...also arbeiten beide. ... die mama mit kopftuch sitzt sicher zuhause...

Shadow
03
20.1.2011, 21:39
keine Perspektive

und die werden durchs schwäntzen besser?

goldener_drache_spielt_mit_phoenix
04
17.1.2011, 05:24
Bei den Einwanderern, von denen hier die Rede isr

gehen garantiert nicht beide Elternteile arbeiten. Nur viel Sinn wird es nicht machen, da der Elternteil, der zu Hause ist, wohl kaum Deutsch sprechen wird. Und selbst wenn, wird das nichts ändern, solange den Eltern nichts an der Bildung ihrer Kinder liegt.

Wenn das Klassenklima nicht passt, kann man immer noch die Schule wechseln, wenn die Perspektive nicht passt, steht es einem immer noch frei, sich anzustrengen.

Man könnte natürlich die Familienbeihilfe leistungsabhängig direkt an die Schüler auszahlen - aber das alleine kann es nicht sein, denn dieser Leistungsanreiz wäre erst kurz vor dem Ende der Schulpflicht möglich.

Auf jeden Fall kann ein "Schulzwang" nicht ohne Druckmittel durchgesetzt werden...

peter schmidt
 
110
16.1.2011, 22:26
Es gibt heutzutage sogar tragbare Telefone!

RS69
 
01
30.4.2011, 17:48

Das hilft wenig, wenn die Beamten die anrufen nur so schlechte Erreichbarkeit bei Rückrufen haben, weil die AMtsstunden so beschränkt sind.

manto bamminger
11
16.1.2011, 15:12
also bitte

schulpflich einführen, ja das löst unsere probleme.
Der soll mir doch nichts erzählen, jetzt haben wir 20 jahre lang alle nichtangepassten kinder aus der karriereleiter ausgesiebt, und dann der aufschrei nach facharbeitern.

Das potenzial wäre da gewesen wieviele tausend hochbegabter intelligenter menschen haben wir verloren, weil sie halt ein bisschen rebellisch waren????
Die wollte keiner, tja so schauts aus

Dr. Socrates
10
16.1.2011, 16:09
es gibt schulpflicht in österreich.

Rosa Stahl
01
16.2.2011, 12:12

falsch: es gibt Unterrichtspflicht. Das kann auch zu Hause stattfinden. jedoch haben wir de facto ohnehin zu fast 100 prozent Schulbesuch. nur rund ca. 1000 Kinder werden in Österreich häuslich unterrichtet.

schmu schubiak
32
16.1.2011, 14:18

vielleicht ein ende der schulpflicht?
dann müssen diese armen kinder nicht, die eh nicht wollen, und die, die hingehen, lernen ruhiger.
und der steuerzahler zahlt nicht für unwillige.

SR93
00

Es klingt nur so einfach. Aber es wird wahrscheinlich dann nur wenige Kinder in der Schule sein weil 99.9% der Kinder die Schule ungern besuchen. Kinder sind noch zu jung,solche Entscheidungen zu treffen. Viele werden es wahrscheinlich,wenn sie erwachsen sind,bereuen dass sie ihre Bildungschance nicht ausgenutzt haben. Bildung schadet nie,je älter einer wird,desto mehr wird einem die Wichtigkeit der Bildung bewusst.

Loonquawl
00
16.1.2011, 18:58

schulpflicht abschafen????
nicht lange überlegt, kann das sein?

Dr. Socrates
11
16.1.2011, 16:14

der eine ist gegen die einführung der schulpflicht, die es seit jahrhunderten gibt.

der andere will sie abschaffen, damit die schlechten schüler daheim versumpern können, ohne die guten zu stören.

manchmal bin ich echt froh, dass postingschreiber keinen realen einfluss haben.

Dr. Viktor Frankenstein
110
16.1.2011, 10:42
Aber dass aus der Schule bei schwänzenden Kindern daheim angerufen wird, kann durchaus zur Regel werden.

... da werden die Schulschwaenzer zittern!

Die Naivitaet solcher 'Experten' kann man wirklich nicht unterschaetzen.

bm.koger
 
01
16.1.2011, 14:21
das machen die lehrerInnen sowieso schon längst

wenn ein schüler/eine schülerin einfach nicht kommt, ist die lehrerin sogar verpflichtet, nachzufragen. das problem ist, dass die eltern ihren kindern entschuldigungen schreiben, oder dass die eltern überhaupt nicht erreichbar sind oder dass sie die achseln zucken und meinen, ihr kind höre nicht auf sie. ich wäre schon dafür, das kindergeld in wirklich eindeutigen fällen zurückzuhalten - ich habe schülerInnen, die kommen ohne frühstück, ohne jause, haben vom pc-spielen entzündete augen, riechen schlecht, haben zerfetzte schuhe im winter an- mir bricht das herz, weil sie so verloren sind. meine mittel sind begrenzt, ein frühstück zur verfügung stellen, bekleidung sammeln und sie manchmal auch in der ecke schlafen lassen.

Dagmar Rehak Wien
 
60
16.1.2011, 16:53

Wenn Sie beim Rest helfen, so weit Sie können, ok, aber bitte kein Frühstück! Ich habe mein Leben lang in der Früh nichts essen können und habe bei diesen grauenhaften Frühstücksempfehlungen als Kind immer eine panische Angst gekriegt, dass ich bald zum Frühstücken gezwungen werde. Der Organismus muss erst anlaufen, vorher kann er nichts verdauen, da wird einem nur schlecht. Und die Aufstehsituation ist fast immer die, dass man unausgeschlafen aufstehen muss (was auch ohne Frühstück sehr ungesund ist).

bm.koger
 
02
17.1.2011, 16:35
ich zwing überhaupt niemand

zum essen oder dränge ihnen meine mildtätigkeit auf. die schülerinnen, die hungrig sind, können eine kleinigkeit essen und trinken.

Karl41
02
16.1.2011, 17:03

was kann ein Tag schon bringen, der mit Aufstehen anfängt??

Shrike
00
16.1.2011, 14:13

Ich kenne genügend Fälle, da hätten sich die Gören ordentliche Probleme eingehandelt, wenn die Lehrer die Eltern über deren Schulschwänzerei informiert hätten. Haben sie aber nicht.

carpediem99
 
013
16.1.2011, 10:10

islam behindert schulbesuche und gemeinsame tätigkeiten:
http://www.bamf.de/SharedDoc... ertise.pdf

Teilnahme von muslimischen Kindern,
insbesondere Mädchen,
am Sport-, Schwimm- und Sexualkundeunterricht
an staatlichen Schulen,
Teilnahme an Klassenfahrten

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