Schauspielhaus Wien und Metropol sind verschuldet

14. Jänner 2011, 18:00
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Das Kontrollamt übt massive Kritik, das Kulturamt steht hinter Andreas Beck

Wien - Das Kontrollamt der Stadt Wien veröffentlichte gleich mehrere Berichte über Kulturinstitutionen. Zumeist fielen die Zeugnisse für den Zeitraum 2006 bis 2009 sehr gut aus, darunter für das Architekturzentrum, das Kabarett Niedermair und das Theater der Jugend. Eher desaströs fielen die Berichte für das Schauspielhaus und das Metropol aus.

Das Schauspielhaus wurde von Airan Berg bis Mitte 2007 als Koproduktionshaus geführt. Seit Ende 2007, unter der Leitung von Andreas Beck, ist es ein Autorentheater mit Ensemble. Zwischen 2006 und 2009 verringerten sich die Umsatzerlöse von 463.648 auf 212.713 Euro um mehr als die Hälfte, die sonstigen Erträge von 395.445 auf 218.541 Euro. Und die Personalkosten stiegen von 743.607 Euro auf 1,24 Millionen.

Der Eigendeckungsgrad fiel von 32,4 auf 20,4 Prozent, die Auslastung von 83,8 auf 72,6 Prozent, der Anteil der möglichen Einnahmen durch Kartenverkauf von 40,7 auf 30,6 Prozent. Obwohl 2007 ein ungeheurer Werbeaufwand betrieben wurde, wie das Kontrollamt anmerkt. Der Zuschuss pro Besucher stieg von 74,80 auf 86,80 Euro, die Verbindlichkeiten explodierten geradezu von 91.536 auf 519.285 Euro. Um 2009 bilanzieren zu können, wurde auf künftige Subventionen vorgegriffen - in der Höhe von 508.471 Euro. Das Kontrollamt spricht von Überschuldung; Vorgriffe auf Subventionen findet es gar nicht richtig.

Das Kulturamt steht aber hinter Beck: Dessen Vertrag wurde bis 2015 verlängert, die Subvention 2010 um 350.000 Euro erhöht. Vorgriffe seien okay, denn das Haus habe einen Finanzplan vorgelegt, nach dem 2013 alle Schulden abgebaut sein werden. Geschäftsführer Richard Schweitzer sagt, dass man auf gutem Wege sei; die Verbindlichkeiten würden nur mehr 300. 000 Euro ausmachen.

Isabella Leeb, die neue VP-Kultursprecherin, spricht hingegen von "Skandal" und "kreativer Bilanzgestaltung". Sie hofft, dass Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) auch dem chronisch unterdotierten Metropol eine Subventionserhöhung gewährt.

Peter Hofbauer übernahm das konkursreife Haus 1998 von der VP und führte es mit zunehmendem Erfolg weiter: 2008 betrug der Eigendeckungsgrad 73,7 Prozent, der Zuschuss pro Besucher nur 8,81 Euro und die Umsatzerlöse stiegen auf 1,67 Millionen Euro. Zugleich aber betrug der Bilanzverlust 3,21 Millionen. Geschuldet wird das Geld Hofbauer und dem kaufmännischen Leiter, da sich die beiden keine Bezüge ausbezahlten. Laut Kontrollamt sollten künftige Subventionen von der Abdeckung des negativen Eigenkapitals abhängig gemacht werden. In diesem Fall will Mailath der Empfehlung gerne folgen. (Thomas Trenkler, DER STANDARD - Printausgabe, 15./16. Jänner 2011)

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