Marktpreis ade

14. Jänner 2011, 17:50
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Ausverkauf der Kunst - Von Andrea Schurian

Schuhe sind derzeit ziemlich günstig zu haben, Wintermäntel fast um die Hälfte, Skizeugs ebenfalls. Rabatte, wohin das sparsame Auge blickt. Neuerdings erblickt es hochprozentige Preisnachlässe auch in der Sparte Kunsthandel.

Gut, vor Weihnachten bietet der Kunstsupermarkt Wand- und sonstige Dekoration zum Schleuderpreis. Nun schwappt wieder gehobene Schnäppchenware auf den Markt; nach zwanzig Jahren Kunsthandel, zehn davon mit eigener Galerie, will sich eine Wienerin von ihren Lagerbeständen trennen.

Wa(h)re Kunst! Raus mit den Ansammlungen! "Werke von Galerie-Künstlern wie Peter Patzak, Lisl Engels, Karin Pliem oder Walter Schmögner werden dabei zu stark reduzierten Preisen angeboten", wirbt sie in einer Aussendung.

Und weiter: "Wie so oft, kommt alles ganz anders als geplant. Große Entscheidungen bahnen sich oft nicht langsam an, sondern ergeben sich überraschend und wollen mit aller Kraft umgesetzt werden."

Das wird die Künstler, wie so oft, richtig freuen. Weil sie sich jetzt nämlich, anders als geplant, heftig um ihren Marktpreis sorgen dürfen. Die zukünftige Ex-Galeristin hat jüngst ein postgraduales Wirtschaftsstudium abgeschlossen. Anzunehmen also, dass sie weiß, was sie tut. Um einen Fall reiner Kunstliebe dürfte es sich jedenfalls nicht handeln. (Andrea Schurian, DER STANDARD - Printausgabe, 15. Jänner 2011)

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