Inzest in Minimundus

14. Jänner 2011, 16:59
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Das war kein Gipfeltreffen des Humors, nicht mal für ein Zipfelfechten reichte es

Österreich ist ein kleines Land. Da kennt bald einmal jeder jeden; alles ist überschaubar und bescheiden portioniert: Mir san net nur mir, wir sind Minimundus. Das betrifft das, was bei uns Politik genannt wird ebenso wie die Kunst, erst recht die Kleinkunst.

Diese Tatsache führte am Donnerstag dazu, dass der vom ORF bekannte Kabarettist Alfred Dorfer bei den vom ORF bekannten Kabarettisten Christoph Grissemann und Dirk Stermann in der ORF-Sendung Willkommen Österreich zu Gast war. In Erinnerung gerufen sei, dass Grisse und Stere Dorfers ORF-Sendung Donnerstalk früher einige Highlights zufügten.

Dorfers Besuch belegte, wie ungünstig derlei Voraussetzungen für ein geistvolles Gespräch mit befreundeten Sendungsnachbarn sind. Die Fragen wirkten, als wären die Antworten hinter dem Tisch ohnehin bekannt, Dorfer konnte sich vor dem Tisch nicht zwischen Zwangsoriginalität und Seriosität entscheiden - und scheiterte letztlich in beiden Disziplinen. Das war kein Gipfeltreffen des Humors, nicht mal für ein Zipfelfechten reichte es.

Den Krampf löste der zweite Gast, der deutsche Journalist Hellmuth Karasek. Der 77-jährige Charmeur erzählte treuherzig Witze sowie Anekdoten aus seinem Leben: Vom Kritikerdasein, seiner Vorliebe für nackte Damenfüße - oder er sinnierte über die Berichterstattung über ihn und seine Gastgeber nach einem möglichen Flugzeugabsturz.

Da gelang sogar Dorfer noch eine Pointe: "Grissemann abgestürzt - wieder einmal." (Karl Fluch, DER STANDARD; Printausgabe, 15./15.1.2011)

  • "Willkommen Österreich" mit Dorfer und Karasek: Die Sendung zum Nachsehen auf tvthek.orf.at
    foto: tvthek.orf.at

    "Willkommen Österreich" mit Dorfer und Karasek: Die Sendung zum Nachsehen auf tvthek.orf.at

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