Die Banken sind Europas Baustelle

14. Jänner 2011, 15:48
7 Postings

Investoren gieren derzeit auf Portugal, Griechenland und die übrigen PIIGS-Staaten. Doch gerade Europas Banken verdienen einen Stresstest

Es scheint derzeit nur ein Thema am europäischen Kapitalmarkt zu geben: braucht Portugal eine EU-Rettung oder nicht. Für die langfristig relevanten Themen bleibt da kein Platz mehr. Dabei ist eines klar: es sind gerade Europas Banken, die in den kommenden Jahren im Fokus der Öffentlichkeit stehen werden. Denn viele strukturelle Probleme sind noch nicht gelöst.

Da ist zunächst einmal die Unterkapitalisierung, die sich im Zuge der Einführung von Basel III noch verschärfen wird. Je nach Betrachtung fehlen mehrere hundert Milliarden Euro Eigenkapital (siehe Grafik). Ob Banken dieses Geld in einem nicht unbedingt freundlichen Kapitalmarktumfeld aufnehmen können, ist fraglich. Mohammed El-Erian, CEO von PIMCO, hat jüngst auf den Punkt gebracht, warum das Problem in der aktuellen Euro-Krise offenbar nicht gelöst wird: "Wir brauchen eine neue Denkweise, die sich mehr auf die Fundamentaldaten stützt und das Problem als Solvenz- nicht als Liquiditätsproblem versteht." Eine Chance dazu bieten die Stresstests, die dieses Jahr durchgeführt werden sollen. Wenn bei diesem Test auch Szenarien berücksichtigt werden, die von Wirtschaftspolitikern bislang als "unwahrscheinlich" tituliert werden (eine Umschuldung bei Griechenland, ein erneuter Abschwung am Häusermarkt), dann würden die Befürchtungen vieler Marktteilnehmer Eingang in die Analyse finden. Wenn zeitgleich noch Pläne zur Kapitalisierung der schwächsten Banken bereit gestellt werden, verhindert man Panik.

Doch Politik und Markt, also Anleiheninvestoren wie Fondsgesellschaften, Banken, Versicherungen, private Anleger, arbeiten mit zwei verschiedenen Mindsets. Die Politik geht davon aus, dass die Krise mit Sparmaßnahmen in den PIIGS-Staaten gelöst ist. Bis dahin brauche das Finanzsystem einfach genug Liquidität. Viele Investoren jedoch rechnen nicht mehr damit, dass sie ihr investiertes Kapital in Griechenland oder Irland wieder zu 100% sehen werden, also eine Form der Pleite möglich ist. Darüber hinaus drücken auch regionale Probleme (Immobilienmärkte, Arbeitsmärkte) auf die Kreditvorsrogen in einzelnen Eurostaaten.

Die Befürchtung von Pleiten betrifft daher wieder auch die Banken. Mittlerweile sind auch wieder die europäischen Bankanleihen auf der Verkaufsliste von Investoren, im Sog der Schuldenkrise (siehe Grafik). Das Problem ist - analog zu den Staatsanleihen - regional. Portugiesische, spanische, irische Institute sind in der Bredouille. Sie müssen immer höhere Zinsen auf ihre Anleihen zahlen. Bei einem nächsten Stresstest werden damit wohl viele Staaten frisches Eigenkapital in ihre Institute pumpen. So berichten spanische Medien, dass der angeschlagene Sparkassensektor eine 80-Milliarden-Euro Spritze bekommen soll (via FTAlphaville). Ein Teil des Irland-Pakets geht in die Kapitalausstattung der Banken auf der grünen Insel. In den übrigen Euro-Ländern sind ebenso noch einige Probleme ungelöst (Deutschland: Landesbanken).

Der Grund hinter dieser Bewegung ist auch das jüngste Papier der Europäischen Kommission. Es sieht - richtigerweise - vor, dass Gläubiger von Banken an den Kosten einer Bankenrettung/Pleite/Umstrukturierung etc. beteiligt werden. Das Motto bei der nächsten Krise soll heißen: Bail-in statt Bail-out. Insgesamt haben sich die Risikoaufschläge für nachrangiges Kapital sich seit Oktober fast verdoppelt, jene für besicherte Anleihen sind aber ebenso gestiegen. Kein "free lunch" mehr für die Besitzer von Bankanleihen. Das müssen jetzt die Anleihenbesitzer der Commerzbank am eigenen Leib erfahren. Die private, deutsche Bank hat diese Woche einen Anleihen-Aktien-Tausch vorgestellt. Die Käufer von nachrangigen Anleihen werden nun dazu gezwungen, ihre Bonds in Aktien zu tauschen. Damit will die Commerzbank ihre Eigenkapitalausstattung verbessern. 

Europas Bankensektor bleibt damit mittelfristig eine Gefahr für den europäischen Aufschwung. Denn wenn die großen Themen ungelöst bleiben, könnte der Finanzsektor der Bremsklotz an der Konjunktur sein. Angesichts der anhaltenden Konsolidierungsnöte bei Europas Staatsfinanzen muss das nicht unbedingt sein.


Sie können die Marktmelange auch über Twitter oder Facebook verfolgen. Den RSS-Feed gibt es hier.

  • Bild nicht mehr verfügbar
  • Artikelbild
Share if you care.