Zu sicheren Kupons und attraktiven Renditen

14. Jänner 2011, 14:37
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Nach der Jahresendrally geriet der Kursaufschwung ins Stocken. Ak­tien­anleihen sind da eine attraktive Alternative zu Direktinvestments

Um satte 15,2 Prozent hat der ATX im vergangenen Jahr zugelegt. Allein auf den Dezember 2010 entfällt ein Plus von 11,4 Prozent. Auch wenn die Ampeln am Aktienmarkt langfristig auf Grün stehen: In diesem Tempo konnte es nicht weitergehen. Früher oder später musste eine Korrektur kommen. Gegenüber dem Jänner-Top bei knapp 2.975 Punkten hat der ATX bislang knapp fünf Prozent abgegeben. In den kommenden Monaten wird die europäische Schuldenkrise eines der bestimmenden Themen sein. Insofern könnte es zunächst holprig bleiben.

In einem solchen Szenario sind Aktienanleihen als Alternative zu Direktinvestments hoch interessant. Während Sie bei Aktien stets auf steigende Notierungen angewiesen sind, um eine positive Rendite zu erwirtschaften, reicht es bei diesen Papieren schon aus, wenn die zugrundeliegenden Basiswerte - meist einzelne Aktien oder Indizes wie der Euro Stoxx 50 - am Ende der Laufzeit ungefähr auf dem Ausgangsniveau notieren. Sogar ein kleines Minus ist erlaubt.

Wie klassische Anleihen sind die Papiere mit einem Kupon ausgestattet, der am Ende der Laufzeit gezahlt wird. Egal, ob der Basiswert am Schluss im Plus, im Minus oder unverändert notiert: Der vorher festgelegte Kupon kommt auf jeden Fall zur Auszahlung. Dadurch weiß der Investor bereits beim Kauf der Aktienanleihe, mit welchem Zins er rechnen kann. Möglich wird die Auszahlung eines Kupons durch die besondere Konstruktion von Aktienanleihen: Der Emittent kombiniert dazu eine Geldmarktanlage mit dem Verkauf einer Put-Option auf einen zugrundeliegenden Basiswert. Aus dem Verkauf der Put-Option resultiert eine Prämie, die zusammen mit dem marktüblichen Geldmarktzins ausgeschüttet wird.

In der Regel liegen die Kupons deutlich über den Zinssätzen von vergleichbaren Unternehmens- oder Staatsanleihen. Im Gegenzug ist aber auch das Risiko höher. Denn am Ende der Laufzeit wird die Anleihe nicht wie sonst üblich zum Nominalwert getilgt, sondern die Rückzahlung hängt von der Entwicklung des Basiswerts ab. Nur wenn dieser auf oder über dem anfangs festgelegten Basispreis notiert, wird dem Anleger das Nominale in bar zurückgezahlt. Notiert das Underlying hingegen darunter, wird in der Regel mit einer zuvor festgelegten Anzahl des Basiswerts getilgt.

Welche Szenarien möglich sind, zeigt das Beispiel einer Aktienanleihe auf den Versorger E.ON (ISIN DE000VT0UUZ4). Das Papier wurde vor einigen Wochen von der Bank Vontobel begeben und ist mit einem Kupon von 11,75 Prozent ausgestattet. Dieser Zinssatz gemessen am Nominalwert wird am Ende der Laufzeit auf jeden Fall ausgeschüttet. Der Basispreis liegt aktuell bei 21 Euro, also um rund 7,3 Prozent unter dem aktuellen Kurs des Basiswerts.

Die im europäischen Leitindex notierte E.ON-Aktie darf also leicht fallen, ohne den Maximalertrag von 8,3 Prozent bzw. 8,9 Prozent p.a. zu gefährden. Der Unterschied zum Kupon von 11,75 Prozent erklärt sich aus dem leicht über dem Nominalbetrag liegenden Briefkurs der Anleihe sowie aus den beim Kauf zu zahlenden Stückzinsen, mit denen die Ansprüche des Anleihen-Verkäufers abgegolten werden.

Wenn die E.ON-Aktie am Bewertungstag, 16. Dezember 2011, über dem Basispreis von 21 Euro notiert, ist nebst der Zinszahlung eine 100-prozentige Rückzahlung des Nennbetrages vorgesehen. Die Aktienanleihe erzielt somit die maximale Rendite von aktuell 8,3 Prozent. Wer starke Kurssteigerungen des Basiswerts erwartet, kann mit der Aktienanleihe daran nicht partizipieren und sollte daher das Direktinvestment vorziehen. Auch bei moderaten Kursgewinnen kann ein Direktinvestment unter Umständen sinnvoller sein, da die E.ON-Aktie aktuell eine geschätzte Dividendenrendite von 5,8 Prozent aufweist, die bei der Aktienanleihe verloren geht.

Notiert der Basiswert am Laufzeitende hingegen unterhalb der 21-Euro-Marke, erhält der Anleger neben der Zinszahlung entsprechend dem Bezugsverhältnis von 47,61905 den Basiswert geliefert, wobei der Bruchteil von 0,61905 durch einen Geldbetrag ausgeglichen wird. Nur wenn die Zinszahlung den Kursverlust der E.ON nicht ausgleichen kann, führt das Investment in die Aktienanleihe zu einem Verlust. Weil der Kupon auf jeden Fall ausgezahlt wird, fahren Anleger aber auch bei höheren Verlusten des Basiswerts stets besser als mit dem Direktinvestment. Da bei diesem Papier zudem die physische Lieferung erfolgt, die Aktien also in die Depots eingebucht werden, besteht die Chance, dass der Titel die Verluste im Zeitablauf wieder aufholt.

Aufgrund der günstigen Bewertung der E.ON-Aktie stehen die Chancen gut, dass das Papier am Laufzeitende in der Nähe des Basispreises notiert. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des für 2012 von Analysten geschätzten Gewinns von weniger als zehn sichert den - vor allem von der Debatte um die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke - geschundenen E.ON-Kurs nach unten ab.

Fazit: Die Aktienanleihe auf E.ON bietet bei einem seitwärts laufenden Basiswert höhere Renditechancen als das Direktinvestment: Selbst wenn sich der Basiswert am Laufzeitende gegenüber dem Startniveau nicht bewegt hat, erzielt die Aktienanleihe einen attraktiven Ertrag von 8,15 Prozent. Der Kupon schützt zudem vor moderaten Kursverlusten des Underlyings. Wer von deutlichen Kursgewinnen des Versorger-Papiers ausgeht, sollte das Direktinvestment bevorzugen. (Christian Scheid, derStandard.at, 14.01.2010)

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