Prionen auch über die Luft übertragbar

15. Jänner 2011, 11:00
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Forscher führten Laborversuch durch, bewerten die Ergebnisse aber unterschiedlich

Zürich/Tübingen - Bisher galt es als ausgeschlossen, dass Prionenerkrankungen - bei Tieren etwa BSE bzw. "Rinderwahnsinn", beim Menschen die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit - über die Luft übertragen werden können. Nun jedoch warnt ein Team von Wissenschaftern aus Zürich und Tübingen davor, dass auch dieser Übertragungsweg von Prionen - krankhaft veränderten Eiweißen, die im Gehirn eine schwammige Schädigung hervorrufen - möglich sei. In Labors, Schlachthöfen und Futtermittelfabriken sollte deshalb über strengere Vorsichtsmaßnahmen nachgedacht werden, empfehlen die Experten im Fachjournal "PLoS Pathogens". 

Der Versuch

Für die Studie hatten die Forscher Versuchsmäuse in spezielle Inhalationskammern gesteckt und in diesen winzige Teilchen von infiziertem Hirngewebe versprüht. Das Einatmen der Prionen in den Kammern habe zu einer "erschreckend effizienten Infektion" geführt, sagte Studienleiter Adriano Aguzzi von der Universität Zürich. "Eine nur einminütige Exposition reichte aus, um 100 Prozent der Versuchtstiere mit der Krankheit zu infizieren."

Offensichtlich konnten die Prionen über Nervenbahnen direkt von der Nase ins Gehirn gelangen, sagte der Tübinger Mikrobiologie Lothar Stitz. Anders als sein Schweizer Kollege glaubt der Professor am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) aber nicht, dass nun die Gefährlichkeit von Prionen neu bewertet werden müsse. 

Interpretationen

Ein Vergleich etwa mit Grippe-Viren gehe in die falsche Richtung. Bei Grippe sei die Ansteckungsgefahr nur deshalb so hoch, weil infizierte Menschen die Viren beim Niesen in der Luft verbreiten. Bei BSE-kranken Tieren gebe es aber keine Hinweise darauf, dass sie die gefährlichen Prionen etwa über den Speichel an die Umwelt abgeben. Deshalb sei kaum davon auszugehen, dass Prionen auf natürlichem Wege in die Atemluft gelangen könnten. "In einem Rinderstall halte ich das für ausgeschlossen", sagte Stitz.

Gefährlich könnte es lediglich in Schlachthöfen werden. Wenn dort das Fleisch von BSE-Rindern verarbeitet und der Arbeitsplatz anschließend mit einem Hochdruckreiniger gesäubert werde, könnten Prionen in die Luft gelangen und von Menschen eingeatmet werden. Allerdings seien die Sicherheitsvorkehrungen in den Schlachthöfen schon heute so streng, dass diese Gefahr sehr gering sei.

Forschungsleiter Aguzzi sieht das etwas anders. "Ein stringenter Schutz gegen Aerosole gehört bisher nicht zu den üblichen Vorsichtsmaßnahmen gegen Prioneninfektionen in wissenschaftlichen Labors, Schlachthöfen und bei der Entsorgung von Schlachtabfällen", sagte er. "Es empfiehlt sich, Vorkehrungen zu treffen, um das Risiko einer solchen Prioneninfektion bei Mensch und Tier zu minimieren." Er betont jedoch zugleich, dass sich die Ergebnisse auf die Produktion von feinsten infektiösen Teilchen unter Laborbedingungen beziehen. Sie "bedeuten nicht, dass Creutzfeldt-Jakob-Patienten Prionen mit der Atemluft ausscheiden." (pte/APA/red)

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