Verwanzt und ausgespäht

14. Jänner 2011, 18:28
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Oliver Bottini stattet seine Serienheldin Luise Boni diesmal mit vielen Handicaps aus

Eigentlich ist nicht viel passiert im Flur des Berliner Hotels: Ein Mann wurde zusammengeschlagen und auf eine Toilette geschleppt. Die Frau, vor deren Zimmertür der Überfall stattfand, hat angeblich nichts gehört. Das Opfer, ein freier Journalist, hat allerdings noch einen Zweitjob, er arbeitete für den BND. Hauptkommissarin Luise Boni bekommt den Auftrag, von Freiburg nach Berlin zu reisen und sich des rätselhaften Falls anzunehmen. Oliver Bottini stattet seine Serienheldin diesmal mit vielen Handicaps aus. Nach einer Beinahe-Suspendierung ist sie zwar seit kurzer Zeit trocken, aber Tinnitus und Schlaflosigkeit treiben sie an den Rand des Zusammenbruchs. Ihres im Ausland arbeitenden Liebhabers ist sie sich auch nicht sicher; einerseits hat sie Angst vor allzu viel Nähe, andererseits graut ihr vor dem Alleinsein. Boni merkt bald, dass allzu genaue Recherchen nicht erwünscht sind, was sie erst recht anspornt. Das kann der Verfassungsschutz gar nicht gebrauchen, und Boni geht selt-same Koalitionen ein, um doch noch hinter die Geheimnisse zu kommen. Reichlich Wanzen, Tatorte und Kameras sind im Spiel, viel Tempo und existenzielle Verzweiflung, Kompetenzgerangel der geheimen Dienste und etliche Tote. Bottini liefert wie immer einen packenden, originellen Plot und eine solide Ausführung. (Ingeborg Sperl, DER STANDARD/ALBUM - Printausgabe, 15./16. Jänner 2011)

Oliver Bottini, "Das verborgene Netz".
€ 15,40 / 320 Seiten. Scherz Verlag,
München 2011

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