„Cool bleiben, wenn es gelingt"

25. Jänner 2011, 11:00
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Fast alle Pseudokrupp-Patienten lassen sich erfolgreich mit Hausmitteln behandeln, weiß Wilhelm Kaulfersch vom LKH Klagenfurt

Todesfälle sind selten, trotzdem ist die Laryngitis subglottica beim ersten Auftreten für Eltern und Kinder ein sehr dramatisches Ereignis. Jedes zweite Kind erkrankt in seinem Leben einmal an einem Pseudokrupp, für Kinder, die einem Raucherhaushalt leben, ist das Erkrankungsrisiko erhöht.

derStandard.at: Kann man an einem Pseudokrupp sterben?

Kaulfersch: Das ist extrem selten, aber möglich. Konkret brauchen maximal 1-5 Prozent aller Kinder mit einem Pseudokrupp eine medizinische Behandlung, damit nicht das Risiko eines eventuellen Todesfalles entsteht. 95-99 Prozent aller Fälle lassen sich problemlos unter Einsatz von Hausmitteln behandeln. 

derStandard.at: Was genau macht eine medizinische Behandlung erforderlich?

Kaulfersch: Beim Pseudokrupp schwillt die Schleimhaut unterhalb des Kehlkopfes an. Das kann so weit gehen, bis die Kinder tatsächlich einen Luftmangel bekommen und eine Therapie im Spital erforderlich wird. Im LKH Klagenfurt vernebeln wir diese Kinder mit einem Adrenalinpräparat. Das funktioniert sehr gut, erfordert jedoch einen stationären Aufenthalt, da die Wirkung nur ein bis zwei Stunden anhält. Anschließend kann die Schleimhaut wieder anschwellen und es kann zu einem so genannten Rebound kommen, der mitunter zu einer noch stärkeren Anschwellung führt. Ganz selten müssen wir ein Kind auch intubieren, sprich mit einem Beatmungsschlauch die Engstelle überwinde und Sauerstoff zuführen. Das Kind kann dann wieder selbständig atmen. Die paar wenigen Kinder, die so eine Therapie brauchen, könnten sterben, wenn sie nicht rechtzeitig ins Spital kommen. 

derStandard.at: Wie kann der Laie einen Pseudokrupp erkennen?

Kaulfersch: Wenn ein Kind zum ersten Mal eine Pseudokrupp-Symptomatik entwickelt, ist das für die Eltern nicht immer leicht zu erkennen. Manche Kinder haben schon zwei bis drei Tage eine leicht Verkühlung. Die Nase läuft und das Kind ist eventuell subfebril, das heißt die Temperatur ist geringfügig erhöht. Und dann beginnen die Kinder plötzlich mitten in der Nacht aus dem Schlaf heraus bellend zu husten. Das ist das erste Stadium. Unruhig werden die Eltern erst, wenn das Kind in das nächste Stadium kommt, und sich zu dem heiseren Husten ein raues krächzendes Einatmungsgeräusch gesellt. Von diesem Moment an besteht die Gefahr, dass sich die Situation verschlimmert, die Schleimhaut immer mehr anschwillt und das Kind Atemnot bekommt. Jetzt ist der Zeitpunkt, wo Eltern mit ihren Kindern den Arzt aufsuchen sollten. 

derStandard.at: Was können Eltern davor selber tun?

Kaulfersch: Kalte Luft führt zu einer Linderung. Das heißt am besten wird das Fenster geöffnet. Da der Pseudokrupp meistens in den Wintermonaten auftritt, ist die Luft draußen ohnehin kalt. Das Fenster in einer Großstadt an einer vielbefahrenen Straße zu öffnen, kann allerdings kontraproduktiv sein, da die Schadstoffe den Pseudokrupp eher noch verstärken. Das wichtigste ist, das Kind zu beruhigen, was nicht immer leicht ist, weil die Eltern natürlich selbst nervös sind. Also cool bleiben, wenn es gelingt. Dann wird immer wieder empfohlen, die Raumluft zu befeuchten. Entweder man stellt die Wäsche zum Trocknen im Schlafzimmer auf oder aber lässt im Badezimmer die Badewanne mit heißem Wasser ein. Es gibt allerdings keinen Beweis dafür, dass die feuchte Luft die Krankheit schneller zum Verschwinden bringt, zumindest aber fühlt sich das Kind subjektiv besser. 

derStandard.at: Gibt es auch medikamentöse Möglichkeiten für zu Hause?

Kaulfersch: Unmittelbar helfen kann Kortison, entweder in Form von Tabletten, die im Wasser aufgelöst werden, oder als Zäpfchen verabreicht. Der Vorteil der Tabletten wäre, man kann sie genauer dosieren und sie wirken schneller. Der Nachteil ist, viele Kinder wollen in diesem Zustand nichts schlucken. 

derStandard.at: Wann sollen die Eltern das Kortisonpräparat einsetzen?

Kaulfersch: Wenn ein Kind bereits einmal einen Pseudokrupp hatte, dann besteht eine Wiederholungsgefahr. Die Eltern werden darüber aufgeklärt und bewahren deshalb für den Notfall Kortisonzäpfchen daheim im Kühlschrank auf. Tritt der Pseudokrupp dann erneut auf, dann erkennen die Eltern zumeist den Pseudokrupp bereits an dem typischen Husten und können dann bei Bedarf das Zäpfchen verwenden. 

derStandard.at: Warum tritt die Erkrankung vorwiegend in der Nacht auf?

Kaulfersch: Das ist eine gute Frage. Meistens handelt es sich um eine Virusinfektion mit Parainfluenzavieren oder Influenzaviren. Wenn ein Kind an einer Virusinfektion erkrankt, dann hat es über den Tag verteilt ganz unterschiedliche Allgemeinzustände. Am Vormittag ist es oft quietschvergnügt und gegen Abend hin steigt das Fieber wieder. Das hängt wahrscheinlich auch mit dem sogenannten zirkadianen Rhythmus unserer körpereigenen Kortisolproduktion zusammen. Unter tags produziert der Organismus mehr von diesem Stresshormon. Dadurch werden Entzündungs- und Fieberreaktionen unterdrückt. Am Abend sinkt der Spiegel und für alle Virusinfektionen wird es leichter den nächsten Schub zu verursachen. 

derStandard.at: Wieso sind nur kleine Kinder davon betroffen?

Kaulfersch: Das erklärt sich mit der Physiologie. Der Durchmesser der Luftröhre ist bei Kindern bis zum sechsten Lebensjahr noch sehr klein. Unterhalb der Stimmbänder ist die engste Stelle. Deswegen heißt die Infektion auch Laryngitis subglottica, Kehlkopfentzündung. Kommt es i dieser Region dann zusätzlich zur Schleimhautschwellung wird die Engstelle hörbar (Stridor, Anm.Red.) oder es kann zur echten Atemnot kommen. Wenn die Kinder sechs Jahre oder älter sind, führt die Laryngitis subglottica nicht mehr zu so bedrohlichen Symptomen. Meist bekommen die Kinder dann nur noch einen heiseren Husten. Erstmalig kann der Pseudokrupp so zwischen dem dritten und fünften Lebensmonat auftreten, vorher kriegen Säuglinge kaum Infekte, da sie noch den Nestschutz der Mutter besitzen. 

derStandard.at: Wie viele Kinder sind davon betroffen?

Kaulfersch: Die Erkrankung ist relativ häufig. Wahrscheinlich ist zumindest jedes zweite Kind einmal davon betroffen. 

derStandard.at: Wie kann man unterscheiden, ob es sich nicht um einen echten Krupp handelt?

Kaulfersch: Der echte Krupp (Diphtherie, Anm. Red.) ist eine bakterielle Erkrankung. In Österreich ist diese nicht zu erwarten, denn die Kinder sind praktisch alle dagegen geimpft. Ebenso wenig wie die Diphtherie ist im Übrigen auch die Epiglottitis in unseren Breiten zu erwarten. Diese Infektion, ist im Bereich des Kehldeckels angesiedelt und wird durch Hämophilus Inluenza Bakterien verursacht. Der Kehldeckel , auch Epiglottis genannt, ist normalerweise ein zartes Zäpfchen, das sich von oben auf die Luftröhre legt. Für Säuglinge ist das besonders wichtig, da in diesem Alter noch gleichzeitig getrunken und geatmet wird. Damit sich das Baby nicht ständig verschluckt, legt sich der Kehldeckel während des Schluckvorganges auf die Luftröhre. Bei der Epiglottitis schwillt der Kehldeckel zu einer hochroten Kugel an, das Kind kaum noch Luft bekommt. Eine sehr dramatische Situation für das Kind. Zum Glück gibt es diese Erkrankung seit Einführung der Hämophilus Impfung in Österreich nicht mehr. 

derStandard.at: Gibt es noch andere Differentialdiagnosen?

Kaulfersch: Ja, eine sehr unangenehme wäre die Aspiration eines Fremdkörpers. Wenn ein Kind aus heiterem Himmel heraus ein heiseres Atemgeräusch macht und es keinerlei Hinweise für einen Virusinfekt gibt, kann auch ein Fremdkörper für die Atemnot verantwortlich sein. Allerdings entsteht diese Symptomatik dann zumeist nicht aus dem Schlaf heraus. 

derStandard.at: Gibt es Risikofaktoren?

Kaulfersch: Das Risiko einen Pseudokrupp zu bekommen ist erhöht, wenn in einem Haushalt viel geraucht wird. Nicht nur Schadstoffe aus dem Verkehr begünstigen die Erkrankung, auch das Rauchen begünstigt sie. Auch wenn mit Kaminöfen geheizt wird, wo viel Feinstaub entsteht. Natürlich können bereits erkrankte Kinder andere Kinder in der Krabbelstube oder im Kindergarten anstecken. Deshalb sollten Kinder mit dieser Erkrankung zwei bis drei Tage bis zur Abheilung zu Hause bleiben. (Regina Philipp, derStandard.at, .1.2011)

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    Eine prophylaktische Maßnahmen: Wäscheständer nicht im Garten, sondern im Schlafzimmer aufstellen.

  • Wilhelm Kaulfersch ist Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am LKH Klagenfurt. Seine Spezialgebiete sind die Immunologie, Rheumatologie und Infektiologie.
    foto: wilhelm kaulfersch

    Wilhelm Kaulfersch ist Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am LKH Klagenfurt. Seine Spezialgebiete sind die Immunologie, Rheumatologie und Infektiologie.

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