Als sich Europas Meister trafen

14. Jänner 2011, 14:02
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Das österreichische Eishockey spielte in den Anfangsjahren europäischer Klubbewerbe dank des KAC eine gewichtige Rolle. Teil 1 der Geschichte des Europapokals in unserem Eishockey-Blog.

Am Freitag startet der EC Salzburg in das Finalturnier des einzigen europäischen Klubbewerbs der Saison, der noch unter Führung der IIHF ausgetragen wird. Projekte des Weltverbands wie die European Hockey League (EHL) oder die Champions Hockey League (CHL) sind in den letzten Jahren meist aus finanziellen Gründen gescheitert, hinter den Kulissen bauen die Spitzenklubs des Kontinents längst an einer eigenen Liga, was die IIHF unter Druck bringt, zeitnah eine Wiedereinführung der CHL zu versuchen. Salzburg gilt als potentieller Teilnehmer für sämtliche Zukunftsprojekte, muss sich aktuell jedoch mit der Partizipation am bescheiden glamourösen Continental Cup begnügen. Reibungslos und vor allem nachhaltig funktioniert hat noch kein internationaler Klubbewerb, die längste Geschichte weist jedoch der klassische Europapokal (der Landesmeister) auf, der 32 Jahre lang ausgetragen wurde.

KAC bei Premiere im Halbfinale

Ganz nach dem Vorbild des Europacups im Fußball wurde 1965 auch im Eishockey ein Bewerb für die nationalen Titelträger im europäischen Eishockey eingeführt. Die Meister aus 13 Staaten nahmen an dieser ersten Auflage teil, Österreich war durch den KAC vertreten, der sich im Jahr zuvor - der letzten Saison vor der Einführung der Bundesliga - den damals siebten Meistertitel seiner Geschichte sichern konnte.
Das erste Europapokal-Spiel mit rot-weiß-roter Beteiligung ging am 23.Oktober 1965 in Klagenfurt in Szene, mit 10:3 ließ der KAC dem SC Bern keine Chance. Das Turnierformat sah damals jeweils zwei Heim- und Auswärtsspiele pro Runde vor, die Kärntner besiegten in den folgenden beiden Wochen den Schweizer Meister drei weitere Male und überwanden später auch die nächste Hürde, Újpesti Budapest, mit vier Siegen. Endstation war für den österreichischen Serienchampion dieser Zeit dann in Runde drei, also im Halbfinale: Gegen den HC Brno, damals noch nach dem örtlichen Traktorenwerk benannt, setzte es in vier Duellen ebenso viele Niederlagen. Doch immerhin konnte sich der KAC auf die Fahnen heften, gegen den späteren Europapokalsieger ausgeschieden zu sein. Der Klub aus der ČSSR gewann den internationalen Bewerb in jedem der ersten drei Jahre seiner Austragung, wobei anzumerken ist, dass die starken sowjetischen Teams in dieser Zeit noch nicht am Europacup teilnahmen.

Immer wieder Brno

Die zweite internationale Saison des KAC, 1966/67, begann sehr vielversprechend: Gleich in der ersten Runde schaltete man den Deutschen Meister EC Bad Tölz aus, später war Frankreichs Titelträger Chamonix kein wirkliches Hindernis. Lange Zittern mussten die Klagenfurter hingegen im dritten Durchgang: Nach den Resultaten 4:2, 1:1 (zu Hause), 4:4 und 2:4 (auswärts) sorgte gegen Cortina d'Ampezzo erst ein Shootout für die Entscheidung. Wieder stand der KAC im Halbfinale, wieder war dort gegen den späteren Sieger Brno Endstation. Bemerkenswert: Nach knappen Hinspielen - in Klagenfurt endeten die beiden Begegnungen 4:6 und 4:4 - verzichteten die "Rotjacken" auf ein Antreten in den Rückspielen. Grund dafür war die Terminkollision mit einer Nordamerikareise des Nationalteams, damals mit einer Vielzahl von KAC-Cracks besetzt. Statt um den Einzug ins Europapokalfinale zu kämpfen, unterlagen Pregl, Felfernig, Kalt, Puschnig und Co. in einem freundschaftlichen Länderspiel in St.Paul, Minnesota, den USA mit 1:10.

Im dritten Jahr seiner Austragung wurde der Europacup 1967/68 reformiert, fortan gab es pro Runde nicht mehr zwei sondern nur noch ein Hin- und Rückspiel. Für den KAC änderte sich jedoch nicht viel: Ferencváros Budapest, der EHC Kloten (der sich schon nach der Heimniederlage im ersten Duell geschlagen gab und gar nicht erst nach Klagenfurt reiste) und der HK Jesenice wurden besiegt, wieder stand man im Halbfinale, wieder hieß der Gegner Brno. Nach entsprechender Übereinkunft wurden beide Spiele gegen den Titelverteidiger in Klagenfurt ausgetragen. Das erste Duell konnte der Klub aus Mähren mit 6:5 hauchdünn für sich entscheiden, spätestens nach zwei gespielten Dritteln des Rückspiels schien es beim Stand von 4:1 für Brno keine Zweifel über den Aufsteiger ins Finale zu geben. Doch angetrieben von 3.500 fanatischen Anhängern drehte der KAC im letzten Abschnitt das Spiel und scheiterte am Ende (5:5) nur um ein Tor am Einzug ins Endspiel.

Weltpolitik entscheidet das Halbfinale

Ein Jahr später hatten die Klagenfurter mehr Glück: Nach Siegen über Jesenice, Füssen und La Chaux-de-Fonds stand man erneut im Halbfinale, zum vierten Mal in Serie hieß der dortige Gegner Brno. Doch in Folge des gewaltsamen Endes des Prager Frühlings von 1968 durch die Truppen des Warschauer Pakts wurde den Klubs aus der ČSSR in dieser Spielzeit die Ausreise aus dem Land verweigert, die Kärntner zogen kampflos ins Finale ein. Nach acht Duellen ohne Sieg binnen drei Jahren wurde dem KAC also die Chance genommen, sich vom "Trauma Brno" am sportlichen Wege zu befreien. Der Klub aus Mähren rund um seinen Star Jaroslav Jiřík, der ein Jahr später zum ersten osteuropäischen Spieler in der NHL avancierte, war in der Folge nie wieder Gegner einer österreichischen Mannschaft im Europapokal.

1:9 und 3:14 als Erfolge

Die Spannungen innerhalb der Staaten des Warschauer Pakts hatten zu dieser Zeit nicht nur Auswirkungen auf die Halbfinal-Entscheidung, sie beeinflussten den gesamten Europacup. Ein aufs andere Mal mussten Spiele verschoben werden, der Bewerb zog sich immer mehr in die Länge. So kam es dann auch, dass das Finale des Europapokals der Saison 1968/69 erst im Oktober 1969 ausgetragen wurde - lediglich zwei Wochen bevor der KAC gegen Gherdëina in die nächste internationale Saison startete.
Wie erwähnt, war die Saison 1968/69 auch die erste, in welcher der sowjetische Verband seinen Titelträger ins Rennen schickte. Gut denkbar, dass dies nicht zuletzt als Machtdemonstration gegenüber der ČSSR gelten sollte. Deren Klubs hatten den Europapokal bis dahin dominiert (Brno gewann die ersten drei Auflagen, 1968 gab es gegen Jihlava sogar ein rein-tschechoslowakisches Finale), wurden nun jedoch an der Teilnahme gehindert.
Erster sowjetischer Vertreter am internationalen Eis war der Moskauer Armeesportklub CSKA, der sich im Halbfinale gegen Dynamo Berlin aus der DDR problemlos mit 11:1 und 13:0 durchsetzte. Die damals wohl stärkste Klubmannschaft der Welt, personell nahezu identisch mit der "Sbornaja", gastierte somit am Kärntner Landesfeiertag des Jahres 1969 in Klagenfurt. Dabei ließ der bis dahin 14-fache sowjetische Meister dem KAC keine Chance und gewann das Final-Hinspiel mit 9:1. Trainer von CSKA war der legendäre Anatoli Tarassow, der fünf Jahre später als erster europäischer Coach in die "Hall of Fame" der NHL aufgenommen wurde. Auch im zwei Tage später in Wien ausgetragenen Rückspiel dominierten die Sowjets den österreichischen Meister nach Belieben und siegten mit 14:3. Alleine vier Treffer gingen dabei auf das Konto von Wladimir Petrow, der gemeinsam mit Boris Michailow und Waleri Charlamow die weltweit wohl beste Sturmlinie dieser Zeit bildete.

Trotz der herben Niederlagen gegen den Armeesportklub war das Erreichen des Europacupfinales durch den KAC der bis dahin (und für die nächsten knapp 30 Jahre) größte internationale Erfolg einer österreichischen Klubmannschaft. Für CSKA war der Sieg gegen die Klagenfurter der Grundstein für eine schier unglaubliche Erfolgsserie auf europäischer Bühne: Dem ersten Europapokalsieg 1969 sollten in den nächsten 21 Jahren noch 19 weitere folgen. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 14.Jänner 2011)

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    Der Kader des Europacup-Finalisten KAC 1969:

    Gerhard Felfernig, Herbert Gasser, Walter Gollob, Horst Kakl, Dieter Kalt sen., Esko Kaonpää (FIN), Anton Kenda, Ulrich Koch, Walter König, Walter Possarnig, Karl Pregl, Josef Puschnig, Erich Romauch, Adelbert Saint John, Paul Samonig, Gert Schager, Heinz Schupp, Juhani Wahlsten (FIN).

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