Schwammiger Machtkampf

14. Jänner 2011, 18:29
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Auch bei Andy Warhol geht es um Expertisen - und um Macht. Sonst droht die Entwertung, wie Sammler wissen

Das jüngst vom Andy Warhol Art Authentication Board verlautbarte Downgrading hatte es in sich: Seit den 1990er-Jahren lief ein munterer Handel mit den Brillo-Boxen, erwarben renommierte Händler bei Pontus Hultén die Exemplare gleich im Dutzend. 1968 hatte der 2006 verstorbene Gründungsdirektor sechs internationaler Museen, darunter des Centre Georges Pompidou (Paris), auch die weltweit erste Retrospektive von Andy Warhol (Moderna Museet, Stockholm) kuratiert.

Putziges Downgrading

Für diese Ausstellung waren - nach den 1964 aus Sperrholzkisten produzierten Verpackungen der seifengetränkten Putzschwämme - insgesamt 500 aus Karton produziert worden. Zusätzlich ließ Hultén, angeblich vom Künstler autorisiert, rund 100 Exemplare aus Holzfaserplatten herstellen, die man im Eingangsbereich des Museums gestapelt habe. Nach der Ausstellung habe Warhol ihm diese geschenkt.

2007 verbannte die schwedische Tageszeitung Expressen diese Behauptungen ins Reich der Märchen, tatsächlich seien nur Pappschachteln gezeigt worden. Die hölzernen waren mehrheitlich nach dem Tod des Künstlers in einer Malmöer Werkstatt entstanden und hatten längst das Werkverzeichnis infiltriert.

Dokumente, die Hulténs Version bestätigt hätten, fanden sich nicht. Also stufte die Tochtergesellschaft der Andy Warhol Foundation im Spätherbst 2010 alle ab 1968 produzierten Seifenschachterln als Kopien ein. Dabei hatten sich Käufer diese Exemplare bei Auktionen bis vor kurzem bis zu 200.000 Dollar kosten lassen.

Eine andere Causa erledigte sich Anfang Dezember von selbst, weil der bekannte Kunstsammler Joe Simon aufgab, wie das deutsche Handelsblatt berichtete. Drei Jahre lang hatte er wegen Betrugs, Kartellrechtsverletzung und Schadenersatzforderungen in der Höhe von 20 Millionen Dollar gegen das Board prozessiert, weil ihm die Expertise für einen Siebdruck mit einem Warhol-Selbstporträt verweigert worden war. Obwohl die Schablone vom Künstler selbst stammt, der Druck mit seinem Einverständnis von seinem Freund Richard Ekstract ausgeführt worden war. Gemäß Warhols Werkbegriff und Herstellungsindustrie auch laut anerkannten Experten eigentlich ein Original? Nicht für das Board, das lediglich darin übereinstimmte, dass eine authentische Arbeit nicht von ihm persönlich ausgeführt worden sein muss. Das generelle Warhol-Dilemma ist damit nicht vom Tisch, und die Abhängigkeit der Sammler und Galeristen vom Board ist mithin prolongiert. (kron, DER STANDARD/ALBUM - Printausgabe, 15./16. Jänner 2011)

  • PO.083 ließ sich ein Privatsammler 32,6 Mio. Dollar kosten.
    foto: epa/sotheby's

    PO.083 ließ sich ein Privatsammler 32,6 Mio. Dollar kosten.

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