Enquete "Neue Netzpolitik": Urheberrecht macht fast alle zu "Piraten"

14. Jänner 2011, 13:13

Urheberrechtsexperte Till Kreutzer plädierte bei Enquete des SPÖ-Parlamentsklubs für grundlegende Änderung vom "Urheberschutz" zum "Werkschutz"

Sind wir alle Piraten? Wenn wir fremde Bilder oder Texte für eine Internetauktion hochladen, oder wenn wir ein Homevideo weitergeben, bei dem im Hintergrund Musik läuft, möglicherweise schon. "Jeder kommt fast täglich mit dem Urheberrecht in Verbindung - und die breitesten Teile der Bevölkerung begehen massenhaft Rechtsverletzungen", so der Urheberrechtsexperte und Jurist Till Kreutzer heute, Freitag, Vormittag, bei der SPÖ-Klubenquete zur "Neuen Netzpolitik". Die rechtlichen Bestimmung müssten daher nicht durchgesetzt, sondern im Gegenteil grundsätzlich verändert werden, plädierte Kreutzer. "Wenn jeder sich an das Urheberrecht halten würde, würde es moderne Kreativität nicht geben."

Sampling, Computerspiele oder Graphics

Denn die heutige "Remix Culture" basiere mehr denn je auf der Basis vorher bestehender Schöpfungen. "Alte Kulturtechniken werden weiterentwickelt und gänzlich neue entstehen", so Kreutzer mit Verweis auf Sampling, Computerspiele oder Graphics. "Diese Art von Kreativität widerspricht dem Grundgedanken des Urheberrechts: Übernehmen ohne Zustimmung und immer wieder öffentlich zugänglich machen" - das wäre also genau der gegensätzliche Ansatz von "All Rights Reserved". Jeder User wird zum Producer - eben nicht nur wenn er idente Raubkopien von Musik oder Filmen verbreitet.

Für die selbstständig kreative Weiterverwendung von geistigem Eigentum, das "transformative Werkschaffen", wünscht sich Kreutzer eine ähnliche Regelung wie im US-Copyright mit seiner "Fair Use"-Doktrin. Solange das neue Produkt die Vorlage nicht beeinträchtigt, sind solche Einbeziehungen in ein neues Werk zulässig. "Niemand kauft weniger Prince-Platten, weil eine Mutter für die Verwandten ihr Kind gefilmt hat und im Hintergrund Prince läuft", so Kreutzer.

"Das Problem ist die individuelle Fokussierung auf die Interessen des Urhebers oder des Verwerters"

Längerfristig würde allerdings auch so ein Passus nicht genügen: "Das Problem ist die individuelle Fokussierung auf die Interessen des Urhebers oder des Verwerters" - die auch den immer häufiger kollektiv entstandenen Schöpfungen nicht nutze. Stattdessen brauche es einen Paradigmenwechsel vom "Urheberschutz" oder "Verwerterschutz" zum "Werkschutz". Dann könne man sich "sehr viel leichter von der romantischen Idee des Schöpfers oder von der wirtschaftlichen Ideen des Verwerters lösen" und stattdessen die Interessen aller Beteiligten an der aktuellen oder zukünftigen Verwendung des Werks im Auge behalten.

Tatsächlich bestehe das Urheberrecht in seinen Grundzügen allerdings in derselben Form wie zu Anfang des 20. Jahrhunderts. "Was man macht, ist Feintuning, aber es kann nicht darum gehen, das Internet aufzuhalten und in das Konzept des damaligen Urheberrechts hineinzupressen", betonte Kreutzer und beklagte, dass "der anonyme User keine Lobby" habe. "Wir nennen einen großen Teil der Menschen Piraten - das kann nicht die Lösung sein." Ein geändertes Urheberrechtsgesetz, an das sich die breite Bevölkerung überhaupt wieder imstande sei zu halten, könnte durch die gewachsene Bedeutung immaterieller Güter im Internet dagegen sogar "das bürgerliche Gesetzbuch als wichtigstes Zivilgesetz ablösen". (APA)

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Posting 1 bis 25 von 38
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Jacqueline-Gertrude Nachtschatten-Bauerndings
00
18.1.2011, 13:22
Die SPÖ bietet sogar eine Video-Aufzeichnung der Veranstaltung an:

gefunden auf http://stream.klub.spoe.at/netzpolitik/

...die genossen werden doch nicht etwa fortschrittlich werden auf ihre alten tage?

Adolf Hochhaltinger
 
00
30.1.2011, 02:53
Weit über das Ziel hinaus...

Man stelle sich vor, ein 21-Jähriger würde heute das Rad erfinden (und hätte sämtliche Rechte daran): Bei der heutigen Lebenserwartung stirbt er - angenommen - mit 90, also im Jahr 2100. Wenn seine Erben danach noch 70 Jahre die Rechte behalten können, dürfte (im Extremfall) bis ins Jahr 2170 niemand auf der gesamten Welt ein Rad verwenden!!!
Solch eine Lösung dann noch als 'für die Technologie der Welt förderlich' zu bezeichnen, geht über meinen Horizont!

M0ru
00
24.3.2012, 00:30

laengst geschehen ^^
(wenn auch als Patent, da ja kein Kunstwerk)
das Patent fuer zirkulaere Fortbewegungsmittel in Australien: http://www.ipmenu.com/archive/A... 100012.pdf

Freigeist
00
17.1.2011, 09:35
eine sehr komplexe materie, sehr vereinfacht dargestellt

schliesslich sind neben dem urheberschutz auch meist eine reihe anderer rechte zu beachten.

aber die wohl grösste hürde ist der kompromiss, den beide seiten eingehen müssten.

"alles gratis" ist keine lösung, denn sonst müsste man auch fordern, dass auch alle anderen berufe "gratis" ausgeübt werden müssten.

€ 10 pro monat für 5 minuten hintergrundmusik auf der privaten website, wie etwa die akm verlangt, ist auch keine lösung, da es viel zu teuer ist.

hinzu kommt: eine staatsbezogene änderung wäre in bezug auf die urheberrechte ziemlich sinnlos (aber ein anfang), es müsste sich dabei um eine globale lösung handeln.

der ansatz jedoch ist vollkommen richtig: das gesetz MUSS an die neuen bedürfnisse der menschen angepasst werden!

momodeluxe
00
15.1.2011, 09:56

origineller weise wird das US Copyright als positives beispiel erwähnt?

das land, in dem nach dem DMCA besagtes prince video eingezogen wurde, und ein einfacher schrieb an den hoster ausreicht, um beliebigen content zu entfernen?

haha

karl65
00
15.1.2011, 12:06

Der Vortragende hat ausdrücklich betont, dass er das US copyright nicht loben möchte, sondern nur das fair-use system.

Joe Freibergson
03
15.1.2011, 01:23
man muss nur

das geld an die kultur anpassen, nicht umgekehrt.

blöd nur das dass geld sich wehrt und es nicht und nicht begreifen kann, dass es ohne kultur nicht existiert.

Karam Al-Ghossein
00
15.1.2011, 00:22
The Media Revolution. Must see!!!!

http://www.metacafe.com/watch/101... evolution/

franz fröhlich
02
14.1.2011, 22:57
Wenn ich bei jedem Datenträger ohnedies

eine Urheberrechtsabgabe bezahle, egal was ich abspeichere, sollte es damit eigentlich genug sein.

Johann Dau
01
14.1.2011, 20:54

Scheint ja doch manchmal richtig Brauchbares aus der SP zu kommen :)))

PS: Kann mir eigentlich irgendjemand erklären, weshalb das Urheberrecht über den Tod der Verfasser hinaus noch 70 (?) Jahre weiterbesteht?? Bringt das irgendjemandem außer den Plattenfirmen und den Nachkommen der Künstler, die ja alle null kreativen Input geleistet haben, irgendetwas?

hugolino
 
11
16.1.2011, 23:26

meine gedanken dazu: wenn das urheberrecht mit dem tod des verfassers (zb eines buches) erlöschen würde, könnte dieses buch dann von jedem vermarktet werden, mit genausoviel kreativen input wie von den erben des verfassers. wenn das urheberrecht bei den erben bleibt, haben zumindest diese einen finanziellen vorteil von dem buch, so als hätte zb ihr vater eine firma gegründet, von der die erben ja auch etwas haben, ohne zwingendermaßen etwas geleistet zu haben (außerdem haben die erben vl ja durchaus etwas zur erschaffung des werkes beigetragen)

bouche dorée
00
14.1.2011, 20:48
bravo

in manchen teilen bringt die spö doch noch was auf die reihe - vernünftiges konzept zu intellectual property rights sind die grünen ja auch seit jahren schuldig... immerhin ein lichtblick im gegensatz zu dem gruselkabinett der "neuen, jugen spö" und laura&co.

Pareidolic
00
14.1.2011, 19:04
In den Grundzügen

besteht das Urheberrecht sogar in der selben Form wie im 19. Jahrhundert. Und das wäre nicht einmal so problematisch, wenn man gewisse Details auch wieder auf diesen Stand zurück führen würde: 1837 betrug die Schutzfrist 10 Jahre nach Erscheinen des Werkes. 1845 wurde das auf 30 Jahre nach dem Tod des Urhebers erweitert, 1886 auf 50 Jahre, und 1965 auf 70 Jahre.

Im Hinblick darauf wie sich die Produktion, Verwertung und Distribution von Werken beschleunigt hat wäre es angebracht die Dauer des Urheberrechtsschutzes wieder auf die ursprüngliche Länge von 10 (von mir aus 20) Jahren nach der Veröffentlichung zurück zu führen. Das ist genügend Zeit für eine kommerzielle Verwertung, und ermöglicht danach die freie Nutzung historischer Werke.

yomellamo
01
14.1.2011, 17:30
hoffentlich haben die Politiker bei dieser

Enquete im SPOe-parlamentsklub auch ordentlich zugehoert und aufgepasst!!!

nicht weinen
10
16.1.2011, 15:14
Und selbst wenn sie es haben, VERSTANDEN hat es deswegen noch lange keiner

Ich glaube nicht, dass das Thema einen Parteigenossen/-bonzen in irgendeiner Art auch nur annähernd wirklich interessiert.

Beiddenker
63
14.1.2011, 16:01
Und wieder geht die ganze Diskussion an denen vorbei, die ...

... eigentlich wirklich in dieser Sache die Letztentscheidung haben:

Den Künstlern, den Schaffenden.

Die Leute, die sich hier über die "pöse Verwertungsindustrie" aufregen, sollten sich einmal klar werden, dass BEVOR die Verwertungsindustrie etwas verwerten kann, der jeweils Schaffende dem auch vertraglich zugestimmt hat, also eine Willensentscheidung des Schaffenden war.

Und das soll auch so bleiben, dass ALLEINE der Schaffende bestimmen darf, wie sein Werk genutzt werden kann. Wenn der Schaffende entscheidet, es ist "Freeware" gut, wenn der Schaffende entscheidet, eine Verwertungsgesellschaft soll sich darum kümmern, auch gut.

The Real Zet
 
00
19.1.2011, 19:52
stimme zu.

Dass jeder permanent Pirat wäre, ziehe ich massiv in Zweifel. Es fehlt die Differenzierung, durch welche Handlungen welche legitime Interessen geschädigt werden - Zitate, Privatopien zählen da ma sicher nicht dazu! Lassen wir die Kirche also im Dorf und reden endlich darüber, was künftig geschützt werden muss, und was nicht. Und da müssen - da bin ich 200% bei Ihnen - die Urheber die ersten sein in der Gruppe der Stakeholder. Ich bin allerdings skeptisch, ob der oben berichtete SP Vorstoß mehr ist als ein populitisches Stimmenfischen.

Beiddenker
00
26.1.2011, 20:38
Ich habe über die Definition "Pirat" ja gar nicht geschrieben, stimme ...

... Ihnen grundsätzlich ad Privatkopie, Zitate - was hier noch fehlt ist generell freie Nutzung in Bildung und Forschung - voll zu. Das österreichische Gesetz gewährt ja das Recht auf eine Privatkopie.

Mache/Nutze ich ja auch, wenn ich mir eine CD oder DVD kaufe und dann eine private, digitale Kopie für meinen Mediaplayer anfertige oder meiner Freundin auf den PC kopiere.

Was hier aber viele vergessen, dass das "privat" sofort aufhört, wenn die Kopie im Internet verÖFFENTLICHT wird (Website, sharing portal, etc.).

Hier ist das österreichische Gesetz auch eindeutig - was auch meiner Meinung nach gut ist.

maruh
00
14.1.2011, 22:05

http://www.heise.de/newsticke... 69005.html

verwertungsgesellschaften ziehen schaffende übern tisch

ergo bleibt nur noch creative commons

Beiddenker
00
14.1.2011, 23:43
Hmm, mein Posting haben Sie anscheinend nicht verstanden ...

... ALLEINE der Schaffende kann/soll bestimmen, was mit SEINEM Werk passieren soll. Wenn der Schaffende sich für Creative commons Veröffentlichung entscheidet gut, wenn nicht, dann auch gut.

Ich halte es für falsch und eine de facto Entmündigung der Schaffenden, diesen vorschreiben zu wollen, wie sie ihre werke veröffentlichen/verwerten möchten.

maruh
00
15.1.2011, 10:11

hehe

XD

marksu
00
14.1.2011, 20:37
und dann droht man menschen bei facebook, die eine abbildung einer comicfigur für ihr profil verwenden

wenn jemand ein buch mit figuren eines andren druckt, dann ist das ein problem, wenn in privatem rahmen und so sehe ich facebook, ein bildchen verwendet wird, muss nicht sofort jemand aufspringen.

das gleiche mit den liedern in kindergärten, wofür jetzt in D gezahlt werden soll.

es gibt einfach dinge wo übers ziel geschossen wird und um die geht es hier.

nicht weinen
00
16.1.2011, 15:16
facebook als "privaten Rahmen" zu bezeichnen ist aber frivol! Gell?

Beiddenker
00
14.1.2011, 23:44
Und was hat Ihr Posting mit meinem Posting zu tun? ...

...

=P
02
14.1.2011, 15:39
Bestes Beispiel dürfte sein:

Die vielen Patentstreite die derzeit zwischen vielen Unternehmen stattfinden. Fast jede Technologie stützt sich meist auf irgendetwas vorhandenes. Man kann schließlich nicht das Rad neu erfinden.

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